Restaurant „Da Rocco“: Nach 34 Jahren hören die bisherigen Besitzer bald auf

rnRestaurant „Da Rocco“

Es ist für ihn schon ein komisches Gefühl - nach 34 Jahren geht Rocco Tedesco in wenigen Wochen in Rente. Sein Restaurant „Da Rocco“ wird er dann mit Ehefrau Gumbrid als Gast besuchen.

Lünen

, 01.08.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Idee, man könne doch in Ruhestand gehen, kam vor zwei Jahren auf. Aber Rocco und Gumbrid Tedesco wollten ihr „Baby“, ihr Restaurant, in gute Hände geben und sich bei der Suche nicht stressen lassen. Ende August ist es soweit - sie haben Nachfolger gefunden.

Klar war auch: das beliebte Gastronomen-Ehepaar bleibt in Lünen. Denn hier hat es eine gemeinsame Heimat gefunden.

Rocco Tedesco zog es 1974 nach Deutschland. Der junge Süditaliener aus Kalabrien war damals 18 Jahre jung und Fan des deutschen Nationalspielers Paul Breitner. „Wegen ihm bin ich nach Deutschland gekommen“, erzählt Tedesco, was auf Italienisch übrigens „Deutsch“ heißt.

Heimweh war anfangs sehr groß

Erste Station war Minden, dort arbeitete er erstmal fünf Monate in einem Betonwerk und danach noch ein paar Monate in einer anderen Fabrik. Dann war das Heimweh zu groß. Er kehrte nach Kalabrien zurück.

1977 zog es ihn dann wieder nach Deutschland, wo er in der Gastronomie startete. Erst in Lemgo. Vor 40 Jahren machte er sich dann selbstständig. 1982 fand er in Lünen an der Lange Straße neben einer Eisdiele ein kleines Lokal, wo er Pizza am Stück verkaufte.

Viele Familien sind Stammgäste und Freunde

Drei Jahre danach baute er am Roggenmarkt ein Haus, in dem er sein Restaurant „Da Rocco“ eröffnete. Das war vor 34 Jahren. Seitdem hat der temperamentvolle Italiener viele Stammgäste gewonnen.

„Manche Familien kommen mit vier Generationen, da war schon der Großvater da, dann der Vater und jetzt hat dessen Tochter schon ein Baby“, erzählt Tedesco. Ihren Stammgästen erzählen Rocco und Gumbrid Tedesco derzeit auch, dass sie bald nicht mehr ihre Gastgeber sein werden.

Liebe auf den ersten Blick

Die beiden sind seit 1992 ein Paar. Kennengelernt haben sie sich - natürlich - bei „Da Rocco“. „Ihre Schwester und ihr Schwager kamen damals immer zu mir. Und ich hab sie gerne bedient und dachte immer, wenn die Dame doch eine Schwester hätte“, erinnert sich Tedesco.

Sie hatte eine Schwester und als diese dann das erste Mal ins Restaurant kam, war es Liebe auf den ersten Blick - auf beiden Seiten. „Ich hab damals noch bei der Sparkasse Dortmund gearbeitet und bin dann auf Teilzeit gewechselt, weil ich bei Rocco helfen wollte“, erzählt Gumbrid Tedesco.

Mehr Zeit für andere Sachen

Drei Jahre lang lief das so, dann entschied sie sich, ganz im Restaurant zu arbeiten. 1998 heiratete das Paar, das sich jetzt mit einem weinenden und einem lachenden Auge von seinem Restaurant verabschiedet.

„Wir haben hier so viel erlebt und so viele nette Menschen kennengelernt. Aber wir freuen uns auch darauf, mehr Zeit für andere Sachen zu haben“, sagt Gumbrid Tedesco.

Vielleicht schreibt er ein Buch über seine Erlebnisse

Beispielsweise dafür, einfach mal an einem Samstagabend zusammen auszugehen. Oder sich beim Kinofest mal Filme anzusehen, ohne Zeitdruck.

Rocco Tedesco kann sich auch gut vorstellen, mal ein Buch über seine vielen Erlebnisse und Begegnungen zu schreiben. „Aber dazu brauche ich Hilfe, fürs Koordinieren.“

Begegnungen wie 2006 bei der Fußball-WM, als ein Vater und sein Sohn zu Gast im Lüner Restaurant waren, die aus den Abruzzen stammten. „Es stellte sich heraus, dass sie mittlerweile in Australien leben, in Melbourne und zwar in der Nähe der Straße, in der mein Bruder lebte.“

Wie sehr Lünen seine Heimat geworden ist, spürte Rocco Tedesco 2016, als seine Frau schwer erkrankte. „Da wollte ich das Restaurant schon zumachen, aber Gumbrid wollte das nicht, sie wollte zurück in ihr altes Leben.“ Zum Glück schaffte sie es und freut sich jetzt mit ihrem Mann auf den neuen Lebensabschnitt.

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