Lünerin außer sich: Fremde Hündin verbreitet Angst und Schrecken

rnGefährliches Tier

Eine Hündin sorgt in Lünen für Aufsehen - und das nicht positiv. Mehrmals griff sie bereits andere Hunde an, auch Menschen sind bereits zu Schaden gekommen. Jetzt wird das Tier überprüft.

Lünen

, 03.09.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Spaziergang mit dem Hund soll dem Tier und auch dem Halter gut tun. Doch viele kennen die Situation: Plötzlich kommt ein unangeleinter Hund angerannt, niemand weiß ob er verspielt ist und nur schnuppern möchte, oder ob es sich um ein aggressives Tier handelt. Man versucht ruhig zu bleiben und die Lage einzuschätzen. Meistens wollen die Hunde sich nur beschnüffeln und man kann sich wieder entspannen.

Hündin verbreitet Angst und Schrecken

Ganz anders verlief eine solche Situation, die Tanja Karlowski-Biesterfeld (50) mit ihrem Zwergschnauzer „Atze“ erlebt hat. Die beiden gingen am 15. Juli am Ende der Blücherstraße in der Nähe zum Kanal spazieren, als auf einmal ein großer Hund, Rasse Akita Inu, auf den Zwergschnauzer zugerannt kam. Da die 50-Jährige den Hund bereits kannte, durch Hörensagen und durch einen vorherigen Vorfall mit dem Tier, zog sie den angreifenden Hund von ihrem Atze weg.

Bei dem Versuch die Tiere von einander zu trennen, fiel die Lünerin auf ihr Knie, zog sich eine laterale Tibiakopffraktur zu und sitzt seither im Rollstuhl. Die anfänglich vom Arzt geschätzte Rollstuhlzeit betrug sechs Wochen, doch wird Tanja Karlowski-Biesterfeld wohl noch darüber hinaus darauf angewiesen sein.

Lünerin außer sich: Fremde Hündin verbreitet Angst und Schrecken

Seit rund sechs Wochen sitzt Tanja Karlowski-Biesterfeld nun schon im Rollstuhl. Hier zu sehen mit Hund Atze. © Karlowski-Biesterfeld

„Ich möchte andere vor diesem Tier schützen. Es gab schon vier dokumentierte Fälle von Angriffen dieses Hundes und ich fordere eine Leinen- und Maulkorbpflicht für die Akita Inu-Hündin“, sagt die Hundehalterin.

Ordnungsverfügung gegen Halter

In einem Gespräch zwischen der Redaktion und dem Ordnungsamt Lünen am 30. August stellte sich heraus: die geforderte Leinen- und Maulkorbpflicht wurde in Form einer Ordnungsverfügung bereits durchgesetzt. „Bis zum 15. Juli 2019 war nur ein Vorfall bekannt, da sonstige Fälle nicht angezeigt wurden“, sagt Ordnungsamtleiter Bernd Wiesner.

Somit habe man nicht viel tun können außer ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren einzuleiten, das auch abgeschlossen wurde. Auch Martin Tamsel vom Ordnungsamt ist mit dem Fall vertraut und äußert sich: „Man kann nicht immer sofort eingreifen. Bei einem Angriff auf Menschen hat es eine ganz andere Qualität bei der Einschätzung der Gefährlichkeit.“

Warten auf Beurteilung der Hündin

Auch das Veterinäramt in Unna ist eingeschaltet worden, da das Ordnungsamt Lünen Gewissheit über das Wesen der angriffslustigen Hündin benötigt. Ohne eine solche Beurteilung des Hundes könne nichts weiter unternommen werden.

Zudem, so das Ordnungsamt Lünen, werde auch noch auf Zeugenaussagen vom 8. August 2019 gewartet.

Lünerin außer sich: Fremde Hündin verbreitet Angst und Schrecken

Ein Bild von Tanja Karlowski-Biesterfelds Bein zur Zeit des Krankenhausaufenthaltes. © Karlowski-Biesterfeld

Da habe die Akita Inu-Hündin ebenfalls versucht, den Zwergschnauzer Atze anzugreifen. Doch der Lebenspartner von Tanja Karlowski-Biesterfeld ging dazwischen und erlitt durch die Akita-Inu-Hündin eine oberflächlich blutende Wunde, die er selbst versorgte. Der Angriff wurde allerdings erst am 15. August durch den Lebensgefährten, Karsten Wasielewski, angezeigt.

Insgesamt gebe es verschiedene Zeugen für unterschiedliche Vorfälle, die nicht alle sofort gemeldet und dokumentiert wurden, was eine Handhabe erschwere, so das Ordnungsamt. Nun werde weiterhin auf die Überprüfung der Gefährlichkeit der Hündin vom Veterinäramt gewartet. Der Antrag zur Überprüfung wurde bereits am 9. August gestellt.

Landeshundegesetz

„Jeder Hund, der gemeldet ist, hat eine eigene Akte“, so Bernd Wiesner. Der einzuschätzende Hund sei seit dem 17. März 2014 bei der Stadt Lünen gemeldet. Die Anzeige einer Frau aus Lünen vom 18. Mai 2018 habe nicht dazu geführt, dass dem Halter des Hundes sofort das Tier entzogen wurde. Laut des Landeshundegesetzes handele es sich um einen Hund der Kategorie 3. Diese besagt lediglich, dass es sich um einen entweder mindestens 40 Zentimeter großen Hund handele oder um einen mindestens 20 Kilogramm schweren. Somit ist das Tier bisher nur meldepflichtig.

Tanja Karlowski-Biesterfeld und die Lünerin, die die erste Anzeige gegen den Akita Inu-Halter stellte, fordern einen Zaun um das Grundstück des Halters. Dazu besteht allerdings rechtlich keine Handhabe. Denn auf dem Grundstück dürfe der Hund auch ohne Leine und Maulkorb laufen, so der Leiter des Ordnungsamtes. Weitere Maßnahmen können erst vom Ordnungsamt eingeleitet werden, wenn Zeugenaussagen eine Nichteinhaltung der Ordnungsverfügung gegenüber dem Halter nachweisen können. Damit ist gemeint, dass der Hund nachweislich frei laufend und ohne Maulkorb gesehen wird.

Der besagte Hund sei nicht erlaubnispflichtig, da er keiner Rasse angehöre, die in Kategorie zwei eingestuft wird: Hunde bestimmter Rassen. Auch eine Einstufung in Kategorie eins sei nicht möglich, da es sich bei der Hündin nicht um ein Tier handele, das man bereits im Vorfeld zu den „gefährlichen Hunden“ zählt.

Ordnungsamt steht mit Halter in Kontakt

Bereits am 12. August habe es zwischen dem Ordnungsamt Lünen und dem Halter des Akita Inu ein persönliches Gespräch gegeben. Darin wurde der Hundeführer ausdrücklich dazu aufgefordert, die Bestimmungen des Landeshundegesetzes NRW einzuhalten.

Tanja Karlowski-Biesterfelds gesundheitlicher Zustand wird eine zweite Knie-Operation erfordern. Sie hofft, dass sie bald wieder auf den Rollstuhl verzichten und ihren gebuchten Urlaub im November antreten kann.

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