Ohne gültigen Führerschein unterwegs: Fahrer wollte nur helfen

rnAmtsgericht

Sein Cousin bat um Hilfe – ein 39-Jähriger dachte nicht lange nach. Hilfsbereit sprang er ins Auto, ohne gültige Fahrerlaubnis. Er begegnete der Polizei. Das hatte ein juristisches Nachspiel.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 28.08.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Mann, der am Morgen des 8. Dezember mit einem Ford auf der Konrad-Adenauer-Straße in Lünen unterwegs war, fiel der Polizei auf. Er fuhr langsam und hinter ihm hatte sich bereits eine Schlange gebildet. Das wollte sich die Beamten einmal näher angucken. Sie stoppten den Wagen, kontrollierten den Mann hinter dem Steuer und stellten fest, dass seine ausländische Fahrerlaubnis hier nicht mehr gültig war, da er sich länger als sechs Monate in Deutschland aufhielt und das Dokument nicht, wie vorgeschrieben, hatte umschreiben lassen. Damit hatte sich der 39-Jährige des Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig gemacht.

Kleidung ins Krankenhaus bringen

Erschrocken saß er, der nunmehr in Köln lebt, im Amtsgericht auf der Anklagebank. „Ich habe das Fahrzeug an dem Tag geführt, aber es war dringend notwendig“, setzte er zur Erklärung an. Sein Cousin, Halter des Fords, habe ihn angerufen und gebeten, seiner Frau, die nach einem Sturz im Krankenhaus lag, unter anderem Kleidung zu bringen. Dass er sich damit strafbar machen würde, das sei ihm gar nicht in den Sinn gekommen. Er habe gedacht, wenn alle sechs Monate die Aufenthaltsgenehmigung verlängert würde, gelte das auch für den Führerschein. Über diesen Irrtum sei er erst von den Polizeibeamten aufgeklärt worden. Die hätten ihn direkt vor dem Krankenhaus angehalten, seien aber sehr freundlich mit ihm umgegangen. „An dem Tag ist mir das klargeworden“, betonte der 39-Jährige und fügte hinzu: „Das war kein Vorsatz. Vorher habe ich auch kein Auto geführt.“

Fahrlässig, nicht vorsätzlich gehandelt

Nach dieser geständigen Einlassung konnten Anklage und Gericht auf die Vernehmung der beiden als Zeugen geladenen Polizisten verzichten. Generell, so erklärte der Richter offen, gehe er eher davon aus, dass der Angeklagte fahrlässig und nicht vorsätzlich gehandelt habe. Auch wies er darauf hin, dass der 39-Jährige zuvor noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten und auch im Straßenverkehr nicht unangenehm aufgefallen war. Beide Register waren leer.

Unter den Umständen regte er an, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 120 Euro zugunsten des Fördervereins Pro Asyl einzustellen. Der Vertreter der Anklage stimmte ebenso zu wie der Angeklagte selbst. Er, der finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, erklärte regelrecht treuherzig: „Ich rauche und ich trinke nicht. Ich kann das Geld aufbringen.“

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