Lüner Koje: Übernachtungsstelle für Jugendliche in Not ist dicht

rnObdachlosigkeit

Für einige Jugendliche war die Koje eine letzte Anlaufstelle. Ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett, etwas zu Essen. Dankbar nahmen Mädchen und Jungen das Angebot an - bis August 2018.

Lünen

, 25.05.2019, 11:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Koje in der Lüner City ist Geschichte: Völlig geräuschlos wurde die Übernachtungsstelle für Jugendliche im August vergangenen Jahres geschlossen. Das bestätigten die Stadt Lünen und der Verein Wellenbrecher (Dortmund) am Mittwoch (22.) auf Anfrage unserer Redaktion.

50 bis 60 Jugendliche pro Jahr

Seit 2011 nahm die Koje im Schnitt 50 bis 60 Jugendliche pro Jahr auf, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr in ihrem Elternhaus leben konnten oder wollten. Zu diesem Zweck hatte Wellenbrecher, ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe, zwei Etagen-Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus an der Borker Straße angemietet. Die beiden zweckmäßig eingerichteten Wohnungen boten jeweils Platz für vier Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren – getrennt nach Mädchen und Jungen.

Lüner Koje: Übernachtungsstelle für Jugendliche in Not ist dicht

So sah es in der Küche der Koje aus. © Storks

Lüner Koje: Übernachtungsstelle für Jugendliche in Not ist dicht

In dem Gemeinschaftsraum wurde auch gefrühstückt und zu Abend gegessen. © Storks

In der Koje herrschten wenige, dafür aber strenge Regeln: Gefrühstückt wurde gemeinschaftlich um 6.45 Uhr. Um 7.30 Uhr mussten die Bewohner das Haus verlassen, bei Wind und Wetter. Nur wer krank war und das mit einem Attest belegen konnte, durfte tagsüber in der Koje bleiben. Einlass war um 19 Uhr, um 20.30 Uhr gab es ein warmes Abendessen, gekocht von Mitarbeitern der Koje.

Zur Schließung der Koje teilte die Stadt auf Anfrage mit:

Die Koje war ein Modell, das Wellenbrecher und das Jugendamt Lünen in Kooperation entwickelt haben. Unter Berücksichtigung der Problemlage und der Zielvorgaben war es, unter anderem durch verschärfte Auflagen der Heimaufsicht des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe nicht möglich, ein wirtschaftliches und kostendeckendes Angebot zu gestalten.

Das bestätigte Peter Bollmann, Bereichsleiter bei Wellenbrecher. Weitere Angaben zu den Hintergründen machte er am Mittwoch keine. Wenige Wochen vor der vom Verein im Sommer ohne genauen Zeitpunkt angekündigten Schließung der Koje im August 2018 hatte er erklärt, dass sich Projekt „Die Koje“ über die Tagessätze finanziere, die der Verein über das Jugendamt der Stadt pro Jugendlichem bekommt.

„Zubrotgeschäft für Wellenbrecher“

Damit, hatte Peter Bollmann weiter gesagt, „sind unsere Kosten aber nicht gedeckt“. Das liege nicht nur an den Mieten. Zu Buche schlagen speziell die Personalkosten, so Bollmann: „Selbst die beiden Nachtwachen müssen ausgebildete Pädagogen sein. Für Wellenbrecher ist das ein Zubrotgeschäft.“

Es gebe alternative Angebote, auf die das Jugendamt zurückgreifen könne, allerdings mit anderen pädagogischen Konzepten, sagte am Mittwoch (22.) Stadtsprecher Benedikt Spanardt. Die alternativen Angebote anderer Träger befänden sich aber nicht in Lünen. Gleichwohl gibt es laut Spangardt „auch weiterhin eine Zusammenarbeit mit Wellenbrecher in verschiedenen Bereichen der Jugendhilfe - ambulant und stationär“.

Wellenbrecher-Bereichsleiter Peter Bollmann erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass Wellenbrecher eine Art Koje in Schwerte betreibe und dass dort auch Lüner Jugendliche im Auftrag des hiesigen Jugendamtes untergebracht werden könnten.

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