Volle Punktzahl bei Grünflächen, hohe Lebensqualität und gute Nahversorgung: Die Nordlüner verteilen Lob, haben aber auch einiges zu kritisieren. Vor allem fehlen Angebote für Jugendliche.

Lünen

, 18.03.2019 / Lesedauer: 5 min

Es ist ein schöner Vorfrühlingstag. Piet (9) hat einen Freund zu Besuch. Seine älteren Geschwister Lilly (15) und Linus (13) sind auch zuhause. „Wenn wir Freunde treffen wollen, geht das meistens nur bei einem daheim, oder wir gehen in die Stadt - und das ist fürs Taschengeld zu teuer“, sind sich die Geschwister einig. Seit 15 Jahren wohnt Familie Rodegro im Brusenkamp II, fühlt sich in ihrem Stadtteil eigentlich auch wohl.

Die Umfrageergebnisse des Stadtteilchecks spiegeln diese Einschätzung mit sehr guten Werten wider: Volle Punktzahl bei Grünflächen, hohe Werte bei Lebensqualität und Nahversorgung. In 14 der 17 abgefragten Kategorien erreichte der Stadtteil überdurchschnittlich hohe Punktzahlen. Zwei Bereiche lagen im stadtweiten Durchschnitt, nur in einer Kategorie gab es weniger Punkte.

Familienfreundlichkeit hat sieben Punkte bekommen. Positiv sieht die dreifache Mutter Nina Rodegro die schulische Versorgung. Realschule, Gymnasium und die Kardinal-von-Galen-Grundschule sind in Reichweite des Wohngebiets. Das gilt auch für Kindertagesstätten in unmittelbarer Umgebung. SPD-Ratsherr Rüdiger Billeb, der auch in Nordlünen lebt, bedauert, dass es im Norden nach der Schließung der Hauptschule Wethmar diese Schulform nicht mehr gibt: „Ich bin aber sehr froh, dass die Entscheidung gefallen ist, die Realschule Altlünen neu zu bauen.“

Was (noch) positiv bewertet wurde

Nahversorgung Dass die Nahversorgung mit 9 Punkten sehr gut abgeschnitten hat, kann Nina Rodegro nachvollziehen: „Wir haben hier einen Aldi an der Cappenberger Straße und einen Rewe, dazu Bäckereien und einen Getränkemarkt.“ Und an der Borker Straße ist ein weiterer Aldi und noch ein Getränkemarkt. Was sich die Nordlünerin noch wünschen würde, wäre ein Drogeriemarkt im Stadtteil. Auch eine Eisdiele in der Nähe des Cappenberger Sees fände sie gut. Dass die Nahversorgung im Stadtteil gut ist, sieht auch Billeb so: „Ich könnte mir vorstellen, dass sich noch ein Drogeriemarkt ansiedelt, wenn eine Liegenschaft frei wird. Ansonsten kann aber jeder, der in Nordlünen wohnt, froh über die Einkaufsmöglichkeiten sein.“

Nordlünen: Hohe Lebensqualität, aber Jugendliche haben keinen Treffpunkt

Die Nahversorgung in Nordlünen bekam 9 von 10 Punkten. Hier gibt es an der Cappenberger Straße Rewe, Aldi, Bäckereien und einen Getränkehandel. © Beate Rottgardt

Grünflächen: Grünflächen haben die volle Punktzahl bekommen, zwei Punkte mehr als im Stadtdurchschnitt. „Wir profitieren hier im Stadtteil davon, dass der Weg ins Grüne sehr kurz ist“, sagt Billeb. Der Cappenberger See ist ebenso nah wie der Cappenberger Wald, der hinter dem Schulzentrum über den Struckmannsberg schnell zu erreichen ist. Wobei einige Umfrage-Teilnehmer kritisierten, dass es gerade in Nordlünen viel Hundekot im Grün gebe. Dazu Stadt-Pressesprecher Benedikt Spangardt: „Hundekot-Beschwerden haben wir über das ganze Stadtgebiet verteilt. Meist setzen wir den Stadtservice ein, um dem nachzugehen. Eine Häufung der Beschwerden im Stadtteil beobachtet die Stadt aber nicht.“

Nordlünen: Hohe Lebensqualität, aber Jugendliche haben keinen Treffpunkt

SPD-Ratsherr Rüdiger Billeb fühlt sich wohl in Nordlünen. Er mag auch die Nachbarschaft der Zipfelmützen-Kita an der Rudolph-Nagell-Straße. Überhaupt - Kitas und Schulen sind im Stadtteil gut vertreten. © Beate Rottgardt

Radfahren: Mit acht Punkten wurde die gleiche Punktzahl erreicht wie im Stadtdurchschnitt. Der Leezenpatt, der auch durch Nordlünen führt, bringt die Radler ins Grüne.

Das wurde negativ bewertet:

Jugend: Dass es eigentlich kaum Möglichkeiten für ihre Kinder gibt, einfach mal mit Freunden abzuhängen, kritisiert die Familie Rodegro. „Es gibt einfach in Nordlünen keinen offenen Treff, so wie früher das Depot in Alstedde.“ Nina Rodegro (39) hat eine Idee, wie man das ändern könnte: „Warum baut man nicht, wenn die Realschule ein neues Gebäude bekommt, gleich einen Jugendtreff mit auf das Schulgelände?“ Das Problem sieht SPD-Ratsherr Rüdiger Billeb ähnlich: „In Wethmar funktioniert die katholische Jugendgruppe gut, darauf ruht sich die Verwaltung ein bisschen aus. Wir müssen in irgendeiner Form einen Treffpunkt für junge Menschen im Lüner Norden hinkriegen.“ Auch eine Kooperation von Stadt und Kirche könnte sich Nina Rodegro vorstellen.

