Fahrlehrer Torsten Welskopf übt mit Fahrschüler Dennis Fähnrich das Fahren mit dem großen Lkw. © Günther Goldstein
Lkw-Ausbildung

Nachwuchs gesucht: Fahrschule in Lünen kennt Gründe für Fahrermangel

Lkw-Fahrer fehlen überall. Die Fahrschule Europa in Lünen bildet regelmäßig Fahrer aus. Fahrlehrer und -schüler erklären, welche Gründe das hat und was sie an den großen Autos fasziniert.

Von hier oben hat man einen guten Überblick. Vier Meter ist der Lkw hoch, in dem Torsten Welskopf regelmäßig neue Fahrer ausbildet. Der 47-Jährige ist in der Fahrschule Europa für den praktischen Teil der Ausbildung in den Führerscheinklassen C und CE verantwortlich. Lkw-Fahrer sind im Moment nicht nur in Großbritannien gesucht, es fehlt vor allem geeignetes junges Personal.

Sein heutiger Fahrschüler kennt das aus dem eigenen Unternehmen. Dennis Fähnrich hat mit 21 Jahren das erforderliche Mindestalter für die sechsmonatige Ausbildung erreicht und absolviert heute seine achte Doppelstunde. Das Familienunternehmen Taxi Fähnrich sucht regelmäßig Lkw-Fahrer. „Die Kommunikation mit Torsten und Önder Aytekin (Inhaber der Fahrschule) ist sehr gut“, lobt er. Er selbst beschreibt die Fahrt in dem 530 PS starken und mit Anhänger 24 Tonnen schweren Gefährt als „entspannend und befreiend, mal so viel Leistung unter dem Hintern zu haben.“ Unzählige Optionen bietet das Menü für den Fahrer, wichtige Aspekte sind vorausschauendes Fahren und der Abbiegeassistent.

Kosten für Lkw-Führerschein sehr hoch

Eines will Fahrlehrer Torsten Welskopf deutlich machen: „Viele denken, die Lkw-Ausbildung sei einfacher, da sage ich ganz klar: nein.“ 25 Schüler betreut er derzeit in den praktischen Fahrstunden und will sie bestmöglich auf den Berufsalltag vorbereiten. Denn rund 95 Prozent der Schüler kommen aus dem Jobcenter, die IHK subventioniert die Ausbildung in den Lkw-Führerscheinklassen. Selbstzahler können sich die Gesamtkosten von 4500 bis 6000 Euro kaum leisten. „Eigentlich müsste die Ausbildung für Lkws und Busse finanziell noch mehr gefördert werden“, findet der langjährige Ausbilder. Die Anwärter müssten derweil sehr lange, bis zu vier Jahre, warten, bis die Unterstützung bewilligt wird. So sei es nicht verwunderlich, dass es an Nachwuchs fehle.

Önder Aytekin (2.v.r.) bietet gemeinsam mit seinen Fahrlehrern Ausbildung für Lkws und auch für Busse an.
Önder Aytekin (2.v.r.) bietet gemeinsam mit seinen Fahrlehrern Ausbildung für Lkws und auch für Busse an. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Um die Schüler nach bestandener Führerscheinprüfung in den Beruf zu verabschieden, arbeitet die Fahrschule Europa mit rund 70 Speditionen zusammen. Inhaber Önder Aytekin berichtet: „Jede Spedition fragt einmal pro Woche an, ob wir ausgebildete Kraftfahrer haben.“ Die Fahrschule helfe ihren Schülern dabei, passende Speditionen zu finden, und halte auch nach Abschluss der Ausbildung weiter Kontakt, um zu erfahren, wie es den neuen Lkw-Fahrern in ihren Betrieben ergeht. „Es ist uns wichtig, die ausgebildeten Fahrer an einen Betrieb mit guten Arbeitsbedingungen zu vermitteln. In vielen Betrieben werden Fahrer ausgebeutet“, betont Önder Aytekin.

Umfangreiche Theorieausbildung nötig

Ein Kinderspiel ist die Ausbildung in den gewaltigen Fahrzeugen bei weitem nicht. 40 bis 60 praktische Fahrstunden müssen die jungen Erwachsenen vor der Prüfung machen. Dazu kommt die umfangreiche theoretische Ausbildung durch Fahrlehrer Enno Liehr. „Zu den Verkehrsregeln, die auch in der Pkw-Ausbildung Thema sind, kommen Aspekte wie Gefahrgutsicherung, die unterschiedlichen Maße und Gewichte oder auch die Lenk- und Ruhezeiten“, erläutert dieser.

Bei der Lkw-Ausbildung gibt es einiges zu beachten.
Bei der Lkw-Ausbildung gibt es einiges zu beachten. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Durch die zunehmende Zahl der Onlinekäufe werde die Arbeit in der Logistikbranche eigentlich immer interessanter, sagt Dennis Fähnrich. Aber aufgrund der aktuellen Lage würden viele Unternehmen über Subunternehmen aus dem Ausland Fahrer einstellen, die nicht immer die gleiche Qualität haben. In dem Familienunternehmen kommen viele Fahrer demnächst ins Rentenalter, junge Nachfolger rücken nur bedingt nach.

„Man muss es wirklich lieben, auf dem Bock zu sitzen“, beschreibt Torsten Welskopf die Grundvoraussetzung für Lkw-Fahrer. Der Anteil weiblicher Fahrerinnen sei weiter sehr gering. „Dabei kommt es nicht auf Kraft an, sondern auf den Kopf“, betont Önder Aytekin. Torsten Welskopf bestätigt, dass Lkw-Fahrerinnen eher überdurchschnittlich abschneiden, „die machen einigen Männern noch was vor.“

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Bastian Becker

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