Lüner Reisebüro-Besitzer: „Wir sind derzeit eher ehrenamtliche Krisenhelfer für die Kunden“

rnCoronavirus

Statt Flüge, Hotels oder Kreuzfahrten zu verkaufen, sind die Mitarbeiter von Reisebüros derzeit als „ehrenamtliche Krisenhelfer“ tätig. Ein Lüner Reisebüro-Chef schildert die Situation.

Lünen, Selm

, 18.03.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Joachim Horn hat schon einiges erlebt im Laufe vieler Jahre als Leiter der Reisebüros Horn in Lünen und Selm. Doch zur Corona-Krise sagt er: „Diese Situation ist einzigartig und übertrifft die tragischen Ereignisse des 11. Septembers bei weitem.“

Aktuell bedeute das für alle Reisebüros, die als „dienstleistender Handelsvertreter“ nur bei einer durchgeführten Reise bezahlt werden, dass diese seit nunmehr fast vier Wochen damit beschäftigt seien, gebuchte Reisen hauptsächlich für die Osterferien zu stornieren oder umzubuchen. Durch den Wegfall der Provisionen werde die Arbeit der letzten Monate „schlicht zunichte gemacht“.

Großzügige Regelungen auch für kleinere Betriebe

Da es auch in den kommenden Wochen oder sogar Monaten unwahrscheinlich erscheine, dass Reisen und Buchungen kurzfristig massiv wieder anziehen, hofft Horn - mit der gesamten Reisebranche -, dass die Bundesregierung ihr Versprechen hält. Und so keine Arbeitsplätze verloren gehen und großzügige Regelungen für Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen auch für kleinere und Kleinstbetriebe konsequent getroffen werden.

Aufgrund des großen Informationsbedarfs von Kunden werde man, so Horn, dafür Sorge tragen, dass die Reisebüro-Mitarbeiter weiterhin erreichbar seien, sei es telefonisch oder per E-Mail.

Derzeit betreuen die Mitarbeiter der Reisebüros Kunden, die noch nicht abgereist sind und sich fragen, ob ihre geplante Reise überhaupt stattfindet. Horn: „Hier ist die Situation bei Reiseeinschränkungen, Einreiseverboten und Reisewarnungen eindeutig und wir helfen, die Reise abzusagen oder auch umzubuchen.“

Betreut werden auch Kunden, die in Vertrauen auf die Situation verreist sind und die zum Beispiel aufgrund der Ausgangssperren wie in Spanien das Hotel nicht verlassen können und die sich Hilfe suchend an das Lüner Reisebüro wenden, um frühzeitig nach Hause zurückzukehren.

Noch keine Aussagen zu Reisen ab Mai möglich

Aber auch Kunden, die sich in Gebieten befinden, die nur marginal betroffen sind, wie Thailand, wollen angesichts der Corona-Krise früher als geplant zurück fliegen. Weil sie sich um Angehörige kümmern wollen oder weil ihre Anwesenheit aus beruflichen Gründen dringend erforderlich ist. Sie wenden sich ebenfalls an die Reisebüromitarbeiter.

Andere Ratsuchende haben Reisen für Mai, Juni oder Juli gebucht. Horn: „Leider können wir ihnen nach aktuellem Stand keine befriedigende Auskunft für diesen Zeitraum geben.“

Jetzt lesen

Aber auch Menschen, die ihre Reisen online im Internet oder über Call Center gebucht haben und derzeit keine Ansprechpartner erreichen können, wenden sich ratlos telefonisch oder per Mail an die Reisebüros vor Ort. Horn: „Auch hier bemühen wir uns nach Kräften, zumindest Hinweise und Ratschläge zu geben, können aber auch auf die eigentlichen Buchungen keinen wirklichen Einfluss nehmen und erhalten auch von den Veranstaltern aus Datenschutzgründen keine weitergehenden Angaben.“

Um auf die Kundenanfragen reagieren zu können, arbeiten die Reisebüros mit Auskünften der Reiseveranstalter aber auch mit Infos aus verschiedenen anderen Quellen.

Anbieter sind nur schwer erreichbar

Beispielsweise mit Informationen des Auswärtigen Amtes, des Deutschen Reise Verbandes, des Robert-Koch-Instituts und anderer Quellen. Horn: „Das Problem sind nicht mangelnde Informationen, sondern eher, dass wir als Reisebüros die Reiseveranstalter oder auch sonstige Leistungsträger wie Reedereien oder Fluggesellschaften aufgrund der allgemeinen Nachfrage nur schwer oder kaum erreichen.“ Denn natürlich haben in der ganzen Bundesrepublik Kunden von Reisebüros viele Fragen.

Lesen Sie jetzt