Lüner schrieb Buch über Lünen und die Staaten

Lüner in den USA: Siegfrid Cesh

Vor 60 Jahren wanderte Siegfrid Cesh in die USA aus. Über sein Leben, die Flucht aus Schlesien, das Leben in Lünen und die Abenteuer in den USA hat er ein Buch geschrieben - Freundschaften nach Lünen pflegt er auch heute noch. In unserer Serie „Lüner in den USA“, stellen wir Menschen aus der Lippestadt vor, die im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ beruflich Fuß gefasst haben.

LÜNEN

, 04.11.2016 / Lesedauer: 3 min

„Letzter Gruß vor der Überfahrt“ steht auf der Schwarz-Weiß-Postkarte mit einem Foto eines Schiffes. Günter Mette hat die Karte aufbewahrt, zusammen mit vielen handgeschriebenen Briefen, Weihnachtsgrüßen, einem Tonband und Fotos. Alle stammen von seinem Freund Siegfried Cesh, der 1956 als Siegfried Czyz von Lünen in die USA auswanderte. Erstes Ziel des damals 20-Jährigen war New York, doch dann zog es ihn schnell an die Westküste, nach Kalifornien.

Beinahe 40 Jahre lebte er dort, gründete eine eigene Baufirma in Los Angeles und lebte auch in Fresno, unweit von San Francisco. 1999, als seine Töchter Simone und Tanja erwachsen und an die Ostküste gezogen waren, entschlossen sich Siegfried und Ingeborg Cesh (so hatte er sich umbenennen lassen, damit die Amerikaner den Nachnamen besser aussprechen und schreiben können), auch in den Osten zu ziehen.

Ein schönes Haus am Meer

In Maine fanden sie ein schönes Haus am Meer. Die älteste Tochter wohnt nur eine halbe Stunde von den Eltern entfernt, die jüngere in der größten Stadt des Bundesstaates, Portland, die etwa 66 000 Einwohner hat. Siegfried und Ingeborg Cesh haben eine 17-jährige Enkeltochter und einen 15-jährigen Enkelsohn.

Seine Frau hatte Cesh in Süddeutschland kennen gelernt. „Da war er als GI stationiert, denn er musste zur Armee, das war die Voraussetzung, um die amerikanische Staatsbürgerschaft zu bekommen“, so Mette. Cesh kam als amerikanischer Soldat nach Deutschland, traf dort seine Ingeborg und nahm sie mit in seine neue Heimat.

Ein Buch über Lünen und Amerika

Mit ihren Töchtern sprachen die beiden bewusst nur Englisch – „damit sie besser in den USA klar kommen“. Später lernte Tochter Simone aber noch Deutsch. Mit seinen Kindern kam Cesh vor einigen Jahren nach Deutschland, um gemeinsam mit Mette eine Radtour durchs Münsterland zu unternehmen. Und auch sonst war Cesh schon einige Male in seiner alten Heimat. Beispielsweise bei Klassentreffen, die sein Freund Günter Mette organisiert hatte.

„Ich versuche, alle drei Jahre nach Lünen zu kommen“, erzählt Cesh bei einem Telefonat mit ihm – in bestem Deutsch mit nur wenig Akzent. Vor drei Jahren hat er auch ein Buch über die vielen Erlebnisse, seinen Geburtsort in Oberschlesien, die Flucht, die Zeit in Lünen und dann das Abenteuer Amerika geschrieben.

„The River“ heißt es und er arbeitet aktuell an der Übersetzung. Wenn alles gut geht, könnte es noch vor Weihnachten auf Deutsch erscheinen. „Mein Vetter, der sehr gut Deutsch spricht, hat es übersetzt, dann habe ich es durchgeschaut und auch meine Frau. Jetzt kümmert sich mein Vetter um die Übersetzung der Texte zu den vielen Bildern, die im Buch sind.“

Gerne denkt er an die Lippe und die Cappenberger Wälder An seine zehn Jahre in Lünen hat Cesh, der sehr christlich geprägt ist und sich kirchlich engagiert, nur die besten Erinnerungen. „Es war ein schönes Leben da. Und wenn ich in Lünen bin, treffe ich auch immer Günter, meinen besten Freund.“ Gerne erinnert er sich auch an seine Lehrer hier – „sie waren wie Väter zu mir, ohne mich zu bemuttern, haben von mir schon verlangt, dass ich was leiste.“ Gerne denkt er auch an die Lippe und die Cappenberger Wälder – wobei auch seine neue Heimat Maine eine wunderschöne Landschaft bietet.

Vor kurzem war seine Nichte mit Mann und Kind aus Lünen zu Besuch bei ihm und seiner Frau. Sie haben ihm zwei Bücher über die Lippestadt mitgebracht. Cesh möchte sein Buch in der deutschen Fassung gerne in Lünen vorstellen – „es leben dort noch viele Leute, die sich erinnern können.“ Und schließlich hat er hier auch noch einige Freunde und will sein Buch auch seinem Freund Günter schenken. 

Siegfried Cesh:
- Geboren wurde Siegfried Cesh 1936 in Lazinska im damaligen Oberschlesien. Als er neun Jahre alt war, wurde sein Vater verschleppt und kehrte nicht zurück.
- Die Mutter floh mit ihren Kindern in den Westen, die Familie kam nach Lünen.
- Die Familie lebte zunächst im „Lager Valenta“, im ehemaligen gleichnamigen Tanzlokal an der Lange Straße 79.
- Nach der Schulzeit absolvierte er eine Maurerlehre und parallel besuchte er abends Berufsschulen in Selm und Lüdinghausen, um die Fachschulreife zu erlangen.
- Dabei lernten sich Cesh und Mette kennen, der ebenfalls eine Maurerlehre machte und in der selben Klasse die Fachschulreife erlangte.

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