Lünerinnen wollen erstes lesbisches Ehepaar werden

Seit zwei Jahren verlobt

Vor zwei Jahren hat Marina ihrer Freundin Marisa einen Hochzeitsantrag gemacht. Aber heiraten konnten die Lünerinnen nicht. Jetzt kann es ihnen nicht schnell genug gehen: Sie wollen Deutschlands erstes lesbisches Ehepaar werden.

LÜNEN

29.06.2017, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lünerinnen wollen erstes lesbisches Ehepaar werden

Marisa Meyer (r) und Marina Wolf aus Lünen wollen als erstes lesbisches Paar in Deutschland heiraten.

Die Merkel ist umgeschwenkt. Als die Lünerin Marisa Meyer (36) das hörte, bekam sie Gänsehaut. "Echt jetzt - überall!" Sie deutet auf ihre Arme. "Ich hab' gedacht, das geht jetzt in die Geschichte ein. Und wir mit dazu." Sie und ihre Partnerin Marina Wolf (31) wollen das erste lesbische Ehepaar Deutschlands werden.

Seit zwei Jahren verlobt

Den entsprechenden Hochzeitsantrag hat Marisa schon vor zwei Jahren bekommen. Es war im Lünen beim allmonatlichen Gothic-Abend in einer Disko. Als sie reinkam, ahnte sie schon was. Auf der Tanzfläche hatten sich ihre Freunde in Herzform versammelt, alles war rot beleuchtet. Marina trug einen Anzug. Sie wollte ein Gedicht vorlesen, aber ihre Stimme versagte, sie konnte nur noch krächzen: "Willst du meine Frau werden?" Klar wollte sie. Die Frage war nur: Konnte sie auch?

Natürlich gibt es die eingetragene Lebenspartnerschaft. Aber Marisa hatte da mal ein Schlüsselerlebnis beim Christopher Street Day (CSD) in Köln. Einer der Redner rief: "Wer von euch ist verheiratet?" Viele Finger gingen hoch. Aber der Mann widersprach: "Keiner von euch ist verheiratet! Ihr seid bloß eingetragen!" Damals dachte sie: "Er hat recht."

Spontane Hochzeit

Marina und Marisa wollen zum Beispiel ein Kind. "Aber für die künstliche Befruchtung müssen wir ganz viele Anträge stellen, die ein Hetero-Paar nicht machen müsste." Von solchen Dingen mal abgesehen: "Es ist etwas anderes, wenn man geheiratet hat", meint Marisa. "Daran kann keiner mehr rütteln."

Bisher hatten die Zwei auf die Bundestagswahl im September gesetzt. Danach, so hofften sie, würde es eine Mehrheit für die Ehe für alle geben. Jetzt könnte alles viel schneller kommen. Wenn irgendwie möglich, wollen sie die Bundestagsabstimmung am Freitag im Fernsehen verfolgen. Dass Angela Merkel so plötzlich ihre Meinung geändert hat, finden sie gut, aber sie haben auch nicht vergessen, dass sich die Bundeskanzlerin so lange quergestellt hat. Und dabei, so schien es ihnen zumindest, nur ihrem Bauchgefühl folgte: "Man kann aber kein Volk mit dem Bauch regieren", sagt Marisa. "Meine Stimme bekommt sie nicht." Beide schwanken noch zwischen SPD und Grünen.

Wenn die Sache im Bundestag durch ist, wollen sie sich sofort um den frühestmöglichen Termin auf dem Standesamt bemühen. Groß was organisieren müssen sie nicht, sie sind spontane Typen, sagen sie. Riesig viel kosten darf die Hochzeit auch nicht: Marina schmeißt den Haushalt, Marisa betreut Behinderte und Kranke. Die Freundschaftketten, die sie beide tragen, hat ihnen eine MS-Patientin geschenkt.

Vorfreude schon jetzt groß

Schon oft haben sie sich ausgemalt, wie der große Tag ablaufen wird. All ihre Freunde werden dabei sein. Und natürlich Marisas drei Kinder aus erster Ehe, die in ihrer kleinen Etagenwohnung mit ihr und Marina zusammenleben. Zwei Söhne, 19 und 15, und eine Tochter von 12 Jahren - sie will unbedingt das Blumenmädchen sein. Auch mit ihrem Ex-Mann rechnet Marisa ganz fest: "Wir sind eng befreundet und gehen dieses Jahr sogar zusammen zum CSD."

Sie wissen auch schon, wie sie aussehen werden. Marisa will ein Vokuhila-Kleid tragen - vorne kurz, hinten lang. Ein bisschen sexy, in Rot oder Lila. "Und ich im Anzug", sagt Marina. "Ich bin eben der maskuline Typ. Frauenkleider stehen mir nicht."

Dann werden sie Ja zueinander sagen und sich einen Kuss geben. "Es wird ein tränenreicher Tag sein", weiß Marisa schon jetzt. Sie schluckt kurz. Dann strahlt sie. "Ein ganz toller Tag wird es sein."

dpa

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