Lünerin wollte Medikamente von der Caritas und bespuckte Polizistin

rnAmtsgericht

Ein ungewöhnlicher Fall landete jetzt vor dem Lüner Amtsgericht. Eine Frau wollte sich von der Caritas Medikamente beschaffen lassen und beschimpfte dann Polizeibeamte.

von Sylvia Mönnig

Gahmen

, 05.12.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Forderung, ihr Medikamente zu beschaffen, tauchte eine Lünerin in den Räumen der Caritas (Auf dem Ringe) auf, störte den Deutschunterricht, ließ sich nicht vertreiben, beschimpfte und bespuckte Polizeibeamte. Nun befasste sich das Amtsgericht mit dem ungewöhnlichen Fall.

Ihre Vorräte waren offenbar aufgebraucht, der Suchtdruck wurde immer größer und in dieser Situation sah die tablettenabhängige und psychisch kranke Frau am Vormittag des 18. Januar keine andere Möglichkeit, als in ihrer Nachbarschaft Hilfe einzufordern. Die 63-Jährige klingelte bei der Caritas. Als eine Flüchtlingsbegleiterin, die gerade Deutschunterricht gab, öffnete, fragte sie nach zwei Mitarbeiterinnen. Sie brauche Medikamente. Besagte Mitarbeiterinnen waren nicht vor Ort. Sie solle bitte gehen und bis Montag warten, erklärte die ihr die ehrenamtlich tätige Frau und wollte die Tür schließen.

Zwei Polizisten versuchten es mit gutem Zureden

Die ältere Dame beharrte nun aber darauf, ärztliche Hilfe zu benötigen und stieß die Tür auf, ließ sich in dem Unterrichtsraum nieder und weigerte sich, zu gehen. Die Polizei wurde informiert, zwei Beamte trafen ein und versuchten es ebenfalls mit gutem Zureden. Ohne Erfolg. Schließlich mussten sie den ungebetenen Gast unter den Armen fassen und vor die Tür bringen. Dort titulierte die 63-Jährigen den Beamten als „Drecksack“ und spuckte in Richtung seiner Kollegin, traf sie auf der Kleidung. Danach kam sie auf die Polizistin zu. Mit einem Verteidigungsschlag brachte sie die Frau zu Boden. Die Beamten forderten daraufhin einen Rettungswagen an, doch im Krankenhaus ließ sich die Lünerin auch nicht helfen. Sie wurde schließlich in die Psychiatrie gebracht.

Hausfriedensbruch und Beleidigung wurden der 63-Jährigen nun im Verfahren vor dem Amtsgericht zur Last gelegt. Sie beteuerte: „Das habe ich nicht gemacht.“ Gleichzeitig erklärte die ältere Dame, die unter Betreuung steht, aber auch, dass sie sich nicht erinnern könne. Dennoch: So etwas tue sie nicht.

Vermindert oder sogar komplett schuldunfähig

Die Flüchtlingsbegleiterin und die beiden Beamten bestätigten als Zeugen die Vorwürfe. Ärztliche Atteste bescheinigten der Lünerin eine Abhängigkeit und ein hirnorganisches Psycho-Syndrom. Richter Ulrich Oehrle zeigte gewisses Mitgefühl für die Angeklagte und erklärte, dass es zwei Möglichkeiten gebe. Vermindert schuldfähig sei die 63-Jährige sicherlich, vielleicht komplett schuldunfähig. Um das abschließend zu klären, sei jedoch ein kostenintensives psychiatrisches Gutachten erforderlich. Es sei aber auch denkbar, das Verfahren ohne Auflagen einzustellen. Dem stimmten die Beteiligten zu. Daraufhin ertönte ein „Danke“ aus Richtung der Anklagebank.

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