Gute LKW-Fahrer zu finden, ist nicht so einfach für Lüner Speditionen. Und das ist nicht das einzige Problem. © picture alliance/dpa
Wirtschaft

Lüner Speditionen: Es ist schwierig, gute LKW-Fahrer zu finden

Speditionen haben es momentan nicht einfach. Das liegt nicht nur daran, dass es schwierig ist, geeignete LKW-Fahrer zu finden. Lüner Spediteure schildern Gründe für die problematische Lage.

Nicht nur in Großbritannien sind gute LKW-Fahrer Mangelware. Dort sind es die Auswirkungen des Brexits, die den Spediteuren Probleme bereiten. Aber auch in Deutschland ist es derzeit nicht so einfach für Speditionen, entsprechendes Personal zu bekommen. Das sehen auch Lüner Unternehmen so.

„Es ist schwierig, an gute Fahrer zu kommen“, sagt auf Anfrage Thomas Stachowitz von der gleichnamigen Spedition an der Wehrenboldstraße. Zum Glück habe er in seiner Firma „einen guten festen Stamm“ an erfahrenen Mitarbeitern. „Den versuchen wir auch zu halten.“ Nachwuchs an Brummifahrern zu finden sei aber schwer – das habe vielfältige Gründe.

„Viele Leute haben keine Lust dazu, dass sie die ganze Woche über weg sind, die wollen lieber abends zuhause sein“, so Stachowitz. Auch die Parkplatznot an deutschen Autobahnen sei ein Problem. Viele Plätze seien überfüllt, wenn die Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten müssen oder aber so wenig einladend und dreckig, dass man dort nicht unbedingt halten wolle. Die Trucker-Romantik von früher sei längst Geschichte.

„Bin jetzt Allein-Unterhalter“

Michael Mai, Besitzer der gleichnamigen Spedition in Beckinghausen, hat bereits seine Konsequenzen daraus gezogen, dass gute Fahrer schon länger Mangelware sind. „Ich mache alles nur noch als Allein-Unterhalter.“ Seit vier Jahren absolviert er die meisten Aufträge im Nah- und Fernverkehr allein, auch wenn er noch eine Aushilfe hat.

„Vorher hatte ich zehn Fahrzeuge. Jetzt habe ich keinen Telefonterror mehr, keine Reparaturen.“ Zweimal in der Woche muss er im Fahrzeug schlafen und sei dennoch zufrieden mit der neuen Situation.

Nicht einfach ist die Lage auch für Möbelspediteure, wie Martin Hoppe von der gleichnamigen Lüner Firma für Nah- und Fern-Umzüge. „Wir hatten Glück und konnten ab nächstem Monat noch zwei Fahrer fest anstellen“, sagt Hoppe. Es sei nicht einfach entsprechend gute Mitarbeiter zu finden. Dazu käme, dass sie nicht nur hinter dem Steuer sitzen, sondern „auch mit anpacken müssen“.

„Vernünftiges Betriebsklima“

Dass es schwierig ist auf dem Arbeitsmarkt, beobachtet Hoppe schon seit zwei, drei Jahren. „Dazu kommt, dass die Fahrer auch alle fünf Jahre entsprechende Module für den Führerschein absolvieren müssen.“

Auf ein „vernünftiges Betriebsklima“ um gute Mitarbeiter zu halten, setzt Heinrich Spee von der gleichnamigen Spedition. Und als Geschäftsmann auch darauf, dass die Spedition nur eins von mehreren Standbeinen ist. „Sonst wären wir wohl schon seit mehreren Jahren pleite – denn der Pleitegeier hat schon Anfang der 2000er-Jahre durch die LKW-Fenster geschaut.“

Dass er ein gutes Team hat – dafür hat Spee auch selbst gesorgt und entsprechend Fahrer ausgebildet. „Das kostet zwar am Anfang viel Geld, aber das zahlt sich später aus.“ Wenn es sich wieder ergibt, würde er auch weiter ausbilden. „Wir brauchen Leute, die Spaß am Fahren und an der Technik haben. Oft waren es junge Leute aus der Nebenerwerbs-Landwirtschaft, die zu uns kamen.“

Maut-Abrechnung und hohe Diesel-Preise

Er setzt darauf, dass die Mitarbeiter möglichst in einem Umkreis von 20 Kilometern zum Arbeitsplatz wohnen: „Sonst nehmen die Fahrer den LKW dann nach der Tour mit und der steht so viel zu weit von der Firma entfernt.“

Ein großes Problem sei die Maut, vor allem die Abrechnung der Kosten. „Bei Staus müssen die Fahrer andere Routen nehmen, die man nicht vorher berechnen kann. Heute bekommt man oft erst einen Tag danach die Abrechnung per Internet, das bedeutet einen hohen Arbeitsaufwand.“ Hohe Kosten verursachen momentan auch die immer teurer werdenden Spritpreise.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt