Tempo 30 gilt ab Montag (4.10.) auf sechs neuen Straßenabschnitten in Lünen. Der Grund ist Lärmschutz. © picture alliance/dpa
Verkehr

Neue Bürgerinitiative kämpft nicht nur gegen Tempo 30 in Lünen

„Pro Verkehrsfluss Lünen“ ist eine neue Bürgerinitiative, die aus einer Facebook-Gruppe entstand. Auslöser sind die neuen Tempo 30-Schilder in Lünen, aber es gibt noch einige weitere Themen.

Die Diskussion über die zahlreichen Tempo-30-Schilder in Lünen, die aus Lärmschutzgründen aufgestellt wurden, will nicht verstummen. Eines der intensivsten Foren für einen Meinungsaustausch hat sich auf Facebook gebildet. In der öffentlichen Gruppe, zunächst unter dem Namen „Mobilität in Lünen“, haben sich 212 Mitglieder versammelt. Doch die Kritiker der Verkehrsmaßnahmen in Lünen wollen nicht nur im digitalen Raum ihre Meinung vertreten. Sie haben jetzt die Bürgerinitiative „Pro Verkehrsfluss Lünen“ ins Leben gerufen und wollen Stadtverwaltung und Stadtrat zum Umdenken bewegen.

Projektgruppen zu Tempo 30 und Busverbindungen

Einer der Hauptinitiatoren ist Sascha Gottwald, im vergangenen Jahr Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler. „Wir wollen, dass noch ein bisschen Druck aufgebaut wird. Die Politik soll merken, dass sich die Bürger nicht alles gefallen lassen“, nennt er Ziele der neu gegründeten Bewegung. Die Pressekonferenz der Stadt am vergangenen Freitag zeige, dass der Unmut der Bürger erkannt wurde.

Bei „Pro Verkehrsfluss Lünen“ organisieren sich die Mitglieder in Projektgruppen, um sich gezielt mit Themen auseinandersetzen zu können. Denn nicht allein die neuen Tempo-30-Zonen ärgern die Aktivisten. Auch die Situation auf der Achenbachstraße in Brambauer oder die Busverbindungen will die Bürgerinitiative besprechen. „Von Horstmar in die Innenstadt brauchen Buslinien teilweise 30, 35 Minuten“, sagt Sascha Gottwald und schüttelt den Kopf.

Stellen für neue Schilder schwierig nachzuvollziehen

„Schon seit Jahren stockt es im Lüner Verkehrsnetz an allen Ecken und Enden“, schreibt die Bürgerinitiative in einer Pressemitteilung. „Anstatt den Verkehr flüssiger, und damit umweltfreundlicher, zu machen“, schränke die Stadt mit den neuen Tempo-30-Bereichen neben den Autofahrern auch ansässige Gewerbebetriebe und den öffentlichen Nahverkehr ein. „Durch die aktuellen Maßnahmen sind jetzt alle mehr oder weniger betroffen. Viele haben erkannt, dass man etwas tun muss“, glaubt Sascha Gottwald. Er betont, dass die Bürgerinitiative keineswegs generell gegen Geschwindigkeitsbeschränkungen und 30er-Zonen sei.

Allerdings seien die von der Stadt gewählten Stellen nicht unbedingt nachzuvollziehen. „Warum nimmt man ausgerechnet die Bebelstraße? Die Preußenstraße ist zum Beispiel noch enger gebaut. Auf der Jägerstraße fahren außerdem mehrere Buslinien, die sich anpassen müssen“, zählt der Lüner auf. Außerdem sei nicht transparent, wie die Stadt zu den Werten komme, auf deren Grundlage Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden. Die Bürgerinitiative hofft auf weiteren Zulauf, auch von Personen, die nicht bei Facebook oder überhaupt im Internet aktiv sind.

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Bastian Becker