Über blöde Sprüche auf der Baustelle kann Maria Wirtz-Flume nur lachen

rnSerie Familiensache

In die beruflichen Fußstapfen der Eltern treten - das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Doch in Lünen gibt es erfolgreiche Beispiele der Firmenübernahme. Wie Maria Wirtz-Flume.

Lünen-Süd

, 03.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Als Maria Wirtz-Flume zum Sachkunde-Nachweis „Schimmelpilz“ kam, wollte ein älterer Herr sie zum Versicherungsseminar im Raum nebenan schicken. Und beim ersten Mess-Einsatz auf einer Baustelle fragten die Arbeiter die 36-Jährige, was sie denn mit dem Zelt wolle, etwa übernachten? Darüber kann die künftige Chefin der Lüner Firma „Klimawerkstatt“ lachen. Sie hat sich den Respekt von Kunden und Mitarbeitern längst erarbeitet.

Seit Sommer 2015 ist sie Vollzeit in der „Klimawerkstatt“ tätig, die Jörg Flume 2001 gegründet hat. Vor drei Jahren hat der 60-Jährige die Tochter seiner Frau José adoptiert. „Weil wir eine Familie sind. Ich habe zwei Väter - meinen leiblichen im Rheinland und Jörg.“ Dieser lernte seine Frau und damit auch Maria Wirtz vor 23 Jahren kennen.

Urlaub muss jetzt miteinander abgesprochen werden

Gemeinsame Doko-Abende und auch Unterstützung bei den Umzügen, die Maria Wirtz-Flume hinter sich hat, schweißten ebenso zusammen wie gemeinsame Urlaube mit José Flume und Marias Lebensgefährten Stefan, die jetzt allerdings eher seltener werden. „Einer von uns beiden muss immer in der Firma sein, da müssen wir uns mit dem Urlaub absprechen“, so Flume.

Maria Wirtz-Flume kennt die Anforderungen in einem Betrieb schon aus ihrer Kindheit. Ihr Vater führte am Niederrhein eine Landmaschinen-Firma: „Die hat mittlerweile mein Bruder übernommen.“ Auch sie wird eines Tages Firmenchefin sein. „Derzeit bin ich noch in der Einarbeitungsphase, lasse mich auf Stand bringen.“

Regelmäßige Schulungen für die Mitarbeiter

Jeden Montag ist sie dabei, wenn die sieben gewerblichen Angestellten zu Themen rund um Wasserschäden oder Luftdichtigkeitsmessung geschult werden. Dass Jörg Flume die Klimawerkstatt gründete, hat er seiner Frau zu verdanken.

Die Mediatorin hatte ein Seminar bei einer Trocknungsfirma und brachte ihrem Mann Unterlagen von dort mit. Flume informierte sich und begann zunächst nebenberuflich Bautrocknung anzubieten. So erfolgreich, dass er sich dann 2003 entschloss, sich ganz auf die „Klimawerkstatt“ zu konzentrieren.

Firmengeschichte

Erst angestellt, dann eigener chef

  • Jörg Flume ist Elektromeister, war 15 Jahre bei einer Lüner Firma für Automatisierungstechnik zuständig, wechselte dann zum Märkischen Tiefbau und war anschließend zwei Jahre lang in Bochum Geschäftsführer einer Handwerker-Kooperation, bevor er sich 2001 mit der Klimawerkstatt selbstständig machte.
  • Die Klimawerkstatt hatte ihren Sitz zunächst an der Alsenstraße. Vor einigen Jahren ist der Betrieb an die Derner Straße 136 umgezogen.
  • Neben sieben gewerblichen Angestellten aus verschiedenen Handwerksbereichen beschäftigt die Firma in der Verwaltung eine Auszubildende, eine Halbtagskraft und die beiden Chefs.

„Wir sind Spezialisten für die Beseitigung von Wasserschäden, kümmern uns auch um Baubeheizung, Sanierung bei Schimmelpilzbefall und haben zudem schon 5000 Luftdichtigkeitsmessungen durchgeführt“, so Flume. Beispielsweise bei Hallenbädern. Die Messung ist ein wichtiges Maß für Energieeffizienz.

