Gabriele Dengel-Lorenz ist ein harmoniebedürftiger Mensch. Seit Februar hat sie allerdings ein Amt inne, bei dem es oft um Streitereien geht.

Lünen

, 31.07.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Februar wurde Gabriele Dengel-Lorenz als Schiedsfrau für Brambauer vereidigt. Da ahnte sie noch nicht, wieviel Schreibarbeit zu ihrem neuen Amt des Streitschlichtens gehört. Inzwischen hat die Lünerin schon drei Tage Lehrgang hinter sich – in Monheim und in Münster. Und da ging es hauptsächlich um die schriftliche Bürokratie, die die Fälle mit sich bringen, die die Schiedsfrau möglichst schiedlich-friedlich lösen soll.

„Ich wollte etwas dazu lernen“

„Ich wollte etwas dazu lernen. Und weil ich eben ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin, dachte ich, es muss doch machbar sein, sich nicht zu streiten. Das Leben ist kurz genug, um es mit Streitereien zu verbringen“, meint Gabriele Dengel-Lorenz.

In ihrem Bezirk in Brambauer war viele Jahre lang Claus-Peter Franek Schiedsmann. Als absehbar war, dass er aus Altersgründen sein Amt abgeben würde, suchte die Stadt Lünen einen Nachfolger. Gabriele Dengel-Lorenz bewarb sich.

Die ersten Streifälle

Mittlerweile hat sie ihre ersten Streitfälle erledigt: „Einen hatte ich abgegeben, weil ich zu der Zeit noch keinen Lehrgang besucht hatte. Einen anderen Fall hab ich zusammen mit meiner Stellvertreterin bearbeitet und zwei weitere Fälle konnte ich direkt am Telefon schlichten.“ Ihr nächster Termin ist Ende August. Bislang handelte es sich ausschließlich um Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Es können aber auch Fälle von häuslicher Gewalt oder Beleidigungen sein, die die Schiedsleute beschäftigen. „Wenn es um Körperverletzung geht, ist das natürlich eine noch schwierigere Geschichte.“ Das oberste Gebot für die Schiedsfrau ist stets neutral zu bleiben. Mit einer Mediation, bei der beide Streitparteien mit ihr an einem Tisch sitzen, versucht sie, die Probleme zu lösen. Der Tisch steht in ihrem Haus, daneben liegen Gesetzbücher und Formulare auf dem Tisch.

Gemeinsames Gespräch

Alles beginnt für Gabriele Dengel-Lorenz mit einen Anruf. Wenn die eine Partei sich bei ihr gemeldet hat, lädt sie zu einem gemeinsamen Gespräch ein. „Ich fahre auch zu den Leuten hin, wenn sie damit einverstanden sind, und schaue mir die Situation vor Ort an.“ Dabei lädt sie auch beide Parteien zu einem gemeinsamen Gespräch ein. „Das finde ich besser, als einfach einen Brief zu schicken.“

Zum Austausch gibt es immer wieder gemeinsame Treffen der Schiedsleute aus Lünen, Selm und Werne. An einem hat die neue Schiedsfrau auch schon teilgenommen. „Außerdem bekommen wir auch eine Fachzeitung für Schiedsleute, in der Fälle geschildet werden.“ Auch ein Treffen mit dem Lüner Amtsgerichtsdirektor findet einmal im Jahr statt.

Immer die vorgegebene Reihenfolge einhalten

„Wir haben viele Möglichkeiten, einen Streit zu schlichten. Aber wir müssen immer die vorgegebene Reihenfolge einhalten“, hat Gabriele Dengel-Lorenz in den Seminaren gelernt.

Wichtig ist ihr, Streitigkeiten auf einer „menschlichen Basis“ zu schlichten. „Die Lösung ist eigentlich ganz einfach – man muss die Leute dazu bringen, wieder miteinander zu reden. Leider schaukelt sich vieles hoch. Aber ich denke, mit gesundem Menschenverstand findet man einen Weg.“

Ist auch eine Lernphase

Gabriele Dengel-Lorenz sieht die Aufgabe als Schiedsfrau auch als Lernphase: „Ich muss auch versuchen, noch ruhiger zu werden. Man lernt auch, sich neutral zu verhalten, man darf ja auf keinen Fall parteiisch sein.“

In Sachen Bürokratie habe sie bei den Seminaren eine Menge gelernt, vor allem von einem Amtsgerichtsdirektor aus Königswinter: „Er hat uns allen auch klar gemacht, dass wir bei den Formularen, die wir bei und nach den Gesprächen ausfüllen müssen, keine Fehler machen können, die man nicht noch revidieren kann.“

Wer sich wegen einer Streitigkeit an die Schiedsfrau wenden will, kann Gabriele Dengel-Lorenz anrufen, Tel. (0231) 8 80 80 25.
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