Martin Schulz (SPD) warb bei seinem Besuch in Lünen für Europa

Im Gemeindesaal St. Georg

Polit-Prominenz war in Lünen zu Gast: Martin Schulz (SPD), ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments, machte sich für Europa stark..

Lünen

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Martin Schulz (SPD) warb bei seinem Besuch in Lünen für Europa

Über den Besuch von Martin Schulz (l.), der fünf Jahre lang Präsident des Europäischen Parlaments war, freuten sich die Lüner Juso-Vorsitzende Nina Kotissek (v.r.) und SPD-Bundestagsabgeordneter Michael Thews, um mit ihm und Gästen über die Europawahl am 26. Mai zu sprechen. © Beuckelmann

Martin Schulz (63) ist ein glühender Sozialdemokrat und Verfechter des Europa-Gedankens: Am Samstag war der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, der seit 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages ist, auf Einladung seines Parteikollegen Michael Thews und der Jungsozialisten nach Lünen gekommen, um über die Europawahl zu sprechen.

Personen haben versucht, die Veranstaltung im St.-Georg-Gemeindesaal zu stören. Sie wurden von der Polizei entfernt.

Schulz: „Dramatische epochale Veränderung“

Der Politiker sagte mit Blick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den Millionen Toten beider Weltkriege: „Wir stehen in einer dramatischen epochalen Veränderung.“ Schulz weiter: „Die war geprägt vom Gedankengut dieser Leute: Rassismus, Großmachtstreben, Aggression, Unterdrückung, Gewalt, Terror, Vernichtung.“ Die großen Vereinfacher und Verführer hätten damals Hochkonjunktur gehabt. „Es gab aber auch in dieser Zeit schon eine andere Bewegung, die Männer und Frauen unserer Partei“, ging Schulz auf das Heidelberger SPD-Programm mit der Forderung nach einer europäischen Lösung ein. Damit sollte das Abschlachten der Völker aufhören. Doch diese Idee sei nicht aufgegangen und endete im 2. Weltkrieg mit Völkermord und 55 Millionen Toten, beklagte Schulz und nannte Auschwitz als „Tiefstpunkt der Zivilisationsgeschichte“.

Für Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Die heutige Generation dürfe glücklich sein mit Frieden, Wohlstand und den Chancen, sich zu verwirklichen, sprach sich Schulz für die Zusammenarbeit von Völkern und Nationen über Grenzen hinweg aus. „Lasst uns ein Volk der guten Nachbarn sein, nach innen wie nach außen“, zitierte Schulz Willy Brandts Regierungsrede von 1969 als „programmatischsten Satz der SPD“. Deutschland habe sich nach der Wiedervereinigung im Grundgesetz verpflichtet, an der Vertiefung der europäischen Einigung mitzuwirken. Eine Partei, die in ihrem Wahlprogramm schreibe, aus der Europäischen Union auszutreten und den Euro abzuschaffen, sei verfassungsfeindlich, warnte Schulz vor der AfD.

Zukunft folgender Generationen sichern

Die EU sei nicht perfekt, zu bürokratisch, schwerfällig, aber ein Friedensprojekt zu zerschlagen, sei falsch und gefährlich. Ökologische und soziale Standards gelte es, weiter zu entwickeln, um die Zukunft folgender Generationen zu sichern.

„Ich will nicht zu denen gehören, die das Erbe verspielen, denn wenn mein Leben geprägt war von mehr, dann will ich nicht, dass das Leben meiner Kinder und Kindeskinder von weniger geprägt ist – und schon mal gar nicht von Rechten“, sagte Schulz und lobte die jungen Menschen, die jetzt jeden Freitag auf die Straße gehen würden, um für eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen mit der Botschaft „Der Klimawandel macht an keiner Landesgrenze halt“.

Bei der Fragerunde bezog Schulz Stellung zu Landwirtschafts- und Klimapolitik, Urheberrechten, Internet-Steuer und einer Langzeit-Perspektive.

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