Netto-Räuber: Geständnisse zu Prozessauftakt

Überfall in Lünen

Mit Geständnissen hat am Montag in Köln der Prozess gegen die zwei mutmaßlichen „Netto-Räuber“ begonnen. Den 38 und 39 Jahre alten Männern wirft die Staatsanwaltschaft 34 Überfälle auf Supermarkt-Filialen in ganz Deutschland vor, darunter auch ein Überfall in Lünen.

LÜNEN/KÖLN

von dpa

, 05.03.2012, 14:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Netto-Räuber: Geständnisse zu Prozessauftakt

Die Räuber hatten sich als Revisor ausgegeben. Foto: Federico Gambarini/Archiv

Insgesamt soll das Duo von November 2005 bis Ende Mai 2011 rund 750 000 Euro erbeutet haben. Vor dem Landgericht gaben sich beide Angeklagte geläutert und reumütig. Nur bei drei von 34 Überfällen blieb es nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei einem Versuch. Bei allen übrigen Taten sollen die Männer meistens mit den gesamten Tageseinnahmen der Filialen entkommen sein. Laut Staatsanwaltschaft erfolgten die Überfälle zum größten Teil nach der gleichen Masche. Der mutmaßliche Haupttäter (38) gab sich dabei in den Discounter-Filialen als Kontrolleur der Geschäftsleitung - Revisor - aus. Oft trug er ein Netto-T-Shirt oder ein Namensschild für Angestellte der Firma. Ohne Verdacht zu schöpfen, gewährten ihm Angestellte Zugang zu den jeweiligen Marktleiterbüros. Dort zog der Räuber dann eine Waffe und erzwang von den Angestellten, die er teilweise mit Kabelbindern fesselte, die Herausgabe der Beute. Der mitangeklagte 39-Jährige, ein Netto-Gebietsleiter, soll seinen Schulfreund mit Insiderwissen versorgt haben. Er soll bei den meisten Überfällen Schmiere gestanden haben und auch Fahrer der angemieteten Fluchtfahrzeuge gewesen sein. Die beiden Männer kannten sich schon aus der Jugendzeit. Die Täter waren nach intensiven Ermittlungen der Polizei - unter anderem durch Handy-Lokalisationen - im Sommer 2011 ins Netz gegangen. Auch in der TV-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ war nach ihnen gefahndet worden. Bei den Taten sollen Angestellte vielfach erheblich traumatisiert worden sein. Fünf von ihnen fordern deshalb als Nebenkläger Schmerzensgelder von mindestens je 2000 Euro, in einem Fall auch 4000 Euro.

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