Nordlünen: Hohe Lebensqualität, aber Jugendliche haben keinen Treffpunkt

Daten und Fakten zum Stadtteil Nordlünen © Hasken

Mit nur 5 Punkten teilen auch andere Nordlüner die Kritik an fehlenden Möglichkeiten für Jugendliche. Dazu sagt Stadt-Pressesprecher Benedikt Spangardt: „Tatsächlich gibt es seitens der Stadt in Nordlünen selbst keine direkten Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, hier müssten wir auf die ,Wilde 13` in Alstedde oder die Halte-Stelle an der Münsterstraße verweisen. Außerdem sind natürlich unsere Streetworker im ganzen Stadtgebiet unterwegs.“ Der Cappenberger See und das Freibad, die im Stadtteil liegen, seien im Sommer sicherlich attraktive Freizeitangebote für Jugendliche. Piet Rodegro würde sich auch einen Spielplatz für seine und die Bedürfnisse seiner Freunde wünschen: „Die Spielplätze hier sind doch eher für kleinere Kinder.“

Nordlünen: Hohe Lebensqualität, aber Jugendliche haben keinen Treffpunkt

Wenn im Gymnasium Altlünen der Unterricht beendet ist, dann können Kinder und Jugendliche auch nicht auf dem Schulhof spielen oder sich treffen. Das Gelände ist umzäunt, weil es dort schon öfter zu Vandalismus kam. © Beate Rottgardt

Verkehrsbelastung: Sieben Punkte, einer mehr als im Gesamtdurchschnitt gab es für diesen Bereich. „Es ist ruhig hier und wir können alles relativ schnell erreichen, sowohl die Innenstadt als auch den Cappenberger See“, sagt Nina Rodegro. Zumindest mit dem Fahrrad. Denn mit dem Auto ist das Durchkommen morgens oder nachmittags nicht so einfach. Billeb sieht Verkehrsprobleme vor allem morgens zu Schulbeginn rund um das Schulzentrum. Durch die geplante neue Kita, die er durchaus befürwortet, werde sich das Problem sogar noch vergrößern. Die von-Ketteler-Straße sei inzwischen eine Haupterschließungsstraße und werde sowohl von Auto- als auch von Radfahrern genutzt.

Auch die Polizei sieht die „verkehrstechnische Infrastruktur“ von Nordlünen und der Nord-Süd-Achse der Cappenberger Straße an der Belastungsgrenze. Trotz gezielter polizeilicher Maßnahmen gebe es keine nachhaltige Wirkung mit Blick auf das Verkehrsverhalten der jugendlichen Fahrradfahrer, sagt Sven Schömberg von der Pressestelle der Dortmunder Polizei. Es werde in diesem Bereich aber weiter gezielte Kontrollen geben.

Wohnen Das Thema Wohnen hat bei den Nordlünern nur 5 Punkte bekommen. Dazu Nina Rodegro: „Der Markt ist im Stadtteil absolut gesättigt, wenn mal ein Haus verkauft werden soll, geht das unter der Hand weg. Die Lüner Heide ist komplett zu, an der Laakstraße wurde viel gebaut.“ Billeb meint: „Wenn die Teilnehmer fordern, dass mehr Bauflächen ausgewiesen werden sollen, unterschreibe ich das sofort.“ Im Brusenkamp I finde derzeit ein Generationenwechsel statt. Der Brusenkamp II hat ein Parkplatzproblem. „Angebot und Nachrage regeln den Preis. Der Lüner Norden ist für viele Leute sehr attraktiv. Es wäre wichtig, Bauen für junge Familien hinzubekommen, so wie es derzeit in Alstedde mit der Deutschen Reihenhaus-GmbH läuft. Leider haben wir aber in Nordlünen nicht so eine Verdichtungsfläche,“ so Billeb.

Für die Stadt Lünen sagt Spangardt: „Die Verwaltung hat den Auftrag, Vorschläge für einen angemessenen Wohnraum für einkommensschwächere Einwohner zu entwickeln.“ Das gelte über alle Stadtteile hinweg.

Historie

Seit 1975 ein Stadtteil von Lünen

Nordlünen: Hohe Lebensqualität, aber Jugendliche haben keinen Treffpunkt

Der Cappenberger See von oben in früheren Jahren. © Rüdiger Klau

Die Grenze zwischen Lünen und den drei Bauernschaften Nordlünen, Wethmar und Alstedde war bis 1803 die Landesgrenze zwischen der Grafschaft Mark und dem Fürstbistum Münster. Seit 1815 bildeten die drei Bauernschaften die Gemeinde Altlünen im Amt Bork im Kreis Lüdinghausen. Von 1815 bis 1975 war es die Grenze zwischen den Regierungsbezirken Arnsberg und Münster. 1863 wurde der Wevelsbach zur Grenzlinie erklärt. Am 25. Mai 1973 unterzeichneten Vertreter der Stadt Lünen und der Gemeinde Altlünen im Sitzungssaal des Rathauses Lünen den Gebietsänderungsvertrag, nach dem am 1. Januar 1975 im Rahmen des Gesetzes zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise im Ruhrgebiet die Stadt Lünen und die Gemeinde Altlünen vereinigt wurden.
Lesen Sie jetzt