Lüner Klinikum: Wie Katze Schnursula und Hund Balou Intensivpatienten auf die Beine helfen

rnBeamer im St.-Marien-Hospital

Wer auf einer Intensivstation liegt, dem geht es schlecht. Ulrich Möller liegt dort seit Oktober. Und es wird dauern. Gut, dass es im Klinikum jetzt ganz besondere Grüße von Zuhause gibt.

Lünen

, 07.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Wochen und Monaten immer das gleiche Bild: Schwestern und Pfleger, die um den Mann herumwuseln, helfen, versorgen, ein paar freundliche Worte sagen und dann wieder diese Leere: Stunde um Stunde der Blick an die Decke und an kahle Wände. Bilder auf „Intensiv“, das ist schwierig, die stören, wenn es mal schnell gehen muss. Das ist hier auf dieser Station anders als auf anderen im Klinikum St. Marien.

Spezieller Projektor schafft Abhilfe

Besuch kommt durchaus, aber manchmal wohnt der weit weg. Und gerade, wenn es wie bei dem 51-jährigen Ulrich Möller so lange dauert, dann wird es schwierig - auch für die Angehörigen. Im St.-Marien-Hospital hat man für Intensivpatienten und für ihre Angehörigen eine Lösung gefunden: „Qwiek.up“ heißt der spezielle mobile Projektor, der aus einem Zimmer auf der Intensivstation einen Waldspaziergang, einen Strandbesuch oder den Sternenhimmel macht.

Das geht alles mit den mitgelieferten USB-Sticks, die einfach nur in dieses mobile Gerät gesteckt werden müssen. Kein Schnickschnack, es muss schnell und einfach gehen hier auf der Station.

Ulrich Möller sieht nicht nur Wald und Strand, sondern noch etwas ganz anderes: Sein Pferd, den Pferdehof, seinen Hund und seine Katze - und er kann alle seine Freunde beim Reiten beobachten. „Schuld“ daran sind seine Nichten Hanna und Laura Simonetti und seine Schwester Karina. Denn: Familien können auf eigenen Sticks private Botschaften, Fotos und Videos speichern und so ihre Angehörigen erfreuen. Vor Weihnachten gab es die ersten Bilder von Zuhause, mit Möllers Pferd Rico, von Hund Balou und der Katze „Schnursula“

Lüner Klinikum: Wie Katze Schnursula und Hund Balou Intensivpatienten auf die Beine helfen

Über die Anschaffung des mobilen Projektors sind Familie, Ärzte, Pfleger und Mitglieder des Fördervereins gleichermaßen glücklich. © Britta Linnhoff

Einen Tag vor Heiligabend haben sie das neue Gerät aufgebaut. 6000 Euro kostet es. Das ist ganz offenbar seinen Preis wert. Ein wahres Weihnachtsgeschenk für alle.

Aus der neunten Etage sieht man beim Blick aus dem Fenster nur Grau

Dr. Berthold Lenfers, Direktor der Medizinischen Klinik 2 und stellvertretender Ärztlicher Direktor, sagt es so: „Die Patienten liegen hier manchmal Monate im Bett. Und wenn man in der neunten Etage ist, und aus dem Fenster guckt, sieht man derzeit nur grauen Himmel.“

Dass das nicht dazu angetan ist, die Stimmung zu heben und Patienten dazu zu bewegen, an Heilung zu glauben, liegt auf der Hand. Die Grüße per Stick haben schon viel bewirkt, da sind sich die Angehörigen, Ärzte und Pfleger einig. Nderim Radoncic, Stationsleiter operative Intensivstation: „Der Patient hat sich viel lebhafter gezeigt, das war eine ganz andere Körperhaltung“.

Und noch einen Vorteil haben er und seine Kollegen ausgemacht: „Wir kommen mit unseren Patienten viel besser ins Gespräch. Uns sagen die Bilder ja nicht soviel, also fragen wir nach, und sie erzählen.“

Und auch für die Angehörigen vermittelt das Gefühl, etwas für den Kranken tun zu können, viel Positives. „Oft“, so sagt Radoncic, haben sie das Gefühl, bei ihren Besuchen nur im Weg zu stehen und einfach nichts tun zu können.

Dass nun ihr bespielter USB-Stick viel hilft, hilft auch ihnen, mit der schwierigen Situation zurecht zu kommen. Ulrich Möller jedenfalls ist neugierig auf die nächsten Sticks, die seine Familie längst vorbereitet hat. Inzwischen ist der dritte voller Fotos und Videos.

Längst gibt es auch eine WhatsApp-Gruppe aus Familie und Freunden, die für Material-Nachschub sorgt. „Er sieht das Gewohnte“, sagt Hanna Simonetti, „und das ist schön“. Ihr Onkel frage nach den Fohlen, „und nun können wir ihm Bilder zeigen“. Und es zeige ihrem Onkel auch, „dass er alles noch so vorfinden wird, wie es war“.

27 solcher Geräte seien bisher in ganz Deutschland in den Krankenhäusern im Umlauf. Könnte sein, dass in absehbarer Zeit ein weiteres dazu kommt, ein zweites für das Klinikum St. Marien. Das jedenfalls können sich alle nach den ersten Einsätzen des Geräts auf jeden Fall sehr gut vorstellen.

Der Kauf des Gerätes wurde durch den Förderverein am St.-Marien-Hospital möglich. Die Ehefrau eines Patienten hatte sich zu ihrem 80. Geburtstag eine Spende an den Förderverein gewünscht. Ergänzt durch Mitgliedsbeiträge konnte diese Idee finanziert werden.
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