Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

rnStadtteil-Check

Klein, aber fein: So bewerten die Teilnehmer unseres Stadtteil-Checks ihr Niederaden - trotz fehlender Angebote für Jugendliche und Rasern auf der Niederadener Straße.

Niederaden

, 23.04.2019 / Lesedauer: 5 min

Veronique Michler (29), Sonja Klejniak (34) und Dunja Hoske (44) sind nicht nur gute Nachbarinnen, sie sind auch gute Freundinnen. Seit Jahren leben die drei Frauen mit ihren Ehemännern und den Kindern Tür an Tür, oder besser, Reihenhaus an Reihenaus, in Niederaden.

Veronique Michler und ihr Ehemann Sven (30) haben drei Kinder: Antonia (1), Ben (10) und Romy (7). Sonja Klejniaks Ehemann heißt Robert (36), die Tochter Marie-Jolie (11). Die Kinder von Dunja und Olaf Hoske (45) heißen Chiara (12) und Jannis (17). Den Familien geht es wie vielen Teilnehmern unseres Stadtteil-Checks: 9 von 10 Punkten für die Lebensqualität schaffen neben Niederaden nur noch Wethmar und Nordlünen. „Jeder kennt jeden, man passt aufeinander auf“, sagt Sonja Klejniak. Ihre Freundinnen stimmen ohne Wenn und Aber zu. Besonders schätzt das Trio, dass „die Kinder sich hier frei bewegen können. Die werden hier groß, wie wir früher groß geworden sind“, sagt Dunja Hoske.

Das wurde auch noch gut bewertet

Radfahren und Grünflächen: Zur hohen Lebensqualität dürften laut Umfrage wohl auch diese Kategorien beitragen. Hier erreicht das kleine Niederaden mit jeweils 9 Punkten Spitzenwerte. „Wer die Natur liebt, ist hier genau richtig, Rad fahren, Spazieren gehen, Joggen, all das lässt sich hier super machen“, sagt Veronique Michler, die wie ihre Nachbarinnen den „dörflichen Charakter“ Niederadens schätzt.

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

Von Niederaden aus kann man herrliche Spaziergänge machen. © Goldstein

Davon angetan ist auch Rainer Schmeltzer (58). Der SPD-Landtagsabgeordnete und ehemalige NRW-Arbeitsminister lebt seit 24 Jahren in Niederaden und freut sich schon auf das 25-Jährige im kommenden Jahr: „Dann darf ich mich einen echten Niederadener nennen“, haben ihm die Alteingesessenen gesagt. Die trifft Schmeltzer regelmäßig im ortsansässigen Schützenverein oder bei der Chorprobe des Männergesangverein (MGV) Germania Niederaden.

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

Daten und Fakten zu Niederaden © Grafik Niederaden

Sicherheit: Mit 8 von 10 Punkten kann sich das Ergebnis mehr als sehen lassen. „Das ist kein Thema, wie gesagt, hier passen die Menschen aufeinander auf“, sagt Dunja Hoske. Allerdings, räumt Veronique Michler ein, könnte der Weg zur Grundschule besser ausgeleuchtet sein: „Ein paar Laternen mehr würden nicht schaden.“

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

Der Lüner SPD-Landtagsabgeordnete und ehemalige NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer lebt seit 24 Jahren in Niederaden. Und daran solle sich auch nichts mehr ändern, wie er sagt. © Storks

Natürlich, sagt Rainer Schmeltzer, „gibt es hier auch mal einen Wohnungseinbruch, aber das führt nicht dazu, dass die Menschen sich hier unsicher fühlen. Wir haben eine sehr gute Nachbarschaft, besser geht es nicht“.

Kinderbetreuung: Auch hier erreicht Niederaden 8 Punkte. Es gibt einen Kindergarten und eine Grundschule. So gesehen ist das gar nicht so schlecht. Allerdings wissen die Familien Michler, Hoske und Klejniak aus eigener Erfahrung, dass es nicht so einfach ist, einen Platz im hiesigen evangelischen Kindergarten zu bekommen. „Da muss man schon flexibel sein und nach Lünen-Süd oder Horstmar ausweichen“, heißt es unisono.

Sauberkeit: Laut Umfrage kommt Niederaden hier auf 8 Punkte. „Wenn die Stadt nicht gerade Bäume schneidet und die Äste dann einfach am Straßenrand liegen lässt, dann ist es hier schon sehr sauber“, sind sich die drei Freundinnen einig. Ein Dorn im Auge ist ihnen, dass einige Hundehalter die Ausscheidungen ihrer Tiere auf dem Schulweg entlang der Kreisstraße einfach liegen lassen.

Nahversorgung: Dass Niederaden hier laut Umfrage ebenfalls 8 Punkte einfährt, liegt nach Einschätzung der Familien Michler, Hoske und Klejniak schlichtweg daran, dass es mit Auto nur ein Katzensprung nach Horstmar und Lünen-Süd ist. So gesehen sei es kein echtes Problem, dass es nur einen Zigarettenautomaten und eine Bäckerei gebe, erklärt das Damen-Trio.

