Lüner Schülerinnen reisen mit Medizin-Roboter nach Costa Rica

Start bei Finale der World-Robot-Olympiad

Ihre Idee hat die Jury überzeugt: Wenn Ärzte Mangelware sind, dann muss halt ein Roboter die Routinearbeiten übernehmen. Mit ihrem Medizin-Roboter hat sich die Roboter-AG der Geschwister-Scholl-Gesamtschule für das Weltfinale qualifiziert. Wir stellen vor, wer da in den Flieger nach Costa Rica steigt, um Lünen in Zentralamerika zu vertreten.

von Johanna Mack

Lünen

, 30.10.2017, 16:43 Uhr / Lesedauer: 3 min
Lüner Schülerinnen reisen mit Medizin-Roboter nach Costa Rica

Jana Promosberger, Helin Yildirim und Samira Bergau (v.l.) haben sich mit ihrem Medibot für das Weltfinale der World Robot Olympiad in Costa Rica qualifiziert. Unterstützt wurden sie von Anica Althoff von der Wirtschaftsförderung und Teamleiterin Claudia Stahlhut. © Foto:Johanna Mack

Good Morning, Miss Yildirim. I am your doctor.“ Es ist kein Mensch, sondern ein Computer, der „Patientin“ Helin Yildirim (15) Anweisungen gibt. Die Schülerin setzt sich auf einen Untersuchungsstuhl. Ein Roboterarm hört mit dem Stethoskop ihre Lunge ab, leuchtet in ihren Mund, misst ihren Blutdruck.

Parallel testet das vollautomatische Labor eine Urinprobe. In der Apotheke holt der Roboter das verschriebene Medikament aus dem Regal und druckt einen Krankenschein.Die nötigen Informationen zum Patienten besorgt die Maschine sich, indem sie die Krankenkarte einscannt.

Lüner Schülerinnen reisen mit Medizin-Roboter nach Costa Rica

„I prescribe you antibiotics, Miss Yildirim.“ Der Medibot - hier vorgeführt von Mitentwicklerin Helin Yildirim - kann auch Blutdruck messen, Diagnosen stellen und Medikamente verschreiben. © Foto: Johanna Mack

Der Medibot übernimmt viele Arbeitsschritte, die sonst ein Hausarzt erledigen würde. „In Deutschland ist ja, vor allem auf dem Land, der Ärztemangel ein Problem“, erklärt Jana Promesberger (17), die den Roboter gemeinsam mit Samira Bergau (17) und Helin Yildirim entwickelt hat. Alle drei sind Teil der Roboter-AG der Geschwister Scholl Gesamtschule.

Rat von Fachleuten eingeholt

Als „Sister Bots“ nahmen sie an der diesjährigen World-Robot-Olympiad (WRO) teil. Idee, Umsetzung und Präsentation überzeugten die Jury im Deutschlandfinale – damit haben sich die „Sister Bots“ zum Weltfinale in Costa Rica qualifiziert.

Seit Februar arbeiten sie an dem Konzept. Das technische Wissen dazu wurde in der AG vermittelt. „Wir fangen in den fünften und sechsten Klassen ganz einfach an“, berichtet Birgit Straker, die ehrenamtlich einige Gruppen der Roboter-AG betreut. „Dann können die Schüler austesten, ob das etwas für sie ist und ob sie Lust haben, viel Zeit und Arbeit in dieses Thema zu investieren.“ Das ist auch nötig, denn für den Medibot mussten sich die drei nicht nur mit der Robotertechnik auskennen, sondern erstmal auch eine Idee entwickeln, die dem diesjährigen Thema „Nachhaltigkeit“ entspricht. „Am Anfang haben wir zwei oder drei Wochen lang im Klassenraum gesessen und überlegt“, erzählt Yildirim. Eine der Wettbewerbsvorgaben war, dass das Konzept Lösungen für ein aktuelles Problem in Deutschland bieten sollte. Da bot sich das Thema Ärztemangel an- „Wir haben im Internet nach dem medizinischen Know-How recherchiert und uns auch beim St.-Marien-Hospital und bei Krankenkassen den Rat von Experten geholr“, so die „Sister Bots“.

Wettbewerb und ein bisschen Sightseeing

„Am Montag (6.11.) geht es los“, erklärt Teamleiterin Claudia Stahlhut. Die ehrenamtliche AG-Mitarbeiterin und Mutter einer GSG-Schülerin betreut die Mädchen. „Das Verpacken der Materialien wird sicher noch spannend“, prophezeit sie und lobt den Einsatz der Schülerinnen. Die gesamte Woche tüfteln sie noch im Keller der GSG, bevor der Flieger nach San Jose startet. Dort werden sie den Medibot wieder aufbauen und sich in drei Durchgängen erneut einer Jury stellen. 22.000 Teams aus aller Welt sind angetreten. Sightseeing ist aber auch geplant: „Wir machen eine Stadtrundfahrt und einen Ausflug in den Regenwald“, freut sich Bergau. Neun Sponsoren machen die Reise möglich. Anica Althoff von der Wirtschaftsförderung im Kreis Unna, die Roboterprojekte an 23 Schulen unterstützt, erklärt: „Wir möchten das Thema Technik an Schulen fördern und für Berufe in diesem Bereich interessieren.“

Zukunft als IT-Fachfrau


Mit Erfolg: „Ich könnte mir vorstellen, später als IT- oder Fachinformatikerin zu arbeiten“, überlegt Samira Bergau, die schon seit fünf Jahren mit großem Erfolg in der AG mitarbeitet. Helin Yildirim interessiert sich für Medizin oder auch Medizintechnik. „Ich finde es zum Beispiel spannend, zu erforschen, wie man bessere Prothesen konzipieren kann.“

Rasante Entwicklung an der Schule


Schulleiter Christian Gröne ist stolz auf den Erfolg der Schülerinnen. „Als wir vor drei Jahren die erste Roboter-AG ins Leben riefen, haben wir mit kleinen Robotermännchen und Fahrzeugen angefangen. Wir hätten uns nicht träumen lassen, dass mal so tolle, komplexe Ergebnisse dabei entstehen.“ Inzwischen seien die Roboter-AGs immer ausgebucht. und das Betreuungsteam wird aufgestockt. Mathe- und Physiklehrer Sebastian Schnathmann gehört zu den neuen Mitarbeitern.

Am 2. Dezember, dem Tag der offenen Tür an der GSG, können sich alle Interessierten über die Roboterprojekte der GSG informieren. Dann wird auch der Medibot noch einmal präsentiert - vielleicht ist er bis dahin sogar zum Weltmeister geworden?

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