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Lüner Trianel-Kraftwerk schreibt weiter rote Zahlen

Preise deutlich gesunken

Das Energieversorgungsunternehmen Trianel hat Bilanz für das Jahr 2016 gezogen. Die wirtschaftliche Situation des Kraftwerks ist nach wie vor schwierig. Auch, weil die Preise für die Kilowattstunde deutlich gesunken sind. Hoffnung auf schwarze Zahlen gibt es aber dennoch. Zudem hat sich der Kraftwerkbetreiber zu den Zukunftsperspektiven für das umstrittene Steinkohle-Kraftwerk im Lüner Stummhafen geäußert.

LÜNEN

, 21.03.2017 / Lesedauer: 3 min
Lüner Trianel-Kraftwerk schreibt weiter rote Zahlen

Begrenzte Lebensdauer: Das Trianel-Kraftwerk im Stummhafen wird seine technisch möglich Laufzeit von bis zu 60 Jahren nicht erreichen, sagt Betreiber Trianel.

Der Ausstieg aus der Verstromung von Steinkohle in konventionellen Kraftwerken ist ein großes politisches Thema. Wie steht Trianel dazu?

„Der Kohleausstieg muss kommen, wenn man den Klimaschutz ernst nimmt. Wir brauchen einen nationalen Kohleausstiegsplan“, sagt Trianel-Sprecher Elmar Thyen.  

Was bedeutet das für das Lüner Kraftwerk?

Seine technisch mögliche Betriebszeit von 60 Jahren werde es nicht erleben, so Thyen weiter, aber als Brückentechnologie weiterhin gebraucht: „Das sehen wir so in der Prognose für die 20er- und 30er-Jahre, über die 40er müssen wir uns unterhalten. Unser Kraftwerk wird aber eines der letzten sein, die in Deutschland noch stehen.“

Worauf beruht diese Einschätzung?

Trianel hält konventionelle Kraftwerke in einer Übergangsphase der Energiewende für notwendig, um Schwankungen bei der Produktion von Solar- und Windenergie auszugleichen. Weil das Lüner Kraftwerk im Vergleich zu älteren Kohlemeilern den höheren Wirkungsgrad habe und weniger Kohlendioxid ausstoße, sieht Trianel für die 750-Megawatt-Anlage im Stummhafen eine längere Existenzberechtigung.

 

Wie steht es um die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks?

Nach wie vor schwierig. Für die rund 30 Gesellschafter, darunter die Stadtwerke Lünen, fielen auch 2016 Verluste an, die sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren dürften. Kraftwerks-Geschäftsführer Stefan Paul sagt dazu, dass die Megawattstunde Strom beim Bau des Kraftwerks 2008 über 70 Euro kostete, der Preis aber 2016 auf nur noch knapp über 20 Euro gefallen sei. Mittlerweile habe er sich etwas erholt. „Im Januar und Februar 2017 haben wir erstmals seit Jahren wieder Preisspitzen an der Strombörse erlebt, die einen vollkostendeckenden Betrieb ermöglicht haben“, erläutert Paul.

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Wie schätzt Trianel die weitere Entwicklung ein?

Vorsichtig optimistisch. Die Bedeutung des Kraftwerks für Versorgungssicherheit und Systemstabilität werde steigen. Die Technik der Anlage im Stummhafen sei so flexibel, dass sie zwischen 300 Megawatt und Volllast von 746 Megawatt gefahren werden könne. Wenn die tatsächliche Einspeisung von erneuerbaren Energien ins Netz von den Prognosen abweiche, komme das Lüner Kraftwerk immer häufiger bei Anforderungen aus dem Kurzfristhandelssegment zum Einsatz. Fachleute sprechen vom Intradaymarkt.

 

Können damit in Zukunft aus roten schwarze Zahlen werden?

In einem regulierten Energiemarkt eher nicht, sagt Trianel-Sprecher Thyen: „Wir brauchen früher oder später einen Leistungsmarkt.“ Soll heißen: Erzeuger wie Trianel wollen nicht nur den produzierten Strom vergütet bekommen, sondern auch das Bereitstellen der Kraftwerkskapazität. Ansonsten ließen sich moderne Kohlekraftwerke nicht wirtschaftlich betreiben.

Daten aus dem Jahr 2016:
- 4,68 Milliarden Kilowattstunden Strom hat das Kraftwerk nach Unternehmensangaben im Jahr 2016 erzeugt.
- Das entsprach 7524 Betriebsstunden und 86 Prozent Auslastung.
- 1,488 Millionen Tonnen Steinkohle wurden zur Stromerzeugung verbrannt.
- 3,43 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittierte das Kraftwerk.

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