Lüner Kaufleute wollen an Sonntagsöffnungen festhalten - erste Termine bekannt

rnVerkaufsoffene Sonntage

Noch hat der Stadtrat keinen Beschluss zu den verkaufsoffenen Sonntagen für 2019 gefasst. Die Kaufleute haben aber schon erste Vorstellungen. Kritik an den Öffnungen weisen sie zurück.

Lünen

, 13.01.2019, 10:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Acht verkaufsoffene Sonntage sind nach dem Gesetz für Lünen möglich, wie Stadtsprecher Benedikt Spangardt auf Anfrage mitteile. Weiter heiße es dort, die Freigabe eines Sonntags als verkaufsoffen „kann sich auf bestimmte Bezirke, Ortsteile und Handelszweige beschränken. Innerhalb einer Gemeinde dürfen […] insgesamt nicht mehr als 16 Sonn- und Feiertage je Kalenderjahr freigegeben werden“.

So viele werden es in Lünen definitiv nicht werden. Letztendlich entscheiden zunächst der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung sowie anschließend der Stadtrat, an welchen Terminen die gesetzliche Regelung greifen soll. „Die Kaufmannschaften aus der Innenstadt, aus Lünen-Süd und aus Brambauer leiten entsprechende Daten an die Stadt weiter“, beschreibt Spangardt den Regelfall. Somit würde der Ausschuss am 28. März und der Rat am 1. April entscheiden.

Verdi: Sonntag ist eine Ruheinsel

In den vergangenen Jahren hatte es vor allem seitens der Gewerkschaft Verdi viel Kritik an den verkaufsoffenen Sonntagen gegeben. Mehr Arbeit und mehr Stress für die Arbeitnehmer, aber im Gegenzug keine nennenswerte Ertragssteigerung, lautete die Gleichung. „Der arbeitsfreie Sonntag bildet – noch – eine Ruheinsel, in der Menschen ihre Zeit nach ihren Bedürfnissen verbringen können“, argumentiert die Gewerkschaft und spricht sich strikt gegen jegliche Sonntagsöffnung aus.

Der Konflikt wurde 2018 verschärft, als die schwarz-gelbe Landesregierung das Ladenöffnungsgesetz ändere und die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage von vier auf acht verdoppelte. „Wir wollen den stationären Handel im Wettbewerb mit dem Onlinehandel stärken und die Attraktivität unserer Innenstädte steigern“, hatte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) damals erklärt. Verdi zog gegen diverse Sonntagsöffnungen vor Gericht - teilweise mit Erfolg. Denn die Sonntagsöffnung muss an einen Anlass gekoppelt sein - wie zum Beispiel traditionelle Volksfeste.

„Fester Bestandteil des Umsatzes“

In Lünen wären das unter anderem die Himmelfahrtskirmes und die Lünsche Mess. Laut Helmut von Bohlen, Vorsitzender des City-Rings, sind diese beiden Termine (2. Juni und 8. September) auch für 2019 wieder vorgesehen, ebenso ein verkaufsoffener Sonntag im Rahmen des Weihnachtsmarktes (8. Dezember). Hinzu komme das Moonlight-Shopping mit Bläserserenade am 31. August.

„Die verkaufsoffenen Sonntage sind bei vielen Händlern ein fester Bestandteil des Umsatzes geworden“, betont von Bohlen. „Die meisten Händler möchten - und einige können - darauf nicht verzichten.“ Der Umsatz stehe an solchen Tagen im Vordergrund, aber es gehe auch um Image-Gewinn: „Lünen muss sich immer wieder als starke und attraktive Einkaufsstadt präsentieren und sich gegen die Konkurrenz der umliegenden Städte und des Internethandels behaupten.“ Dazu biete der verkaufsoffene Sonntag eine hervorragende Plattform.

Dorffest am Sonntag - nicht alle machen mit

Michael Ristovitch, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft „Brami“ in Brambauer, hat hingegen seine Zweifel, ob der verkaufsoffene Sonntag wirklich ein Image-Gewinn für die Kaufleute ist. Dennoch misst er Brambauers einzigem verkaufsoffenen Sonntag - dem Frühlingsfest am 12. Mai - eine hohe Bedeutung bei: „Das ist in erster Linie für unser Dorf ein Dorffest, wo sich einmal im Jahr Jung und Alt trifft. Schulen und Kindergärten sind auch vertreten. Deshalb finde ich so einen Fest gut und wichtig für unsere Ortschaft.“

Allerdings sei das für die Kaufleute kein Geschäft: „Der Umsatz ist gering und das Personal muss für Sonntagsarbeit bezahlt werden.“ Deshalb würde leider auch nicht jedes Geschäfts in Brambauer mitmachen. „Am liebsten wäre es mir, wenn die Stadt solche Feste organisieren würde“, sagt der Brami-Chef. Dann könnte sie auch die Kosten für Künstler, Gema oder Straßensperrungen übernehmen und so die Geschäftsleute entlasten.

Fünf Stunden im Jahr „keine so große Belastung“

Die Sonntagsarbeit ist Verdis Hauptkritikpunkt, nachvollziehen können das von Bohlen und Ristovitch jedoch nicht. „Viele Mitarbeiter sind froh, wenn sie ein zusätzliches Einkommen erarbeiten können, wird die Sonntagsarbeit nicht zuletzt auch sehr hoch vergütet“, berichtet von Bohlen aus Gesprächen mit Betroffenen. Auch Ristovitch glaubt, dass die fünf Stunden einmal im Jahr keine so große Belastung für die Arbeitnehmer seien: „Denken Sie bitte einfach auch an die Berufe wie Krankenpfleger, Ärzte, Bahn-und Busfahrer, oder auch Schichtarbeiter.“

Fraglich, ob Verdi die Lüner Argumente überzeugen können. Stadtsprecher Benedikt Spangardt ist jedoch optimistisch, dass die geplanten Sonntage stattfinden können: „Die Stadt spricht sich im Vorfeld mit der Gewerkschaft Verdi zu den Terminen ab. Klagen werden daher keine befürchtet.“

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