Letzte Folge unser Serie: Lünerin (93) plante schon mit 60 konsequent ihr Leben im Alter

rnSerie „Wenn die Eltern älter werden“

Elvine Göbbel fühlt sich wohl in einem Lüner Pflegeheim. Die 93-Jährige hat sich bewusst dafür entschieden, dort einzuziehen. Wie sie alle Entscheidungen fürs Alter frühzeitig getroffen hat.

Lünen

, 28.03.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schon in ihrem Berufsleben, als Lehrerin, hat sich Elvine Göbbel kein X für ein U vormachen lassen. Die energische Wahl-Lünerin, die aus Siebenbürgen (heute ein Teil von Rumänien) stammt, wusste immer, was sie wollte. Das hat sich bis ins hohe Alter nicht geändert.

So überlegte sie auch schon früh, wie sie sich ihr Leben im Alter vorstellt. Und meldete sich schon vor etwa 30 Jahren an, als das Pflegeheim eines Wohlfahrtsverbandes in Lünen gebaut wurde. Obwohl sie erst viel später einziehen wollte.

Als Annette Goebel, Koordinatorin für Altenarbeit, damals in einer kirchlichen Gruppe in Brambauer einen Vortrag hielt, hörte Elvine Göbbel zu. Danach bat sie die Koordinatorin um ein Gespräch, denn sie hatte auch für die Zeit nach ihrer Pensionierung schon konkrete Pläne und wollte sie mit einer Frau vom Fach besprechen.

Irgendwann wird die Wohnung zu groß

Das Gespräch fand in Brambauer statt. Dort wohnte Elvine Göbbel, damals Anfang 60, in einer großen schönen Wohnung unter dem Dach. „Ich wusste, da kann ich auf Dauer nicht bleiben, die Wohnung ist zu groß und irgendwann werde ich die Treppen nicht mehr bewältigen können.“

Im Gespräch mit Annette Goebel entwickelte Elvine Göbbel dann einen Plan. Sie entschied sich, in eine Anlage des Service-Wohnens in Horstmar zu ziehen. 2001 war es soweit. Die damals 75-Jährige fand ein neues Zuhause in einer gemütlichen Wohnung und nahm auch gerne einige der angebotenen Aktivitäten wahr.

Dann bekam sie vor sechs Jahren die Diagnose „Demenz“. Und wieder begann Elvine Göbbel, ihr Leben neu zu ordnen. Weil sie unter einer leichten Form leidet und diese offensichtlich auch nur langsam voranschreitet. Wieder bestellte sie Annette Goebel zu sich, um Ideen zu sammeln, wie es weitergehen soll.

Angehörige leben in Süddeutschland

Elvine Göbbel ist alleinstehend, hat keine Kinder. Ihre Angehörigen leben im Süden Deutschlands, können nicht so oft nach Lünen zu ihrer Urgroßtante kommen. Also nahm die alte Dame ihre weitere Zukunft wieder selbst in die Hand, wie sie es schon immer gewohnt war.

Sie war mit dabei, als eine Gesprächsgruppe für Menschen, die im Frühstadium an Demenz erkrankt sind, gegründet wurde. Und entschied sich, nun doch bald ins Pflegeheim zu ziehen. Obwohl sie eigentlich noch im Service-Wohnen hätte bleiben können.

Bewusst für den Umzug ins Heim entschieden

Bewusst zog sie im Januar 2019 in das Pflegeheim, für das sie sich schon vor knapp drei Jahrzehnten entschieden hatte. „Mir tun die Leute leid, die von ihren Kindern hierher gebracht werden, weil es zuhause nicht mehr geht und sich abgeschoben fühlen“, sagt die 93-Jährige. Sie hatte sich lieber bewusst dafür entschieden, ins Heim umzuziehen.

Und auch dafür, sich mit der Leiterin des Sozialen Dienstes den Verabschiedungsraum anzusehen: „Man will ja wissen, wo man hinkommt, wenn es mal soweit ist.“ Solange die Demenz noch im Frühstadium ist, wollte sie auch „die Leute kennenlernen, die mich später pflegen, wenn ich nicht mehr so klar denken kann.“ Deshalb der Umzug vor mehr als einem Jahr.

Mit dieser Folge endet unsere Serie „Wenn die Eltern älter werden“.

