Massive Kritik an Grundreinigung in Lüner Schule

Lange Mängelliste

Spinnweben im Büro, tote Insekten auf der Fensterbank und staubbedeckte Finger nach einer Wischprobe auf dem Boden im Flur – und das alles trotz angeblicher Grundreinigung während der Ferien. „Unsere Schule versinkt im Dreck“, sagt Bernhard Egermann, Leiter der Grundschule Am Lüserbach in Horstmar. Er ist frustriert.

LÜNEN

, 22.08.2017, 14:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon seit Jahren sei die unzureichende Sauberkeit der Schulen ein Thema in Schulleiterrunden und in Gesprächen mit dem zuständigen Stadtbetrieb Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL). „Wir haben schon so viele Gespräche geführt, dass es mir jetzt irgendwann reicht“, erklärt Egermann, der in dieser Woche mit Kollegen am neuen Stundenplan arbeiten will.

Egermann zählt weitere Mängel auf: Abwaschbare Wände seien nicht gewischt worden, manche Regale und Schränke nicht feucht gereinigt. Der Fußboden sei zwar gesäubert und versiegelt worden, aber an einigen Stellen hätten Reinigungskräfte Wollmäuse und Papierschnipsel gleich mitversiegelt. „Einige Möbel wurden viel zu früh verschoben, sodass es Streifen auf dem Boden gibt“, so der Schulleiter. Die Fenster seien seit Jahren nicht mehr geputzt worden.

Sparbeschluss des Rates aus dem Jahr 2006

Die Stadt Lünen räumt auf Anfrage Probleme ein. „Immer wieder“ hätten Schulleitungen Kritik an der Reinigungsqualität geäußert. Vor allem dort, wo statt eigener Kräfte eine Fremdfirma im Auftrag von ZGL putzt. Ein Sparbeschluss des Rates aus dem Jahr 2006 gebe vor, nach und nach von Eigen- auf Fremdreinigung umzustellen, so die Stadt. „Unterschiedliche Tarifgefüge“ machten eigene Kräfte teurer.

Künftig wolle man die Schulen nicht mehr von nur einer Fremdfirma reinigen lassen, sondern die Arbeit ab 1. Januar 2018 auf drei Firmen verteilen. Dazu seien die Reinigungsleistungen an Schulen aus dem Ende 2017 auslaufenden Vertrag europaweit neu ausgeschrieben worden. „ZGL hofft, dadurch bessere qualitative Ergebnisse zu erzielen und bei Problemen mit einem Anbieter flexibel reagieren zu können“, erklärt die Stadt. Zudem habe sich ZGL im Mai 2017 „durch die Einstellung von zwei Reinigungsexperten fachlich neu aufgestellt“. Die beiden Mitarbeiter hätte frei gewordene Stellen besetzt.

Fensterputzen in den Herbstferien?

Mit der Glasreinigung war laut Stadt auch eine Fremdfirma beauftragt – bis Februar 2016. Aufgrund von Schlechtleistungen und nicht beseitigter Mängel sei der Vertrag gekündigt worden. Die Schulleitungen habe man darüber informiert. Seitdem wurden die Fenster offensichtlich nicht mehr geputzt. ZGL, so heißt es seitens der Stadt, habe auch für die Glasreinigung eine europaweite Ausschreibung durchgeführt. Der Auftrag werde voraussichtlich im September 2017 neu vergeben. Die Fenster in den Schulen könnten somit in den Herbstferien geputzt werden.

Laut Bernhard Egermann fielen die Defizite in Sachen Sauberkeit bei einer Routinebegehung vor den Sommerferien auch einer Vertreterin des Kreisgesundheitsamtes auf. ZGL-Mitarbeiter seien dabei gewesen. „Es sind Mängel aufgefallen, aber keine groben Mängel“, sagt auf Anfrage Max Rollke, stellvertretender Sprecher des Kreises Unna. ZGL solle da „nochmal draufgucken“, habe man vereinbart. Umso enttäuschter war Schulleiter Bernhard Egermann vom Ergebnis der Grundreinigung in den Ferien.

Unser Lüner Redakteur Peter Fiedler hat den Sachverhalt kommentiert: 

Schattenseite des Sparens

Betriebswirtschaftlich verheißt es Ersparnisse, von Eigen- auf Fremdreinigung umzusteigen. Aber nur, wenn die externen Gebäudereiniger auch so gut putzen wie die eigenen Kräfte. Doch in den Schulen zeigt sich, dass das nicht klappt. Es hapert offensichtlich an der Qualität. Privat vor Staat funktioniert eben nicht immer. Billig kann am Ende teuer sein, das ist die Schattenseite des Sparens. Die Stadt will jetzt drei Fremdfirmen statt nur einer beauftragen, um Leistungen vergleichbar zu machen und so mehr Qualität fürs Geld zu bekommen. Das kann ein Ansatz sein. Ein anderer könnte sein, nochmal zu rechnen: Wie viel mehr würde es kosten, die Reinigungsintervalle zu erhöhen? Das wünschen sich viele Schulleiter. Gute Bildung fängt mit sauberen Schulen an.

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