Neue Pläne für Bebauung des Lüner Preußenhafens

"Wohnen am Wasser"

Alle Ideen für "Wohnen am Wasser" am Preußenhafen Lünen sind bisher gescheitert. Jetzt will Grundstückseigentümer RWE einen neuen Anlauf nehmen - und in neue Dimensionen vorstoßen. Nicht zuletzt Grachten sollen das Areal in Lünen-Süd aufwerten. RWE drückt aufs Tempo - doch es gibt auch Kritik.

LÜNEN-SÜD

, 03.06.2016 / Lesedauer: 3 min
Neue Pläne für Bebauung des Lüner Preußenhafens

Ob alter Kutter oder schicke Yacht - am Preußenhafen herrschte am Wochenende eine maritime Atmosphäre.

Franz-Josef Drabig, Leiter der Abteilung Konzernimmobilien, präsentierte am Donnerstagabend einen ersten Entwurf der Dortmunder Architekten Norbert Post und Hartmut Welters für die Bebauung der circa 50.000 Quadratmeter großen Brachfläche mit Mehr- und Einfamilienhäusern.

Die Besonderheiten: Wasser soll es nicht nur im nahen Preußenhafen geben, sondern auch in zwei geplanten Grachten mit flankierender Bebauung. Autos sollen in Tiefgaragen verschwinden, die künftigen Bewohner viel Freiraum genießen können. Etwa in Höhe des heutigen Anlegeplatzes der Santa Monika ist an der Uferpromenade Gastronomie vorgesehen, eventuell mit einem vorgelagerten Ponton, auf dem Gäste sitzen können.

Investitionen von bis zu 65 Millionen

"Wir wollen keine billige Reihenhausbebauung. Die Idee will bewusst provozieren in einem Gebiet, das nicht überall top ist", sagte Drabig. Für die verheißene Aufwertung von Lünen-Süd stellte er Investitionen "von 60 bis 65 Millionen Euro" in Aussicht. "Wir sind sicher, Bauträger zu finden", betonte er. Zur Zahl der Wohneinheiten und zur Aufteilung in Miet- und Eigentumsobjekte sagte er nichts, zu Verkaufspreisen auch nicht. Sie werden wohl hoch sein für Lüner Verhältnisse.

So sieht der erste Entwurf aus:

Was dem seit vielen Jahren durch die politische Debatte wabernden Projekt "Wohnen am Wasser" im Preußenhafen bisher entgegenstand, war auch die Hochspannungsleitung, die quer über die Fläche läuft. RWE will sie über das Hafenbecken verlegen lassen, steht dazu in Verhandlungen mit Netzbetreiber Westnetz.

Bisher sei man bei den Preisvorstellungen noch weit auseinander. Westnetz fordere 2,4 Millionen Euro für die Verlegung. "Unter einer Trasse zu bauen ist ein No-Go, es ist ein emotionales Thema", meinte Drabig.

RWE-Manager erwartet nun Tempo

Er sieht jetzt die Lüner Politik gefordert, einen Bebauungsplan für das Projekt auf den Weg zu bringen. Schon "in den nächsten Wochen" werde man eine Bauvoranfrage stellen für drei Mehrfamilienhäuser entlang der Bebelstraße, die außerhalb eines B-Plans genehmigt werden könnten.

Der RWE-Manager ließ keinen Zweifel daran, was er von Politik und Verwaltung erwartet: Tempo. Wörtlich sagte er: "Dass Hürden aufgelegt werden, ist in Lünen eine Krankheit, zumindest in der Planungsverwaltung." Dem Beigeordneten Matthias Buckesfeld bescheinigte er hingegen "einen fairen Umgang mit Investoren".

Kleine-Frauns: "Von Anfang an fasziniert"

Er sei "von Anfang an fasziniert gewesen" vom Projekt, erklärte Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns bei der Information in den Räumen des Bauvereins. Es sei auch eine Chance, "zusätzliche Kaufkraft nach Lünen-Süd zu bekommen". Auch mehrere andere Stimmen aus Politik und Bürgerschaft waren in ihrer Ersteinschätzung positiv.

Der Lüner Architekt Peter Freudenthal bezweifelte allerdings die Wirtschaftlichkeit. Drabig meinte dazu, der Konzern RWE habe Mittel für die Sanierung von ehemaligen Industrieflächen zurück gestellt. Martin Weiberg (SPD) mahnte ein Verkehrskonzept für die Bebelstraße an, auf die noch mehr Verkehr zukomme, sollte das Projekt realisiert werden.

Kritik an der Kommunikation

Heftige Kritik an der Kommunikation übte Gerd Püschel aus Lünen-Süd. Er erinnerte daran, dass im Stadtentwicklungskonzept für den Stadtteil der Preußenhafen als Ort für Freizeit und Erholung vorgesehen sei. Dass Bürgermeister und Eigentümer die neuen Pläne angekündigt hätten, "ohne sich mit den Lünen-Südern überhaupt mal unterhalten zu haben, ist eine Katastrophe."

Ein Wohnmobilstellplatz, wie er geplant war, um den Preußenhafen noch attraktiver als Freizeitstätte zu machen, kommt aus Sicht von RWE nicht in Frage. "Wir werden keine Nutzung akzeptieren, die hochwertiges Wohnen stört, zum Beispiel Wohnmobile, die durch das Gebiet fahren und Party machen", sagte RWE-Manager Drabig.

Der Wasserwanderrastplatz Preußenhafen mit seinen Bootsliegeplätzen stellt aus Sicht von Drabig eine Belebung dar, keine Störung. Die Boote kämen ja im Gegensatz zu den Wohnmobilen übers Wasser.

 

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