Mann trat Frau mit Kopftuch in Lüner Action-Filiale gegen die Wade

rn600 Euro Geldstrafe

Aus dem Nichts beschimpfte ein 38-Jähriger eine völlig fremde Frau und trat dann zu. Jetzt musste sich der Mann dafür vor dem Lüner Amtsgericht verantworten. Er versuchte sich herauszureden.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 23.10.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Körperverletzung und Beleidigung wurden dem 38-jährigen Angeklagten nun vor dem Lüner Amtsgericht zur Last gelegt. Er räumte nur den Tritt ein – und den an falscher Stelle.

Den Besuch der Lüner Action-Filiale am 1. April dürfte die 26-Jährige so schnell nicht vergessen. Eigentlich wollte sie nur mit ihren Kindern und der Schwägerin etwas einkaufen.

Zwei Wochen Schmerzen

Dann kam es zu dem unschönen Zwischenfall: Der Mann hinter ihr an der Kasse bezeichnete die Frau mit Kopftuch plötzlich als „ausländische Hure“ und drohte ihr an, ihr „eine zu klatschen“. Danach versetzte er ihr einen festen Tritt gegen die rechte Wade. Ein großes Hämatom und zwei Wochen Schmerzen waren die Folge.

Doch so wollte das der Angeklagte in seinem Prozess nicht stehenlassen. Er sei an dem Abend betrunken gewesen und habe im „Action“ Süßigkeiten kaufen wollen. „Ich habe mit mir selbst genuschelt.“ Was er genuschelt habe, wisse er schon gar nicht mehr. Da habe ihn diese Frau gefragt: „Was nuschelst Du so, Du Idiot?“

Kurzschlussreaktion

Daraufhin habe ein Wort das andere gegeben und er habe ihr „in den Hintern getreten.“ Das war eine Kurzschlussreaktion und weil ich besoffen war“, begründete er sein Verhalten. Überhaupt: „Ich habe ja nicht angefangen.“ Aber wenigstens ließ er eine Andeutung von Einsicht erkennen. Ja, er hätte nicht zutreten dürfen.

Laut geschrien und übel beschimpft

Die Betroffene schilderte den Vorfall allerdings „etwas“ anders. Demnach redete der Angeklagte die ganze Zeit irgendwas und sie fragte ihn schließlich: „Wie bitte? Reden sie mit mir?“ Er habe laut geschrien, sie so übel beschimpft und zugetreten. „Ganz feste“ und definitiv gegen die Wade, erinnerte sie sich und fügte hinzu: „Ich war erstmal geschockt, weil die Kinder danebenstanden.“

Derweil sei der Angreifer weggerannt und sie habe ihn dann verfolgt. Ein Zeuge habe ihn allerdings letztlich festgehalten und sie hätten dann die Polizei gerufen.

Diese Aussage wurde von der Schwägerin der jungen Frau im Wesentlichen bestätigt. Auch sprach ein ärztliches Attest Bände: Darin wurde der 26-Jährigen aus Lünen am Folgetag ein großflächiges Hämatom an ihrer rechten Wade bescheinigt.

Zu Geldstrafe verurteilt

Die Vertreterin der Anklage und der Richter hatten letztlich keinen Zweifel daran, dass der 38-Jährige die Geschädigte zunächst massiv beschimpfte und dann zutrat – und zwar gegen die Wade und nicht gegen den Hintern. Und das kam den Mann, der strafrechtlich bislang noch nicht in Erscheinung getreten war, am Ende teuer zu stehen. Er wurde wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt.

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