Mercedes-Fläche in Lünen: Startschuss fällt für Riesenprojekt

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Filetstück. Visitenkarte Lünens. Tor zur City. Die ehemalige Mercedes-Fläche hat viele Namen. Zu sehen ist von alldem aber noch nichts. Das ändert sich ab dem 27. Juli - aber nur langsam.

Lünen

, 27.07.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist Lünens meist befahrene Kreuzung: die Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Viktoriastraße. Seit 2018 gibt es dort für die Pendler in den vorbeirollenden Blechkolonnen aber wenig Neues zu sehen. Seit dem Wegzug von Mercedes in die neue Niederlassung auf dem Lindenplatz lag die ehemalige Mercedes-Fläche im Dornröschenschlaf. Ab Montag, 27. Juli, wird sich das ändern.

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Zu große Sprünge dürfe in den ersten beiden Wochen aber niemand erwarten, sagt Uwe Pamp, Geschäftsführer des Lüner Unternehmens Märkische Tiefbau. „Wir werden erst einmal die bestehenden Gebäude entkernen.“

Freuen sich, dass es losgeht: (v. l.) Matthias Beckmann (Bauverein), Carsten Unterberg (Bauverein), Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns, Andreas Zaremba (Bauverein), Uwe Pamp (Märkische Tiefbau) und der Mann, der die Arbeiten vor Ort koordinieren wird: Björn Pastowski (Märkische Tiefbau).

Freuen sich, dass es losgeht: (v. l.) Matthias Beckmann (Bauverein), Carsten Unterberg (Bauverein), Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns, Andreas Zaremba (Bauverein), Uwe Pamp (Märkische Tiefbau) und der Mann, der die Arbeiten vor Ort koordinieren wird: Björn Pastowski (Märkische Tiefbau). © Sylvia vom Hofe

Der bereits ab Montag auf dem Grundstück stehende große Abbruchbagger habe zunächst nichts anderes zu tun, als die unterschiedlichen Materialien zu sortieren. Erst ab dem 10. August greift die Baggerschaufel richtig zu. Und bricht ab.

Fünf bis sechs Wochen lang läuft der Abbruch

Das werde fünf bis sechs Wochen dauern, sagt Pamp. Danach werden sich die Autofahrer und alle anderen Beobachter wieder auf ein Standbild einstellen können, das lange unverändert bleiben wird: ein leergeräumtes, 10.000 Quadratmeter großes Grundstück, das allerdings zunächst noch versiegelt bleibt. Die Arbeiten laufen dann erst einmal woanders auf Hochtouren: an Schreibtischen.

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„Noch gibt es keinen Bebauungsplan“, sagt Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns Aber einen bereits überarbeiteten Entwurf des neuen Eigentümers der Fläche, des Bauvereins zu Lünen. Er hatte die Fläche, die der Stadt via Grundstückstausch mit Mercedes zugefallen war, gekauft - und hatte der Stadt damit aus der Klemme geholfen.

In die war sie geraten, als sich der Grundstückstauschvertrag mit Mercedes als nicht so eindeutig erwiesen hatte wie zunächst gedacht. Der letzte Stand nach entsprechenden Nachverhandlungen: Die Stadt reißt die Gebäude ab und kümmert sich um eine Aufbereitung des Grundstücks, das im ehemaligen Flussbett der Seseke liegt, und Mercedes zahlt einen Wertausgleich. Das Angebot des Bauvereins, die Fläche gegenüber dem eigenen Unternehmenssits zu kaufen, mischte die Karten neu.

50 Wohnungen, Gewerbefläche und Tiefgarage

27 Millionen will der Bauverein dafür in die Hand nehmen, wie Lünens ältestes Wohnungsbauunternehmen im vergangenen Jahr mitteilte. Angesichts der Preisexplosion im Bausektor dürfte die Investitionssumme eher noch steigen. Abstriche an der qualitativ hochwertigen Entwicklung der Fläche werde es nicht geben.

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„Wir freuen uns sehr, dass es jetzt losgeht“, sagt Andreas Zaremba, der Vorstand des Bauvereins. Er will auf dem großen Eckgrundstück rund 4000 Quadratmeter Gewerbefläche schaffen und 50 Wohnungen - alles über einer entsprechend großen Tiefgarage. Einen ersten Entwurf hatte der Bauverein Ende vergangenen Jahres vorgestellt. Der Rat sei mehrheitlich davon sehr angetan gewesen, sagt Bürgermeister Kleine-Frauns. Es gab auch andere Stimmen, die einen großen Wurf vermissten.

Ein neues Wahrzeichen für die Stadt

Das will der Bauverein nicht auf sich sitzen lassen. „Wir haben unsere Pläne inzwischen in Details modifiziert“, sagt Zaremba. Hinweise des im Mai 2019 gegründeten Lüner Beirats für Stadtgestaltung und Baukultur (LBSB) seien dabei eingeflossen. Aufgabe des LBSB ist es, dazu beizutragen, das Stadtbild gestalterisch zu verbessern. Er soll die architektonische und städtebauliche Qualität auf einem hohen Niveau sichern und dabei helfen, sie fortzusetzen und Fehlentwicklungen in Architektur und Städtebau zu vermeiden: genau das, was an der meist befahrenen Innenstadtkreuzung benötigt wird.

Der besonderen Voraussetzungen und der innenstadtnahen Lage werde Rechnung getragen, verspricht Carsten Unterberg, Prokurist des Bauvereins. Dabei scheut er sich nicht, als Vergleich das Stadttor von Düsseldorf zu bemühen: ein Büroturm in der Landeshauptstadt, das die Planer als modernes Wahrzeichen verstehen.

Gracht im Innenhof soll für Idylle im städtischen Raum sorgen

Eine Wasserfläche im Innenhof - eine sogenannte Gracht - und entsprechende Begrünung sollen dafür sorgen, dass der Neubaukomplex aus mehreren Gebäuden nicht nur ein Hingucker werde, sondern auch ein Ruhepol, sagt Andreas Zaremba: eine „Idylle mitten in der Stadt“. Wohn- und Schlafräume würden zu dieser Wasserfläche hin konzipiert.

Öffentlich machen will Zaremba die im Detail umgearbeiteten Pläne noch nicht. Erst gelte es, sie mit den Verantwortlichen von Politik und Verwaltung zu besprechen. Bürgermeister Kleine-Frauns, der schon einen Blick hat darauf werfen können, sagt, er sei „sehr begeistert“. Es sei kein Widerspruch, so nah an einer viel befahrenen Kreuzung sehr komfortabel wohnen zu können.

Wenn alles so läuft wie geplant, geht es in eineinhalb bis zwei Jahren richtig los mit den eigentlichen Bauarbeiten. Bis dahin soll der Bebauungsplan, den die Stadt laut Zaremba „im engen Schulterschluss“ mit dem Bauverein entwickeln wird, in trockenen Tüchern sein.

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