Nach Einbruch und Hakenkreuzen in Physio-Praxis: „Das kann man nicht einfach so hinnehmen“

rnPhysio-Aktiv

Gabriele Schiek reicht es. Als sie liest, dass die Inhaberinnen der Physio-Praxis aufgeben, nachdem ihre Praxis mit Hakenkreuzen beschmiert und zerstört wurde, will sie ein Zeichen setzen.

Lünen

, 10.10.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gabriele Schiek ist Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lünen. Und las wie viele andere auch davon, dass die beiden jungen Inhaberinnen der Physio-Praxis am Christinentor nach einem Einbruch im Februar aufgeben - aufgeben müssen.

Nach Einbruch und Hakenkreuzen in Physio-Praxis: „Das kann man nicht einfach so hinnehmen“

Auf den Hinweistafeln im Erdgeschoss weist nichts auf das Drama hinter den Türen hin. © Britta Linnhoff

Die unbekannten Täter demolierten die Einrichtung und schmierten und ritzten Hakenkreuze an Wände und Massageliegen.

Nach Einbruch und Hakenkreuzen in Physio-Praxis: „Das kann man nicht einfach so hinnehmen“

So sah es an dem Februarmorgen in der Praxis aus. © Physioaktiv

Schiek sagt: Das frauenpolitische Netzwerk Lünens habe mit Bestürzung zur Kenntnis genommen, dass die beiden Inhaberinnen ihre Physiopraxis aufgrund des Einbruchs vor rechtsradikalem Hintergrund aufgeben müssen. Und weiter: „Wir wollen das nicht einfach so hinnehmen und zur Tagesordnung übergehen, denn die Rechten haben mit dieser Tat schon ein Ziel erreicht, nämlich, dass zwei Frauen mit Migrationshintergrund aufgeben.“

Nach Einbruch und Hakenkreuzen in Physio-Praxis: „Das kann man nicht einfach so hinnehmen“

Gabriele Schiek: Sie will den Vorfall nicht einfach so hinnehmen. © Foto Niehaus

„Wehret den Anfängen“, darum geht es

Unter dem Motto „Wehret den Anfängen“ hat sie nun Kontakt mit den beiden Inhaberinnen aufgenommen. Sie will nicht mehr einfach so zur Tagesordnung übergehen. Man wolle nun in den nächsten Tagen klären, wie man am besten helfen kann.

Nach Einbruch und Hakenkreuzen in Physio-Praxis: „Das kann man nicht einfach so hinnehmen“

Rainer Schmeltzer, Vorsitzender des Arbeitskreises gegen Rechts. © Foto Goldstein

Es gibt in Lünen einen Aktionskreis gegen Rechts. In einer Art Präambel heißt es wörtlich: ... „ daher gilt es heute wachsam zu sein, gegenüber allen menschenverachtenden, fremdenfeindlichen, nationalistischen und rassistischen Ideologien, Tendenzen und Aktionen. Ihnen entschlossen und couragiert entgegen zu treten ist das Ziel des Lüner Aktionskreises gegen Rechtsextremismus.“ Rainer Schmeltzer, Vorsitzender des Aktionskreises, findet die Vorkommnisse „einfach unsäglich“. Es widere ihn an, dass nun auch noch die Versicherung die Hürden so hoch lege. Wenn das das Ergebnis von rechtsradikaler Zerstörungswut ist, dann ist das ein Einbruch im System, das darf nicht sein“, sagt der Landtagsabgeordnete.

Konkrete Ermittlungsergebnisse gibt es bisher nicht. Aufgrund der Umstände ermittelte auch der Staatsschutz. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft wird derzeit noch ein Fingerabdruck ausgewertet. Weil es bisher nichts Konkretes gibt, gibt es bisher auch keinen Beweis dafür, dass die Tat tatsächlich einen rechten Hintergrund hat, obwohl alle Tatumstände dafür sprechen. Die Polizei teilte auf Anfrage mit, dass solche Schmierereien in Zusammenhang mit einem Einbruch nur selten vorkommen. Solche Symbole, so der Polizeisprecher, würden vor allem dahin gesprüht, wo sie auch gesehen werden, also zum Beispiel an Hauswände. Das schließe aber auf keinen Fall aus, dass es in diesem Fall trotzdem so sei.

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