Mit dieser Folge endet unsere Serie „Wenn die Eltern älter werden“. © Grafik Klose

An den Angeboten in dem Pflegeheim nimmt Elvine Göbbel teil, „wenn es mir Spaß macht, wenn nicht, dann lasse ich es“. Besonders schätzt sie den Literaturkreis, den der Lüner Johannes Potjans ehrenamtlich leitet und der alle zwei Wochen stattfindet. Elvine Göbbel hat immer gerne gelesen, einen Teil ihrer Bücher hat sie auch mit in ihr neues Zuhause genommen - „aber nur etwa ein Drittel, die anderen Bücher habe ich verschenkt“.

Besser wäre es, wenn die Pfleger mehr Zeit für Gespräche mit uns Bewohnern hätten.
Elvine Göbbel

Es sind jetzt auch mehr Erinnerungsstücke, das Bücherlesen ist der 93-Jährigen inzwischen zu anstrengend. Aber die Tageszeitung liest sie jeden Tag ausführlich und auch die evangelische Kirchenzeitung, die einmal wöchentlich erscheint, studiert sie interessiert.

1969 kam sie aus ihrer Heimat nach Deutschland. „In den 70er- und 80er-Jahren war ich immer wieder mal mit meinem Auto zu Besuch in Rumänien, hab mir dort seinerzeit auch ein Pflegeheim angesehen und bin sehr froh, dass ich hier bin“, so die alte Dame.

Sie fühlt sich wohl in dem Pflegeheim. „Das Essen schmeckt und ich finde es aus praktischen und psychologischen Gründen gut, dass man sich etwas auswählen kann, das ist gut fürs Selbstbewusstsein.“

Was sie nicht so gut findet ist, dass die Dokumentationen, zu denen das Pflegepersonal verpflichtet ist, immer mehr Zeit in Anspruch nehmen. „Ich weiß, dass das vorgeschrieben ist. Aber besser wäre es, wenn die Pfleger mehr Zeit für Gespräche mit uns Bewohnern hätten.“ Froh ist sie, dass das Personal die Anfragen ihrer Angehörigen immer offen beantworten.

„Bin noch mobil und selbstständig“

Regelmäßig geht Elvine Göbbel auch spazieren: „Ich bin im Vergleich zu anderen Bewohnern hier noch mobil und selbstständig.“ Früher hat sich die alte Dame gerne und viel mit Handarbeiten beschäftigt. Das geht heute nicht mehr. Auch bei der Gründung des Vereins Lüner Hospiz war sie mit dabei, hat auch einige Jahre im Vorstand mitgearbeitet.

Ein selbstbestimmtes Leben war ihr immer wichtig. Deshalb hat sie sich frühzeitig darum gekümmert, wie ihr Zuhause im (hohen) Alter sein soll. In einem Alter, in dem viele andere Menschen noch gar nicht so gerne daran denken, wie es ist, wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt.

Elvine Göbbel sagt dazu: „Man kann niemandem etwas raten, höchstens, sich aufs Alter einzustellen, aber nicht immer nur das Haar in der Suppe zu sehen, sondern auch, dass noch viel Suppe im Teller ist.“

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig gibt, bekommt man bei folgenden Stellen Informationen zu Themen wie „rund um die Pflege“, Finanzierung oder Entlastungsmöglichkeiten:
  • Pflegestützpunkt Lünen – Beratung für gesetzlich Versicherte ALLER Krankenkassen, Arndtstraße 4 (im Haus der Knappschaft), Ansprechpartner: Falko Lange, Tel. (02306) 70 03 - 92, E-Mail: psp-luenen@kbs.de oder falko.lange@kbs.de
  • Compass Pflegeberatung – Beratung für Versicherte privater Krankenkassen, Tel. (0800) 101 88 00, zuständige Beraterin für Lünen: Stephanie Schuh, Tel. (0221) 93 332 229, E-Mail: stephanie.schuh@compass-pflegeberatung.de, www.compass-pflegeberatung.de
  • Wohnberatung im Kreis Unna, Bebelstraße 67 (Seniorenladen), Tel. (02306) 25 95 61, Ansprechpartnerin: Bettina DeSacco, E-Mail: desacco@caritas-luenen.de
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