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

Außer einer Bäckerei gibt es keinen weiteren Laden in Niederaden. © Goldstein

Das wurde negativ bewertet

Verkehrsanbindung: Laut Umfrage kommt Niederaden hier auf 6 Punkte und liegt damit 2 Punkte unter dem stadtweiten Durchschnitt. Für Jannis Hoske (17), Schüler am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, ist das nachvollziehbar. Er und seine Freunde haben am Wochenende ein echtes Problem, zu später Stunde mit dem Bus wieder nach Hause zu kommen: „Da braucht es schon jemanden, der ein Auto hat. Oder aber, die Eltern müssen ran.“ Das können die Mütter nur bestätigen: „Man ist schon auf das Auto angewiesen, um die Kinder, wozu auch immer, zu fahren oder aber den Einkauf zu erledigen.“

Jugendliche: Mit 4 Punkten steht Niederaden zwar nicht schlechter da als der Stadtdurchschnitt, was die Sache aber nicht besser macht: „Es gibt hier keine Angebote für Jugendliche“, sagt Sonja Klejniak und ihre Nachbarinnen stimmen zu. Vielmehr haben die Drei nicht dazu zu sagen. Die Stadt Lünen im Übrigen auch nicht. „Es gibt in der Tat keine uns bekannten Angebote für Jugendliche. Die Gründe dafür könnten sein, dass der Anteil der unter 27-Jährigen im Stadtteil unterdurchschnittlich ist und dass die Wege in den angrenzenden Stadtteil Horstmar nicht weit sind, wo es eine Reihe an Angeboten gibt“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt. „Wir können hier kein Jugendheim aufbauen“, sagt Rainer Schmeltzer. Dafür seien unter anderem die Interessen der Jugendlichen viel zu unterschiedlich.

Senioren: Ähnlich wie beim Stichwort Jugendliche sieht es laut Umfrage bei den Angeboten für Senioren (4 Punkte) aus. Für die Stadt Lünen ist das nur schwer nachvollziehbar. Die weniger gute Bewertung im Bereich der Freizeit-Angebote für Senioren in Niederaden sei aus Sicht der Koordinierungsstelle Altenarbeit bei der Stadt Lünen etwas verwunderlich, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt:

„Zwar gibt es, wie in allen anderen Stadtteilen Lünens auch, keine eigenen Angebote der Stadt für die Freizeitgestaltung von Senioren. Aber gerade in Niederaden wird eine breite Vielfalt an Freizeitangeboten von anderen Institutionen, wie Kolping, ZWAR und Sportvereinen, vorgehalten. Im Stadtteil gibt es diesbezüglich eine langjährig gewachsene Struktur. Aufgrund der geringen Entfernung und der ÖPNV-Anbindung nutzen viele Seniorinnen und Senioren auch die Angebote des Nachbarsstadtteils Horstmar.“

Das sieht Rainer Schmeltzer genau so. Zudem verweist er auf das „super Vereinsleben“ in Niederaden, das extrem ausgeprägt sei. „Hier macht kein Verein dem anderen Konkurrenz. Wenn es um Veranstaltungen geht, arbeiten alle Hand in Hand.

Gastronomie: Mit der Gastronomie in Niederaden ist es nicht weit her. Weil es nur eine Gaststätte gibt, gibt es auch nur 4 Punkte von den Umfrageteilnehmern.

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

In Höhe des Lidl an der Niederadener Straße steht zwar öfters mal das Blitzer-Auto der Stadt, trotzdem wird dort ständig gerast. © Goldstein


Verkehrsbelastung:
Die Nachbarinnen sind sich einig: „Damit ist die Niederadener Straße gemeint. Dort herrscht nicht nur viel Verkehr, da wird auch wie verrückt gerast.“ Das bestätigt Rainer Schmeltzer: Er wünscht sich, dass an der Straße öfters geblitzt würde: „Nicht nur in Höhe des Lidls, sondern auch in Höhe des Friedhofs und der Feuerwehr.“

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

An der Niederadener Straße in Höhe der Feuerwehr wird nach Meinung der von unserer Redaktion besuchten Familien viel zu selten geblitzt. © Goldstein

Die Stadt nimmt sich der Kritik unserer Umfrageteilnehmer an. „Das ist verständlich“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt: „Die Niederadener Straße hat sicherlich ein erhöhtes Verkehrsaufkommen. Sie ist als Landstraße ausgewiesen und dient als Verbindungsstraße zwischen Niederaden, Oberaden und Kaiserau. Gerade in den Morgen- und Nachmittagsstunden sind dort viele Menschen mit dem Auto unterwegs.“

Historie

Mit einem Gartenpavillon fing es an

Niederaden: Mehr Lebensqualität geht kaum, trotz fehlender Angebote für Jugendliche

Die Aufnahme von 1937 zeigt das Wahrzeichen Niederadens: den Spieker. © Pabst

Niederaden wurde am 1. Januar 1968 nach Lünen eingemeindet. Entstanden um die Güter der Adelshäuser Aden/Oberfelde, wurde Niederaden erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Vom adeligen Haus Oberfelde besteht noch der Anfang des 17. Jahrhunderts gebaute, auf einer Insel inmitten einer Gräfte gelegene Spieker (Plattdeutsch für ‚Speicher‘), der aber auch als Gartenpavillon genutzt wurde. Der Lüner Maler Rolf-Dietrich Ratzmann nutzte den Spieker von 1968 bis zu seinem Tode im Jahre 1992 als Atelier. Nach neueren Erkenntnissen handelt es sich bei dem quadratischen Gebäude nicht um einen Spieker, sondern um ein barockes Gartenhaus, das mit seinem Mansardwalmdach vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt. Der zweigeschossige Bau besitzt eine offene Dachlaterne, in der eine Bronzeglocke mit einem Durchmesser von 31 Zentimeter aufgehängt ist. Laut Inschrift stammt die Glocke aus dem Jahr 1613.
Lesen Sie jetzt