Neue Notfallpraxis: Patienten-Verteilung ist schwierig

Erste Bilanz

Ist der Patient nun schwer krank und braucht einen Notarzt oder genügt die ärztliche Bereitschaftspraxis? Diese Frage stellt sich die Lüner Notfallpraxis bei jedem Patienten. Die Entscheidung ist nicht immer einfach, gegebenenfalls muss überarbeitet werden, wie die Patienten verteilt werden.

LÜNEN

, 05.03.2016, 05:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Neue Notfallpraxis: Patienten-Verteilung ist schwierig

Dr. Michael Funke und Arzthelferin Gisela Bänsch vor der Tür zur Notdienstpraxis.

Mit Luftnot und Schmerzen meldete sich ein junger Mann aus Nordkirchen am Dienstagabend in der gemeinsamen Anmeldung von Notaufnahme des Klinikums und der ärztlichen Bereitschaftspraxis. Was er erlebte zeigt, dass es für die Mitarbeiter dort nicht immer eindeutig ist, ob der Patient schwerer oder leichter erkrankt ist.

Der junge Mann wurde an die seit einem Monat unter dem Dach des Krankenhauses arbeitenden Notdienstpraxis der niedergelassenen Ärzte verwiesen – und landete nach 45 Minuten Wartezeit dann doch nebenan in der Notaufnahme des Krankenhauses. Er blieb stationär.

Warum nicht gleich, wunderte sich seine Begleiterin im Gespräch mit dieser Zeitung, „das Warten dort hätten wir uns sparen können.“

Wo Optimierungsbedarf besteht:

Dass die Feinabstimmung der Patientenzuweisung optimiert werden muss, sagt auch Dr. Michael Funke, Notdienstbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Er hat die Beschwerde eines Kollegen in einem ähnlichen Fall auf dem Tisch: „Man muss sich noch einmal zusammensetzen, um zu klären, welcher Patient wohin geht.“

Der ersten Eindruck insgesamt:

Insgesamt fällt seine Bilanz nach vier Wochen am neuen Standort aber positiv aus: „Es läuft gut an.“ In der Woche hätten sich die Patientenzahlen im Vergleich zu der Zeit an der Von-Wieck-Straße verdreifacht, von null bis drei auf zehn bis zwölf. Am Wochenende würden statt 35 bis 50 jetzt 70 bis 80 am Tag behandelt. Eine „Entlastung“ gerade am Wochenende mit knapperer Personal-Besetzung bestätigt Dr. Arne Krüger, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme des Klinikums Lünen.

„Wir werden nicht mehr so an die Wand gespielt wie vor einem Jahr.“ In der Woche allerdings wäre der Patienten-Rückgang durch die Unterstützung der Kollegen kaum spürbar. Dass noch an Feinheiten gearbeitet werden müsse, sagt auch Krüger.

Patienten kommen mit den Wartezeiten gut klar

Eine 24-jährige Frau aus Bergkamen wartete am Dienstagabend zum ersten Mal vor der Notfallpraxis. Sonst sei sie immer direkt in die Krankenhausnotaufnahme gegangen. Nach 40 Minuten wird sie behandelt.

Die Wartezeit findet sie „human“. „Dann weiß ich, dass sich der Arzt auch für mich Zeit nimmt.“ Ein 24-jähriger Lüner wird nach 30 Minuten in die Praxis gerufen. Das sei ok, meint er.

40.000 Patienten im Jahr- Rückgang auf 38.000 erhofft

40 000 Patienten durchlaufen jährlich die Zentrale Aufnahme des Krankenhauses, ein Rückgang auf 38 000 durch die Mithilfe der niedergelassenen Kollegen „wäre schon ein Erfolg“, so Krüger.

Funke interessiert dabei, ob sich die Klientel künftig verändert: „Vielleicht warten ja Patienten lieber bis zum nächsten Tag und gehen dann zum Hausarzt, weil es das komplette Diagnostik-Paket für Bagatell-Fälle im Krankenhaus jetzt nicht mehr gibt.“ 

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Gefährliche Raffinerie-Rückstände
Ex-Mitarbeiter der Steag: Petrolkoks war „nie ein großes Thema“ - keine Gefahr für Lünen?