Note 4 - Lünens Radverkehr schlechter bewertet

Fahrradklimatest des ADFC

2005 lag Lünen beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) noch auf Platz 27 von damals noch 93 Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern. Die Note damals: 3,11. Seitdem rutscht Lünen immer mehr ab. Dieses Jahr stand sogar eine 4 vor dem Komma.

LÜNEN

, 31.05.2017, 05:24 Uhr / Lesedauer: 3 min
Note 4 - Lünens Radverkehr schlechter bewertet

Kein Drama, aber vier Akte: Radfahrer und Fußgänger geraten in Lünen häufig aneinander, auch auf dem Radstreifen auf der Lippebrücke Lange Straße. Radfahrer müssen um die Fußgänger dann herumfahren. Diese Konflikte wurden beim Fahrradklimatest häufig genannt.

Was ist der Fahrradklimatest?

Der ADFC-Fahrradklimatest ist nicht repräsentativ. Im Herbst 2016 beteiligten sich bundesweit rund 120.000 Radfahrer an der Umfrage, in Lünen haben 117 Menschen den Fragebogen ausgefüllt. Davor gab es den Test schon 2012 und 2014. Insgesamt wurden dabei 539 Städte bewertet und Rankings passend zu den unterschiedlichen Stadtgrößen erstellt. Gefragt wurde unter anderem nach Sicherheit, Komfort, Infrastruktur und Fahrradklima in den Städten.

Und wie ist das Ergebnis für Lünen?

Eine „starke Verschlechterung“ im Vergleich zum letzten Test 2014. Besonders negativ bewerteten die Radfahrer unter anderem die schlechte Reinigung der Radwege, die Ampelschaltungen, die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen, die Führung an Baustellen und Konflikte mit Fußgängern. Positiv sahen die Teilnehmer die Erreichbarkeit des Stadtzentrums und, dass Einbahnstraßen in Gegenrichtung oft für Radfahrer freigegeben werden. Am Ende reicht das für eine glatte 4 nach Schulnoten, das ist Rang 69 von 98 bei Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern im gesamten Bund, im Landesvergleich ist es Rang 29 von 37.

Wie bewertet der Lüner ADFC dieses Ergebnis?

„Es ist dramatisch“, meint Reinhard Koch, Sprecher des ADFC Lünen. Er bemängelt, dass in der Verwaltung die Akzeptanz für die Belange der Radfahrer fehlt. „Die Stadt hört nicht auf uns“, meint Koch. Dabei würde der ADFC sich nur an die Stadt wenden, wenn es auch wirklich nötig sei.

Das Thema Ampelschaltungen bewertet Koch übrigens anders als der Durchschnitts-Teilnehmer der Umfrage: „Die Schaltung ist deutlich besser geworden, natürlich zum Leidwesen der Autofahrer.“ Dass es immer noch viele Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern gibt, sieht auch der ADFC-Sprecher, zum Beispiel auf der Lippebrücke Lange Straße. „Da müssen beide mehr Rücksicht nehmen“, meint er. Um das Ergebnis künftig zu verbessern, hofft Koch auf den neuen Technischen Beigeordneten Arnold Reeker, der im Juli seinen Dienst antritt.

Und was sagt die Stadt dazu?

„Es ist natürlich nicht schön, dass wir da abgerutscht sind“, sagt Thomas Berger, der bis zur Amtsübernahme von Reeker kommissarisch dessen Aufgaben übernommen hat. Folgende in der Umfrage kritisierte Punkte kommentierte Berger:

Ampelschaltungen: „Das hat zwei Dimensionen. Die lassen sich erstens nicht von heute auf morgen verändern. Und zweitens muss man das im Gesamtkontext des Verkehrskonzeptes sehen. Wir versuchen ja, auf dem Stadtring eine grüne Welle zu etablieren. Das hat auch Auswirkungen auf den Radverkehr, der dann kürzere Grünphasen hat.

„Wir genau so viel kontrollieren, wie wir Kapazitäten haben“

Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen: „Wer kontrolliert wird, sagt, wir zocken ab. Für alle anderen kontrollieren wir noch zu wenig. Die Wahrheit ist, dass wir genau so viel kontrollieren, wie wir Kapazitäten haben.“

Verkehrsführung an Baustellen: „Wir hatten sicherlich im letzten dreiviertel Jahr viele große Maßnahmen, bei denen es nicht so gut geklappt hat. An der Bebelstraße hat es aber einen politischen Beschluss gegeben, der das in Kauf genommen hat. Wir müssen aber auch selbstkritisch sagen, dass wir das Ganze künftig auch mehr aus Sicht des Radfahrers sehen müssen und nicht nur aus Sicht des Autofahrers. Wir lernen daran.“

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Konflikte mit Fußgängern: „Darauf hat man als Planer nur bedingt Einfluss. Es gibt aber Stellen, wo wir die Verkehre bewusst mischen. Man geht davon aus, dass alle dann besonders aufmerksam sind. Das führt an manchen Stellen auch zu Konflikten. Man kann nur an gegenseitige Rücksichtnahme appellieren.“

Wie bewertet die Stadt die Teilnehmerzahl des Klimatests?

„Das ist natürlich eine relativ subjektive Einschätzung von relativ wenigen Leuten. Es ist nicht repräsentativ“, sagt Berger. „Trotzdem sind das Schwerpunkte und Mängel, die wir wahrnehmen. Wir recherchieren das nach, ziehen unsere Schlüsse daraus und lernen.“

Was soll denn künftig getan werden, um die Situation für Radfahrer in Lünen zu verbessern?

Über das Programm „Rad+“ soll unter anderem die Infrastruktur für Radfahrer in Lünen verbessert werden. Laut Fachdezernent Berger steht in diesem Jahr unter anderem an, einige Markierungen am Leezenpatt zu erneuern. Viele Maßnahmen hängen aber noch am Haushalt – der ja noch nicht genehmigt ist.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung im Februar kündigte die Verwaltung außerdem an, dass im Sommer eine Kampagne zur Werbung für das Radfahren in Lünen starten soll. Es solle demnach Plakate an Bauzäunen geben, eine Internetseite und einen Erklärfilm zu Rad+. Eine Stadtsprecherin erklärte auf Nachfrage, die Plakatkampagne sei bereits „beauftragt und in Arbeit“.

Wie liegt Lünen im regionalen Vergleich?

Die Großstädte in der Region (Bochum, Dortmund, Gelsenkirchen) erhielten bei der Bewertung alle eine 4 vor dem Komma. Im Kreis Unna hat Selm eine 3,3, Werne eine 3,7, Unna eine 3,7 und Kamen eine 3,4.

Die Rangliste
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