Messerattacke: Angeklagter verweist auf Black-out

Lüner vor Gericht

"Sie hatte gesagt, dass sie sich umbringen wollte. Da bin ich wütend geworden", sagte der Angeklagte aus Lünen am Donnerstag vor dem Dortmunder Landgericht. Warum er dann anschließend auf seine Freundin in Brambauer mit dem Messer eingestochen hat, konnte er nicht aufklären. Er habe einen Black-out gehabt, sagte er.

LÜNEN/DORTMUND

06.10.2016, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bier, Schnaps und illegale Drogen aller Art bestimmen seit Jahren das Leben eines Bauhelfers aus Brambauer. Im Prozess um einen Messerangriff auf eine junge Frau aus Brambauer hat der angeklagte Verlobte des Opfers am Donnerstag vor dem Dortmunder Landgericht um Verzeihung gebeten. Die Bluttat tue ihm unendlich leid, sagte der 46-Jährige. An Einzelheiten will er sich allerdings nicht mehr erinnern können.

"Lass uns aufhören mit Heroin"

Von morgens bis abends habe er getrunken und sein Gehirn benebelt, sagte der Angeklagte den Richtern. Und seine Freundin habe fleißig mitgemacht. „Ich habe immer zu ihr gesagt: Lass uns aufhören mit Heroin. Das ist doch nicht gut. Lass uns lieber Gras rauchen.“ Die Frau aber habe nicht gewollt.

An jenem 29. März führte der Dauerrausch - er habe schon morgens am Busbahnhof mit den ersten Bier- und Schnapsflaschen losgelegt - dann offensichtlich schnurstracks in die Katastrophe. Erst attackierte der Angeklagte einen Freund mit drei Bierflaschen und einer Bratpfanne, dann ging er abends auch noch mit einem Messer auf seine Freundin los. „Sie hatte gesagt, dass sie sich umbringen wollte. Da bin ich wütend geworden“, sagte der Bauhelfer.

Bei der Polizei wach geworden

An mehr will er sich allerdings nicht erinnern können. „Totaler Black-out. Ich weiß nur noch, wie ich bei der Polizei wach geworden bin“, so der 46-Jährige. Dass er der Täter ist, streitet der Angeklagte allerdings nicht ab.

Die Frau wurde damals schwer verletzt. Richtig böse scheint sie dem Angeklagten allerdings nicht mehr zu sein. Zweimal hat sie ihn seither in der Untersuchungshaft besucht. Und als sie gestern als Zeugin aussagen sollte, verweigerte sie die Aussage. Begründung: „Wir sind ja verlobt.“ Da strahlte der Angeklagte und zwinkerte der Zeugin fast ein bisschen verschwörerisch zu.

Später genehmigten die Richter dem glücklichen Paar, im Beisein von zwei Wachtmeistern, fünf Minuten lang Zukunftspläne schmieden zu können. Am nächsten Verhandlungstag soll die Zeugin noch einmal kommen. Dann soll ihr ein eigener Anwalt raten, ob es nicht vielleicht doch besser wäre, auszusagen.

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