Neonazis provozieren an Lüner Flüchtlingsunterkunft

An der Merschstraße

Die einst deutschlandweit positive Stimmung in der Flüchtlingsthematik scheint derzeit zu kippen - nicht nur befeuert durch die Vorfälle in der Kölner Silvesternacht. Auch in Lünen scheint es diese Tendenzen zu geben. An einer Unterkunft an der Merschstraße kommt es noch vor dem Bezug durch Flüchtlinge schon zu Konflikten.

LÜNEN

, 21.01.2016, 05:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um der steigenden Flüchtlingszahlen irgendwie Herr zu werden, hat die Stadt Lünen in Windeseile aus dem alten Aldi-Gebäude an der Merschstraße eine Flüchtlingsunterkunft gebaut. Bis zu 70 Menschen sollen dort für drei Monate untergebracht werden, doch schon während den Umbauarbeiten kommt es zu ersten Konflikten.

Derjenige, der damit seit Beginn und Veröffentlichung der Planungen täglich zu kämpfen hat, ist Dave Martin. Martin gehört die Firma D. A. Martin Security aus Ascheberg, die vom Bauverein zu Lünen angestellt ist, das Grundstück zu bewachen. Er und ein weiterer Angestellter teilen sich die 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche vorne an der Schranke auf. Zur Unterstützung haben sie zwei Wachhunde dabei, Holly und Amrock.

Wen die "Neonazis" aufhetzen:

Mehrmals am Tag erhalten sie provozierende Besuche, „von Neonazis und Obdachlosen“, wie Martin erzählt, „die Wohnungslosen werden aufgehetzt mit Sprüchen wie ‚guck mal, die Flüchtlinge bekommen alles und ihr nicht‘“.

Gerade als er das weiter ausführen möchte, nähert sich eine Fünfer-Gruppe dem Grundstück, einer von ihnen groß und mit Glatze. „Sie wollen nur provozieren“ erklärt Martin. Dann verschwinden sie kurz in dem anliegenden Supermarkt Kaufland, und kommen mit frisch erworbenem Alkohol wieder raus.

„Ich habe hier in dem ganzen Komplex Hausrecht, auch auf der anderen Straßenseite, denn auch dort rotten sie sich häufig zusammen und trinken“, sagt Martin. Wenn er mit seinem Hund dann auf die Gruppe zugeht und vernünftig mit ihnen redet, gehen sie dann meistens, „zumindest bis jetzt“. Sonst bleibt auch nur ihm übrig, die Polizei zu rufen. „Klar muss man sich dann doofe Sprüche anhören, zu Handgreiflichkeiten ist es aber noch nicht gekommen“, sagt Martin.

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Vor allem seit der Demo am 16. Januar habe sich die Anzahl der „Besuche“ erhöht, wie er sagt. „Man merkt, sie rekrutieren andere und hetzen die auf“, erklärt er. Neuerdings beziehen sie Stellung neben dem Gelände, direkt hinter dem kleinen und schmalen Holzzaun. Denn dort befinden sie sich in einem Naturschutzgebiet, das Hausrecht des Bauvereins gilt dort nicht.

Wie es nach Ende der Bauarbeiten weitergeht:

Wie es in der Merschstraße weitergehen soll, wenn die Stadt die Unterkunft, die ausschließlich von alleinreisenden Männer bewohnt wird, in Betrieb nimmt, ist derzeit offen. Martin und seine Firma werden dann wahrscheinlich nicht mehr da sein, da sie für den Bauverein arbeiten. Nach Inbetriebnahme ist die Stadt verantwortlich.

„Ob es hier einen Sicherheitsdienst gibt, ist noch nicht geklärt“, erklärte Ludger Trepper, Fachdezernent für Jugend, Bürgerservice und Soziales auf Anfrage. Der Bauverein hat der Stadt Lünen nach Aussage von Vorstandsmitglied Andreas Zaremba dazu geraten, einen Sicherheitsdienst einzusetzen. Martin hat dazu eine klare Meinung: „Klar, ich will auch Geld verdienen, aber ein Sicherheitsdienst ist hier schon nicht unberechtigt, der wäre ganz gut.“

Über einen Sicherheitsdienst würde sich auch Carlos Couto, Inhaber des gleichnamigen Restaurants gleich gegenüber an der Merschstraße, freuen. Er als Arbeitgeber habe schon Angst, wenn die Flüchtlinge gegenüber einziehen, vor allem weil dort ja vor allem junge Männer kommen sollten.

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