Nichtwähler in Lünen: Desinteresse, Frustration - oder Unwissenheit?

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Die Kommunalwahl ist vorbei - und auch wenn einige Parteien und Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns sich über Mehrheiten freuen: Die Mehrheit der Lünerinnern und Lüner hat sie nicht gewählt.

Lünen

, 28.09.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht mal ein Drittel der stimmberechtigten Wählerinnern und Wähler hat vom Wahlrecht Gebrauch gemacht: 20.321 abgegebene Stimmen bedeuteten in Lünen ein Wahlbeteiligung von knapp mehr als 30 Prozent. Überraschend kam das nicht: Stichwahlen sind erfahrungsgemäß weniger beliebt als der Hauptwahlgang. So war es auch vor fünf Jahren, als knapp 32 Prozent der Wählerinnen und Wähler ihre Stimme abgaben - nachdem im ersten Wahlgang kaum mehr als 33 Prozent zur Urne gegangen waren.

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Nun also knapp 30 Prozent, nachdem es zwei Wochen zuvor kaum mehr als 40 Prozent gewesen waren. Besonders unmotiviert zeigten sich die Wähler im Bezirk 610 (Bürgerzentrum Gahmen): Gerade mal 18,5 Prozent bedeuten den schlechtesten Wert. Das „beste“ Resultat erreichte das Wahllokal des SV Lünen am Cappenberger See mit 45,6 Prozent. Die beiden Kandidaten waren naturgemäß vor ihren Haustüren erfolgreich: Jürgen Kleine-Frauns konnte im Bezirk 622 (Viktoriaschule) mit 56 Prozent den höchsten Wert erzielen, Rainer Schmeltzer gelang das gleiche in Niederaden (Bezirk 606) mit 62,7 Prozent.

Nicht mal ein Fünftel stützt den Bürgermeister

Würde man die Gesamtheit der Wahlberechtigten - also 66,247 in ganz Lünen - als Grundlage nehmen, käme Wahlsieger Jürgen Kleine-Frauns mit 10.282 Stimmen auf einen Anteil von 15,5 Prozent. Sein Kontrahent Rainer Schmeltzer landet mit 9824 Stimmen bei 14,8 Prozent. Selbst Kleine-Frauns hätte also nicht einmal ein Sechstel der Wahlberechtigten hinter sich.

Warum also lässt die große Mehrheit der Lünerinnen und Lüner diese Chance auf Mitbestimmung einfach so verstreichen? Annette Droege-Middel hat eine Theorie: „Es war für uns schon erschreckend, was wir an den Wahlkampfständen erlebt haben. Viele Menschen wussten nicht einmal, dass es eine Stichwahl gibt.“ Dabei, so die stellvertretende Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, hätten viele auf mangelnde Informationen hingewiesen. „Es ist aber schließlich auch so, dass man sich manche Informationen auch mal selbst holen muss.“

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Unwissenheit, Faulheit, Desinteresse, Frustration - die Gründe für eine Wahlverweigerung sind sicher vielfältig. Ein Lüner Leser meldete sich auf einen Newsletter unserer Redaktion, in dem wir ähnliche Fragen nach den Ursachen der schwachen Wahlbeteiligung gestellt hatten. „Ich bin vor 5 Wochen von meiner Wohnung in Lünen weggefahren und war die ganze Zeit ortsabwesend. Ich habe vorher lange gewartet, daß die Stadt endlich die Wahlbenachrichtigungen sendet, damit ich Briefwahl beantragen kann.“

Die Unterlagen seien jedoch nicht rechtzeitig gekommen, weshalb er am Vortag der Wahl zurück nach Lünen reisen wollte. Dies habe aufgrund verschiedener Probleme mit der Bahn nicht geklappt. „Wenn die Wahl eine Woche später stattfgefunden hätte, wäre ich hingegangen.“ Immerhin: Bei der Stichwahl nutzte der Lüner, der anonym bleiben möchte, seine Chance und machte sein Kreuzchen. „Mit dem Wahlsieger bin ich aufgrund der früheren Knöllchen-Affäre unzufrieden. Mich störte, dass man den Whistleblower politisch nicht offen gewürdigt oder geehrt, sondern juristisch verfolgt hat.“

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Zwei Wahrheiten für Lünen

Nun gibt es in Lünen also zwei Wahrheiten: Einmal ist die SPD stärkste Kraft im neuen Lüner Stadtrat und könnte dank einer Koalition mit der CDU die Politik Lünens in den kommenden fünf Jahren maßgeblich mitbestimmen, wenn sie mit dem Wahlsieger Jürgen Kleine-Frauns zurecht kommt. Dann aber haben SPD und CDU bei der Kommunalwahl die größten Verluste in Lünen hinnehmen müssen und sehen sich nun einem Bürgermeister gegenüber, der die Stichwahl offenbar deshalb gewonnen hat, weil die meisten Wählerinnen und Wähler einfach zuhause blieben.

Welche Wahrheit am Ende auch zutreffend sein mag: Einfach wird es in keiner der beiden Varianten.

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