Lüner Erzieherin streikt trotz Corona: „Wir müssen das jetzt machen!“

rnStreik

Ist streiken in Corona-Zeiten moralisch vertretbar? An dieser Frage scheiden sich auch in Lünen die Geister. Erzieherin Tanja Fischer will trotz Corona für eine bessere Bezahlung kämpfen.

Lünen

, 15.10.2020, 12:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist laut, durch das Megafon hört man Parolen und viele Menschen sprechen im Hintergrund, als wir am Donnerstagmorgen (15.10.) mit Tanja Fischer sprechen. Die Lünerin ist Erzieherin in der städtischen Kita Steinstraße und nimmt in Dortmund am großen ver.di-Streik teil, um für einen besseren Lohn zu kämpfen.

Die 49-Jährige ist ist Erzieherin mit Leib und Seele: „Das war mein Traumjob, schon als Kind war das so. Ich habe mich nicht wegen des Geldes für diesen Beruf entschieden.“ Das Wertvollste sei es für sie, zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln: „Die Kinder sind mit acht Monaten bei uns und gehen, wenn sie eingeschult werden. Mit den Kindern zu arbeiten, ist das Schönste überhaupt.“

Streiken für das große Ganze

Auch sie kennt die Stimmen derer, die sagen, dass das Streiken während der Coronapandemie unsolidarisch ist und die Menschen nur noch mehr belaste. Tanja Fischer kann dieser Ansicht nicht zu stimmen: „Wir waren immer bereit zu arbeiten, auch während Corona. Wir waren immer da.“ Es gehe nicht um Corona, sondern um das große Ganze: „Wir müssen das jetzt machen.“

Jetzt lesen

In ihrer eigenen Kita habe Tanja Fischer kaum Gegenwind bekommen, erzählt sie uns: „Die meisten sind dafür, nur die wenigsten dagegen.“ Man spüre von vielen noch die Dankbarkeit, die den Erzieherinnen während der Ausgangsperre entgegengebracht wurde. Die Kita an der Steinstraße hat heute geschlossen und keine Notgruppe eingerichtet.

Demonstration mit Masken und Abstand

Ihre Hoffnung auf einen besseren Lohn ist - wegen der Pandemie - bei Tanja Fischer gedämpft: „Die Arbeitgeber müssen uns entgegen kommen. Es ist sehr schwierig und wir hoffen, dass überhaupt etwas kommen wird.“

Ramona Wolf (33) ist Gewerkschaftssekretärin der ver.di Westfalen. Sie spürt einen großen Rückhalt für die Ziele der Streikenden: „Wenn man die Leute fragt, dann wollen sie natürlich auch, dass die Pflegerin oder die Erzieherin mehr Geld bekommt.“ Nur beim Zeitpunkt für die Streiks hätten nicht alle Mitbürger Verständnis. Man wolle sich im Grundrecht auf Streiken und Versammlungsfreiheit wegen Corona nicht einschränken müssen, auch wenn Maskenpflicht und Abstand oberste Priorität auf der Demonstration hätten.

Bei der Demonstration wolle man den Katalog der Forderungen unterstreichen, den man im September schon vorgelegt habe. Die Kernforderungen formuliert die Gewerkschaft ver.di auf ihrer Internetseite: „Wir starten mit einer Forderung nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,8 Prozent.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt