Neuer Bronze-Kopf für Freiherr-von-Stein Denkmal?

Schloss Cappenberg

Viele Jahre lang blickte er ins Grün der Bäume um sich: der Bronzekopf am Freiherr-vom-Stein-Denkmal an der Zufahrt zum Schloss Cappenberg. Er wurde 2013 gestohlen. Bis heute, zwei Jahre später, ist er nicht wieder aufgetaucht. Die Stele, an der er hing, ist leer. Aber vielleicht nicht mehr allzu lange.

CAPPENBERG

von Canan Kizilgöz

, 18.04.2015, 07:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Diebstahl ist bei der Polizei längst zu den Akten gelegt, sagt ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Es habe keine hinreichenden Beweise gegeben – dann ist das nach einer gewissen Zeit ein normaler Verwaltungsvorgang.

Durch weitere Recherchen unserer Redaktion kommt jetzt jedoch woanders ein Stein ins Rollen: Der Heimatverein Cappenberg möchte das Projekt "auf jeden Fall wieder aufnehmen", sagt der Vorsitzende Heino Janssen. "Im Sommer greifen wir das wieder auf. Das Problem ist, den Künstler zu finden", sagt er. Denn die Gipsform für einen neuen Bronzekopf muss exakt dieselbe sein, die der slowenische Künstler Marko Pogacnik 1991 verwendet hatte – damit das Metall wieder in den dafür gefertigten Stein passt.

Sobald der Künstler gefunden sei, könne der Heimatverein sich Gedanken über die Finanzierung des neuen Kopfes machen. "Grob geschätzt brauchen wir 5000 bis 10.000 Euro", erklärt Janssen.

Der Freundeskreis für Brauchtumspflege im Heimatverein war einst Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre Initiator: Er hatte den Wunsch, Denkmäler aufzustellen, die an die Geschichte der Stadt erinnern. Der Freiherr vom Stein ist damit eng verknüpft: Gibt man "Freiherr vom Stein" bei Google ein, landet man mit dem ersten Treffer bei der Bürgerstiftung der Stadt Selm. Der Mann starb hier im Juni 1831. Vorher war er preußischer Beamter – und Staatsreformer in der napoleonischen Zeit. Er gilt als Verfechter der Bürgerbeteiligung und lebte zu seinem Lebensende mehrere Jahre auf Schloss Cappenberg.

Antrag bei der Nordrhein-Westfalen-Stiftung

Der Freundeskreis setzte die Pläne in die Tat um, reichte dafür einen Antrag bei der Nordrhein-Westfalen-Stiftung ein. Die Stiftung, zuständig für Natur-, Heimat- und Kulturschutz, förderte das Vorhaben für insgesamt 14 Denkmäler in der gesamten Stadt mit 90.000 D-Mark, umgerechnet etwa 45.000 Euro. Am 20. Juni 1992 wurde so das Freiherr-vom-Stein Denkmal eingeweiht.

Und nun? "Wir werden den neuen Bronzekopf im Heimatverein thematisieren und dann unter anderem versuchen, Spenden zu sammeln", sagt Heino Janssen. Da das Denkmal auf dem Grundstück des Grafen von Kanitz steht, werde man auch versuchen, ihn möglichst zu beteiligen.

Stadt beteiligt sich nicht

Und was sagt die Stadt Selm, die das Denkmal mit dem Bronzekopf als Cover-Foto genutzt hat? Schriftlich heißt es auf Anfrage, die Stadt könne sich "nicht an einer Neubeschaffung beteiligen". Sie würde es jedoch begrüßen, wenn ein neuer Kopf angeschafft würde, da Freiherr vom Stein "eine wichtige Persönlichkeit in der Geschichte Cappenbergs und damit der Stadt Selm gewesen ist". Die neue Auflage des Tourismusführers erhalte im Übrigen ein anderes Titelbild.

Was mit dem Kopf geschieht, liegt also in den Händen des Heimatvereins – und damit der Bürger. Ob Spaziergänger in den nächsten Jahren wieder dem Freiherrn ins Gesicht blicken können? Abwarten. 

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