Kuscheln mit Fremden: Das sagen die Lüner Kitas zum umstrittenen Konzept „Original Play“

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Bundesweit macht „Original Play“ zur Zeit Schlagzeilen. Erwachsene kommen in Kindergärten, um mit fremden Kindern zu toben, kuscheln und rangeln. Gibt es „Original Play“ auch in Lüner Kitas?

Lünen

, 05.11.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erwachsene kommen in eine Kindertagesstätte, um mit fremden Kindern rumzutoben oder zu kuscheln. Enger körperlicher Kontakt gehört zum Programm. Das sogenannte therapeutische Spiel „Original Play“ wird in Kindertagesstätten angeboten.

Fragwürdig und eine Einladung für Pädokriminelle, so die Quintessenz von Experten in einem Beitrag des ARD-Magazins Kontraste. Anonym berichten mehrere Eltern betroffener Kinder von schlimmen sexuellen Übergriffen, zu denen es beim Angebot von „Original Play“ gekommen sein soll.

Die Ermittlungsbehörden stellten mehrere Verfahren mangels Tatnachweisen ein.

In den Bundesländern Berlin und Brandenburg wurde die Anwendung von „Original Play“ mittlerweile verboten. In Hamburg und Bayern war dies schon vor der Ausstrahlung des Beitrags der Fall.

Eltern besorgt über mögliche Angebote in Lünen

Eltern mit Kindern in Lüner Kitas treibt nun die Frage um, ob ihre Kinder möglicherweise selbst in der Kita mit Fremden in engen körperlichen Kontakt gekommen sein könnten.

In lokalen Facebookgruppen wurde die Frage in den vergangenen Tagen mehrfach aufgeworfen und darüber diskutiert.

In Lünen gibt es 43 Kindertageseinrichtungen. Größter Träger ist die Stadt, mit zehn Einrichtungen. Es folgen das Deutsche Rote Kreuz und evangelische Kirche (je 7), AWO und katholische Kirche (je 6), Elterninitiativen (5) sowie Johanniter und Waldorf Kindergarten (je 1).

Kita-Träger sprechen sich gegen „Original Play“ aus

Auf Anfrage bei allen Trägern erhielt diese Redaktion weitestgehend einhellige Antworten. Nein, in Lüner Einrichtungen ist „Original Play“ nicht zum Einsatz gekommen.

In den drei katholischen Kindergärten der Pfarrei St. Marien etwa wäre ein Angebot von Original Play überhaupt nicht denkbar. Einerseits, weil man eigene Angebote habe, wie Jutta Beese, Verbundleitung der Kirchengemeinde St. Marien in Lünen sagt.

Andererseits, weil das sogenannte Institutionelle Schutzkonzept (ISK) der drei Kitas - ein Leitfaden für das Verhalten im Kontakt mit Kindern - dies auch gar nicht vorsehe. „Fremde kommen nicht einfach in die Kita rein. Es ist immer eine Erzieherin mit bei den Kindern“, sagt Beese.

Das bestätigen auch die Leitungen der drei Kitas von St. Rafael, Herz Mariä und Heilige Familie, die zum Bistum Paderborn gehören.

„Wir finden das Angebot zutiefst bedenklich“

Bei Fragen des Kinderschutzes sei man sehr stark sensibilisiert, so Jochen Schade-Homann vom Evangelischen Kirchenkreis Dortmund. „In Lünen habe ich davon noch nichts mitbekommen“, sagt er in Bezug auf mögliche Angebote von „Original Play“.

„Wir finden das Angebot zutiefst bedenklich und würden es auch nicht machen“, so Claudia Püschel, Leiterin der Tageseinrichtung für Kinder Florian. Auch in den vier weiteren Einrichtungen von Elterninitiativen in Lünen, Kinderhaus, Kleiner Kreisel, Hibiduri und der Kindertagesstätte Sterntaler soll „Original Play“ nicht angeboten worden sein.

Und auch die Antwort bei der Stadt fällt kurz und eindeutig aus. „Das Konzept und die Kritik daran sind den Kollegen und Kolleginnen bekannt, als es ja in der öffentlichen Diskussion steht“, so Stadtsprecher Benedikt Spangardt. „Original Play“ habe es in den städtischen Kitas in Lünen nicht gegeben.

„Original Play“ in Lünen nicht erwünscht

In den Kindertagesbetreuung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) im Unterbezirk Rhein-Lippe-Ems, darunter auch die sechs Kitas in Lünen habe es nicht nur kein Angebot von „Original Play“ gegeben, so Sprecher Sebastian Laaser. Original Play sei von Daniel Frieling, Abteilungsleiter der Kindertagesbetreuung, auch nicht erwünscht.

Keine Angaben gab es bis Redaktionsschluss zu den Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes in Lünen.

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