Lüner Konzertreihe: Auftakt nimmt Komponistinnen in den Fokus

rnHeinz-Hilpert-Theater

Den Auftakt zur 12. Saison der Lüner Konzertreihe machte am Samstag (3.10.) das Farrenc-Ensemble. Dessen Musik wirkte auch im großen Rahmen des Hilpert-Theaters.

Lünen

, 05.10.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass das Konzert coronabedingt vom intimeren Hansesaal ins Heinz-Hilpert-Theater verlegt werden musste, tat der kammermusikalischen Wirkung keinen Abbruch. Saßen auch die Zuhörer in größerer Entfernung zu den Künstlern, so war doch von Anfang an die emotionale Verbundenheit zu spüren. Viola-Solist Klaus Christa, bedankte sich im Namen des Ensembles und fühlte durch die herzliche Aufnahme „reich belohnt“.

Schumann zum Beginn

Die Gruppe, die sich verstärkt für Komponistinnen einsetzt, hat ihren Namen nach der französischen Komponistin Louise Farrenc ausgerichtet, die als eine der bedeutendsten Musikschöpferinnen des 19. Jahrhundert gilt. Da war es auch kein Bruch, dass am Konzertbeginn das Klavierquartett Es-Dur op. 47 von Robert Schumann stand. Zum einen hat Schumann Louise Farrence bewundert eine sehr lobende Rezension gewidmet.

Zum andern weiß man bei Schumann nicht ganz genau, wie viel Einfluss seine Ehefrau Clara auf sein künstlerisches Schaffen hatte. Inhaltlich war das vorgestellte Werk von hoher romantischer Wirkung. Gefühlvoll transportierten die Solisten Mayumi Kanagawa (Violine), Klaus Christa (Viola) und Mathias Johansen (Violoncello) die träumerische Atmosphäre der Einleitung, während Katya Apekisheva am Piano einen eher untermalenden Part übernahm. Nach einem kräftigen rhythmischen Impuls und kurzen Pizzicato Passagen waren im Andante sowohl klagende als auch hoffnungsvolle Töne zu hören, bis alles mit einem lebhaften Vivace endete.

Zwangsheirat und Repressalien

Das zweite Werk des Abends war das Klavierquartett Nr. 1 B-Dur der französischen Komponistin Mélanie Bonis, die sich nach Repressalien durch das Elternhaus, Zwangsheirat und Mutterverpflichtungen erst im Alter von 42 Jahren kompositorisch entfalten konnte. Das vom Ensemble präsentierte Werk, bei dem die Komponistin dem Piano einen gewichtige Part zukommen ließ, ist das Hauptwerk ihrer kammermusikalischen Kompositionen.

Den Abschluss des Konzertabends bildete das Quintett Nr. 1 a-moll von Louise Farrenc. Dominik Wagner ergänzte mit seinem Kontrabass das vorher als Quartett agierende Ensemble. Neben der starken Stellung des Cello hatte die Komponistin dem Kontrabass eine wichtige Rolle zugedacht. Schumann schrieb Louise Farrenc zu, dass ein ganz leiser romantischer Duft über ihrem Werk schwebe.

Egal, ob die Zuhörer diesen Duft wahrnahmen oder nicht, auf jeden Fall hatte man bei der Darbietung das Empfinden von Romantik pur. Besucherin Daniela meinte: „Ich fand die Idee, Komponistinnen eine Bühne zu geben und deren Wirken in einer von Männern dominierten Arbeitswelt explizit darzustellen, sehr spannend.“

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