Netto-Kasse statt Rock am Ring: Event-Branche leidet unter Corona-Krise

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Von 100 auf 0 ging es für die Event-Branche in der Corona-Krise in diesem Frühjahr. Christopher Lonzynski aus Lünen hat es besonders schwer getroffen. Er räumt jetzt Regale bei Netto ein.

Lünen

, 23.06.2020, 20:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tausende Unternehmen aus der Event-Branche haben am Montag in der sogenannten „Night of Light“ bekannte Gebäude rot angestrahlt. Sie machen auf die existenzielle Bedrohung aufmerksam, die die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen für sie ausmachen.

Eigentlich war das Unternehmen erfolgreich

Einer davon war Christopher Lonzynski, Inhaber der Lüner Frima L+C Veranstaltungstechnik. Sein Beleuchtungs-Objekt ist eines der Lüner Wahrzeichen: Das Colani-Ufo am Lüntec in Brambauer. Lonzynski hat es besonders hart getroffen. Um die schwierige Zeit zu überstehen, hat er mittlerweile einen Nebenjob angenommen: Er arbeitet bei Netto an der Kasse und räumt dort auch Regale ein.

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Night of Light in Lünen

Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.
23.06.2020
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Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel
Um auf die prekäre Situation in der Eventbranche aufmerksam zu machen, wurden die alte Westfalia-Kantine und das Ufo in Brambauer am Montag (22.6.) rot erleuchtet.© Jura Weitzel

Dabei war sein Unternehmen erfolgreich, eigentlich wäre er momentan beim Riesen-Rock-Festival Rock am Ring aktiv, als Bereichsleiter ist er dort für die Sicherheit zuständig, organisiert Eingänge und Auslässe für Besucher und Crew, rund 36 Kilometer Zaun wollte er setzen lassen. Das Festival ist natürlich abgesagt.

Hilfen, sagt er, kommen bei vielen gar nicht an, alles dauere zu lang: „Ich weiß nicht, wie ich meine monatlichen Betriebskosten von 2800 Euro, die zum Teil schon gestundet wurden, aufbringen soll“, sagt er. Weil das Unternehmen gut lief, hatte er Rücklagen gebildet. Die jedoch sind als Eigenanteil vergangenes Jahr in ein Haus geflossen.

9000 Unternehmen haben sich beteiligt

Statt Grundsicherung zu beantragen, hat er dann den Nebenjob bei Netto angetreten. Auch ein Vorteil: Er musste sich nicht weiter teuer privat versichern, sondern konnte zur Gesetzlichen wechseln. Das spart Geld. Lonzynski hofft auf schnellere finanzielle Unterstützung und hat deswegen bei der „Night of Light“ mitgemacht.

Rund 9000 Unternehmen hätten sich am Montagabend daran beteiligt, berichtet Ingo Kaiser vom Event-Unternehmen „Late night concepts“. Die Krise zeige sich auch bei seinem Unternehmen. Seit Ende Februar, sagt Kaiser, habe es keinen einzigen richtigen Auftrag mehr gegeben, seine Mitarbeiter hätten nur noch Kleinigkeiten machen können.

Die alte Westfalia-Kantine erstrahlte auch in hellem Rot.

Die alte Westfalia-Kantine erstrahlte auch in hellem Rot. © Jura Weitzel

Late Night Concepts kommt aus Werne und baut gerade neben der alten Westfalia-Kantine in Lünen neu. Das Unternehmen ist bei Messen, Tagungen Kongressen und Co. für die technische und bauliche Umsetzung zuständig. „Betroffen sind aber nicht nur Unternehmen wie wir, auch Caterer, Künstler und Locations. Für alle ist das krass.“ Jetzt, sagt Kaiser, müsse etwas passieren.

Unter anderem deshalb war gestern die alte Westfalia-Kantine, die Kaiser aufwendig renovieren und umnutzen will, rot erleuchtet. „Wir wollen Reichweite erzielen, Aufmerksamkeit bekommen, damit die Politik aufmerksamer wird.“

Die Organisatoren der Night of Light sagen, dass in der Corona-Krise „ein Milliardenmarkt und Hunderttausende Arbeitsplätze bedroht“ seien. Die Veranstaltungswirtschaft werde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein, sagten die Initiatoren gegenüber tagesschau online.
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