Dass Maria Wirtz-Flume eines Tages in die Firma einsteigen würde, war zunächst nicht abzusehen. „Ich hab erst Germanistik, Philosophie und Geschichte in Dresden und Bochum studiert“, so die 36-Jährige.

Über blöde Sprüche auf der Baustelle kann Maria Wirtz-Flume nur lachen

Beim Kinofest-Abschluss 2017 überreichte Kinofestleiter Mike Wiedemann Blumen an Maria Wirtz zum Abschied nach zwölf Jahren. © Günter Blaszczyk

Als Praktikantin kam sie 2005 ins Team des Lüner Kinofestes - und blieb 13 Festivals lang dabei.

Nach kurzer Zeit war sie bereits Assistentin der Kinofest-Leitung, kümmerte sich um organisatorische Belange. Das kommt ihr heute auch in der „Klimawerkstatt“ zugute, in der sie Termine und Mitarbeiter koordinieren muss, aber auch selbst zu Kunden rausfährt.

Nach 13 Jahren Abschied aus dem Kinofest-Team

Nach einer freiberuflichen Phase begann sie 2007 eine Ausbildung zur Medienkauffrau Digital und Print bei Lensing Media, und war dort anschließend im Marketing und der Digitalabteilung tätig. „Zwischendurch hab ich immer schon was für Jörgs Firma gemacht, kannte die Arbeit dort also schon.“

Sie entschied sich für einen beruflichen Neuanfang, arbeitete zunächst auf 30-Stunden-Basis für die „Klimawerkstatt“. „Es hat mir wirklich gut gefallen und es war definitiv mehr Arbeit da, als in die 30 Stunden passte.“ Nach 13 Jahren gab sie die Arbeit fürs Kinofest auf und stieg Vollzeit in die „Klimawerkstatt“ ein.

Über blöde Sprüche auf der Baustelle kann Maria Wirtz-Flume nur lachen

Maria Wirtz-Flume wird die Firma Klimawerkstatt von Jörg Flume eines Tages übernehmen. © Beate Rottgardt

Zur Freude von Jörg Flume, der schon lange die Idee hatte, dass sie seine Nachfolgerin werden könnte. Es sei schwierig, Nachfolger gerade für Handwerksbetriebe zu finden, so der Firmenchef. „Es ist für uns kein Job von 9 bis 17 Uhr, zumal wir auch oft Soforteinsätze haben. Wenn ein Wasserrohr gebrochen ist oder es, wie vor vier Jahren in Münster, Starkregen gibt, können die Leute ja nicht eine Woche warten.“

Viele namhafte Kunden gewonnen

Auch qualifizierte Mitarbeiter zu finden, werde immer schwieriger. „Man muss sich schon was einfallen lassen, auch was das Betriebsklima betrifft“, so Flume. Das ist auch Maria Wirtz-Flume wichtig. Die Firma hat sich einen Namen gemacht. Kunden sind beispielsweise Aurubis, die Stadt Lünen, die Zentrale Gebäudebewirtschaftung, Remondis, Stadtwerke, Sparkasse, Wohnungsgesellschaften oder Versicherungen. „Wir brauchen Kunden, die immer wiederkommen.“

Der neue Standort an der Derner Straße ist ideal für die „Klimawerkstatt“. „Von hier aus kommen wir schnell auf die Autobahn, wenn wir Kunden außerhalb Lünens haben“, so Flume.

Bei Entscheidungen gibt es kurze Wege

Maria Wirtz-Flume kann sich nicht mehr vorstellen, als Angestellte zu arbeiten: „Ich hab so einfach mehr Handlungsspielraum. Und ich kann meinen Hund Tini mit ins Büro nehmen. Außerdem sind es hier kurze Wege, ich muss die Entscheidungen nur mit Jörg besprechen.“

Dass sie auch oft am Wochenende im Büro sitzt, stört die 36-Jährige nicht. Im Gegenteil: „Da hat man einfach mehr Ruhe“, so ihre Erfahrung. „Und ich weiß, wofür ich das Ganze mache.“

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