Michael Prill auf der Spur der Erlritze

Fischen mit Strom

Der Kescher, den Michael Prill in Händen hält, sieht noch relativ handelsüblich aus. Wäre da nicht die Leitung am Ende. Das Steuergerät vor der Brust und der 25-Kilo-Rucksack mit der Batterie auf dem Rücken unterscheiden Prill vollends von einem normalen Angler: Er ist Elektrofischer. Und in der Seseke der Natur auf der Spur.

LÜNEN

von Von Peter Fiedler

, 12.07.2013, 17:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Michael Prill auf der Spur der Erlritze

Mit Spezialausrüstung jagt der Elektrofischer die Erlritze - zu Forschungszwecken.

Jahrelang transportierte der Fluss Abwässer. Jetzt, nach der Renaturierung, erobern Tiere und Pflanzen die Seseke allmählich für sich zurück. Vor allem die Fische: „Döbel, Aal, Gründling, Schmerle, Hasel“, zählt Prill einige Arten auf. Gesten Nachmittag sucht er einen anderen Fisch: die Elritze. „Sie ist ein Indikator für richtig gute Wasserqualität“, erläutert Prill.  

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Elektrofischen

12.07.2013: Das Steuergerät vor der Brust und der 25-Kilo-Rucksack mit der Batterie auf dem Rücken unterscheiden Michael Prill von einem normalen Angler: Er ist Elektrofischer. Die schönsten Bilder.
12.07.2013
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Michael Prill (l.) und Detlef Borzug präsentieren die Ausrüstung fürs Elektrofischen.© Foto: Fiedler
Mit diesem Gerät wird die elektrische Leitfähigkeit des Wassers gemessen.© Foto: Fiedler
Michael Prill beim Elektrofischen. Er trägt eine Spezialbrillie, mit der er trotz Reflektion des Sonnenlichts auf der Wasseroberfläche ins Gewässer schauen kann.© Peter Fiedler
Beim Fischmonitoring, also dem Bestimmen der Zahl und der Arten, werden die Ergebnisse protokolliert.© Foto: Fiedler
Erster Fang des Nachmittages: eine Schmerle.© Foto: Fiedler
Das ist die Elritze, die Michael Prill unbedingt fangen wollte. Sie wird bei der Oberen Fischereibehörde in Arnsberg untersucht.© Foto: Fiedler
Die Döbel dürfen wieder zurück in ihr nasses Element.© Foto: Fiedler
Detlef Borzug mit dem Gefäß, in dem sich die Elritze befinden. Sie hat eine Reise nach Arnsberg vor sich. Dort werden Biologen bestimmen, ob es eine heimische Elritze ist oder nicht.© Foto: Fiedler
Schlagworte Lünen

 

Zweimal im Jahr führt Prill ein Fischmonitoring durch. An fünf Punkten im Seseke-Verlauf zwischen Kamen und Lünen werden die Fischarten und ihre Größe bestimmt. Prills Partner ist Detlef Borzug, Vorsitzender des Fischereivereins Lünen. Prill ruft ihm zu, was er im Kescher hat, Borzug notiert es. Beim letzten Mal waren es gleich acht Elritzen. Doch die Frage lautet: Ist es die heimische Elritze, die auf natürlichem Weg ihre Heimat in der Seseke gefunden hat, oder stammen die Fische aus einem Teich und wurden ausgesetzt. Die Unterscheidung ist so schwierig, dass sie nicht mal der Fischereiberater treffen kann. Deshalb soll ein Biologie der Oberen Fischereibehörde in Arnsberg ein Tier untersuchen. Doch dazu muss erstmal eins im Kescher landen.Fische flüchten zum Pluspol Michael Prill setzt die Seseke unter Strom. Das Prinzip: Es wird Gleichstrom ins Wasser geleitet, und die stromempfindlichen Fische flüchten vom Minus- zum Pluspol. Dieser (Anode) befindet sich am Kescher. Die erste Elritze sieht Michael Prill nur, die nächste fängt er auch. Ihr steht jetzt die Reise nach Arnsberg bevor. „Wenn es wirklich die heimische Art ist, wäre das natürlich toll“, sagt er. Die Elektrofischerei dient allein dem Naturschutz und ist nichts für Amateure. Prill hat dafür eine Ausbildung absolviert. So bleiben auch an diesem Nachmittag die Fische in der Seseke unversehrt. 

 

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