Ab 1. Oktober werden die Gaspreise der Stadtwerke um 20 Prozent teurer. Viele Verbraucher denken an einen Anbieter-Wechsel. Aber das ist gar nicht so einfach. © picture alliance/dpa
Kritik an Stadtwerke-Werbung

Nach Gaspreis-Erhöhung: Nicht jeder Lüner kann den Anbieter wechseln

Die Stadtwerke Lünen erhöhen die Gaspreise um 20 Prozent - keine gute Nachricht für Verbraucher. Viele denken jetzt an einen Anbieter-Wechsel, doch das ist nicht so einfach wie beim Strom.

Noch in diesem Jahr wird das Gas, das die Stadtwerke Lünen ihren Kunden liefern, deutlich teurer. Um 20 Prozent wird der lokale Anbieter die Preise ab 1. Oktober erhöhen. Auf ihrer Homepage werben die Stadtwerke Lünen dennoch damit, dass Gas-Kunden nicht nur etwas für die Umwelt tun, sondern auch ihre Energiekosten senken. Das empfindet ein User im sozialen Netzwerk als blanken Hohn.

Möglicherweise denken einige Stadtwerke-Kunden jetzt daran, von ihrem Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhungen Gebrauch zu machen und zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Das ist aber erstens nicht so einfach für jeden möglich und zweitens nicht unbedingt die einzige Lösung, sagt Jutta Eickelpasch, Umweltberaterin bei der Verbraucherzentrale, auf Anfrage.

„Nach solchen Briefen und Ankündigungen von Preiserhöhungen der Stadtwerke kommen immer viele Ratsuchende zu uns“, so die Beraterin. Weil sie gerne den Anbieter wechseln wollen und nicht wissen, wie das geht. Oder aber, weil sie versucht haben, auf eigene Faust zu wechseln und das nicht geklappt hat. Der Rat an die Verbraucher ist – nichts überstürzen.

„Wir raten bei einer Preiserhöhung nicht uneingeschränkt zum Wechsel, weder bei Gas- noch bei Stromkunden“, so Jutta Eickelpasch. Denn nicht immer bringt ein Wechsel zu einem anderen Anbieter auch die erwünschte Ersparnis. Manchmal helfen andere Wege. Gas sei immer deutlich teurer als Strom, eine Preiserhöhung mache sich schon in der Geldbörse bemerkbar.

Beim Gas ist es ohnehin so, dass die allermeisten Mieter gar nicht von sich aus den Anbieter wechseln können. Im Gegensatz zum Strom, bei dem jeder – ob Mieter oder Eigentümer – einen eigenen Vertrag hat. Beim Gas hat prinzipiell der Hauseigentümer, also auch der Vermieter von Wohnungen, den Liefervertrag mit dem Versorger abgeschlossen. Die Kosten – auch die Preiserhöhung – werden dann auf den Mieter umgelegt.

Vermieter ansprechen

Jutta Eickelpasch: „Man sollte also seinen Vermieter ansprechen, ob der eventuell den Anbieter wechseln will, oder aber mit dem Anbieter einen Tarifwechsel in einen günstigeren Tarif vereinbaren könnte.“ Denn das wäre eine Möglichkeit, um Geld zu sparen. Oft, so die Beraterin, haben die Besitzer von Miethäusern oder Eigenheimen die Grundversorgung gebucht, andere Tarife können aber günstiger sein. Deshalb sollten Mieter, die Gas nutzen, ihren Vermieter unbedingt ansprechen.

Sollte ein Gespräch mit den Stadtwerken über einen Tarifwechsel dann doch nichts bringen, können sich Hausbesitzer über die verschiedenen Wechselportale eine Übersicht über andere Gas-Anbieter verschaffen. Jutta Eickelpasch: „Man sollte aber genau hinschauen, oft sind nur die Online-Tarife wirklich günstiger. Wenn jemand aber nicht Internet-affin ist, nützen diese Tarife nichts.“ Die Online-Tarife seien deshalb so günstig, weil die Anbieter weniger Räumlichkeiten und Mitarbeiter vorhalten müssen.

Wenn man einen Vertrag mit einem anderen Anbieter abschließt, kann man meistens nur ein Jahr lang sparen, weil sich dann die versprochenen Boni bemerkbar machen, die ab dem zweiten Jahr aber nicht mehr gelten. „Eigentlich müsste man dann jedes Jahr wechseln, was aber die wenigsten Leute wollen. Natürlich gibt es sportliche Wechsler, die Strom- und Gasanbieter sowie Kfz-Versicherungen jährlich wechseln, aber das sind die wenigsten Leute“, so die Beraterin.

Man solle auch bedenken, dass der örtliche Grundversorger nicht nur Gas und Strom liefert, sondern auch persönliche Ansprechpartner zur Verfügung stellt, was gerade für ältere Kunden wichtig ist.

Vor einem warnt die Verbraucher-Beraterin dringend: Man sollte sich nicht auf Vertragsabschlüsse an der Haustür einlassen. Möglicherweise versuchen Anbieter nach der Preiserhöhung auf diese unseriöse Weise Gas-Kunden zum Wechsel zu drängen.

Weitere Informationen findet man auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW, www.verbraucherzentrale.nrw und bei der Beratungsstelle Lünen der Verbraucherberatung, Tel. (02306) 301 38 01.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt