Nach Gullydeckel-Attacke auf Zug: Tatverdächtiger Lüner Lokführer darf sich frei bewegen

rnErmittlungen gegen Lokführer

Auf der Suche nach einem Motiv für die Gullydeckel-Attacke auf eine Regionalbahn tappt die Staatsanwaltschaft Siegen weiter im Dunkeln. Der Verdächtige hatte DNA-Spuren hinterlassen.

Lünen

, 30.04.2019, 15:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der Gullydeckel-Attacke auf eine Regionalbahn bei Bad Berleburg laufen die Ermittlungen gegen den unter Tatverdacht stehenden Lüner Lokführer (49) auf Hochtouren. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Siegen am Dienstag (30.) auf Anfrage unserer Redaktion sagte, werde gegen den Mann wegen Diebstahls (Gullydeckel, Anm. d. Red.), Vortäuschen einer Straftat, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Schienenverkehr ermittelt. Zu einem möglichen Strafmaß machte der Sprecher keine Angaben. Vielmehr stellte er klar, dass es sich um Ermittlungen wegen eines Verdachts handele.

Zeitung spricht von „150-Kilo-Koloss“

Nach Informationen der Bild-Zeitung vom vergangenen Wochenende hält sich der 49-Jährige an seinem Hauptwohnsitz in Lünen auf. Seinen Zweitwohnsitz in Erndtebrück soll der „150-Kilo-Koloss“ mittlerweile aufgeben haben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Nachbarn weiter. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft machte dazu keine Angaben. Der Tatverdächtige könne sich unabhängig von den Ermittlungen frei bewegen, sagte der Sprecher: „Es gibt keine Auflagen.“

Wie von unserer Redaktion berichtet, war am Samstag (23. April) gegen 6.25 Uhr ein Zug der Hessischen Landesbahn auf der Strecke im Wittgensteiner Land gegen zwei Gullydeckel gefahren, die an Seilen von einer Brücke über den Schienen hingen. Der Lokführer hatte auf dieser Strecke den ersten Zug des Tages gesteuert - als unbesetzte Leerfahrt auf dem Weg vom nächtlichen Abstellplatz in Erndtebrück zum Startbahnhof Bad Berleburg.

DNA-Spuren am Tatort

Die Spurenlage deute darauf hin, dass der Mann die beiden massiven Gullydeckel an Seilen und Ketten befestigt und Richtung Gleise hinabgelassen haben könnte, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft am vergangenen Donnerstag (25.) im Gespräch mit unserer Redaktion. Mindestens einer davon durchschlug die Windschutzscheibe. „Am Tatort haben wir DNA-Spuren gefunden“, sagte der Sprecher weiter.

Beschuldigter außer Dienst

Am Mittwoch (24. April) war der Lüner vorläufig festgenommen worden. Am Donnerstag (25.) wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt, weil keine Haftgründe wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr vorgelegen haben. Vor dem Haftrichter hatte er die Tat bestritten. Ermittler hatten am Tag zuvor die Wohnungen des Lokführers in Lünen und Erndtebrück durchsucht. Zu möglichen Funden machte die Staatsanwaltschaft vergangene Woche keine Angaben.

Ob der Tatverdächtige in den vergangenen Tagen erneut vernommen wurde und die Tat weiterhin bestreitet, dazu sagte die Staatsanwaltschaft am Dienstag (30.) nichts. Zu einem möglichen Tatmotiv hieß es nur: „Da tappen wir noch im Dunkeln.“ Nach Angaben einer HLB-Sprecherin ist der Lokführer außer Dienst.

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