Paradoxer Windrad-Bau: Erst zu windig, dann zu ruhig

Stadtwerke Lünen

Das ist schon irgendwie paradox: Als das Windrad der Lüner Stadtwerke Ende 2015 montiert wurde, wehte der Wind oft so kräftig, dass nicht gearbeitet werden konnte. Doch als der 160 Meter hohe Riese unweit des Lüner Stadthafens dann endlich Strom produzierte, war von steifer Brise nichts zu spüren. Dennoch sind die Stadtwerke zufrieden.

LÜNEN

, 21.03.2017, 12:12 Uhr / Lesedauer: 1 min
Paradoxer Windrad-Bau: Erst zu windig, dann zu ruhig

Das neue Windrad der Stadtwerke Lünen ist in Betrieb - jedoch pausiert es noch immer mal wieder.

Das Windrad in der Nähe des Lüner Stadthafens ist seit einem Jahr fertiggestellt - ungefähr seitdem weht der Wind auch nur noch mäßig in Lünen. „2016 war das schwächste Windjahr seit über 20 Jahren“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Achim Grunenberg. Die Windkraftanlagen in Deutschland hätten nur 60 bis 80 Prozent der erhofften Strommengen produziert. Die Lüner Anlage sei in ihrem ersten Jahr auf circa 75 Prozent gekommen. „Das zeigt, dass es ein relativ guter Standort ist“, erklärt Grunenberg.

Am 27. Februar 2016 ging die Anlage in den Regelbetrieb, „vor einer Woche erfolgte die technische Schlussabnahme durch die Behörden“, berichtet Grunenberg.

Hoffnung auf Steigerung im nächsten Jahr

6,6 Millionen Kilowattstunden Strom (kWh) habe das Windrad im ersten Jahr produziert, im zweiten Jahr hoffe man auf 8,6 Millionen. Pro Stunde sei ein Maximum von 3000 kWh möglich – was in etwa dem Jahresverbrauch eines Vier-Personen-Haushaltes entspreche.

5,25 Millionen Euro haben die Stadtwerke laut Grunenberg am Ende in das Windrad investiert – und erhalten jetzt 20 Jahre lang eine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 8,79 Cent pro Kilowattstunde. 8,90 Cent wären es gewesen, wenn das Windrad schon Ende 2015 ans Netz gegangen wäre. Doch die Monteure erreichten dieses Ziel nicht – wegen des Wetters.

Die Wirtschaftlichkeit der Anlage sieht Grunenberg über die Laufzeit von 20 Jahren dennoch gegeben. Man suche weiterhin nach Standorten, so der Geschäftsführer, allerdings außerhalb Lünens. In Lünen sehe das Unternehmen derzeit keinen genehmigungsfähigen Standort mehr. Auch deshalb sei man vom ursprünglich geplanten Bau einer zweiten Anlage abgerückt.

Die Stadtwerke Lünen als Stromerzeuger
Die Stadtwerke betreiben nach eigenen Angaben neben dem Lüner Windrad zwei Windparks in Niedersachsen, eine Biogasanlage, 32 Photovoltaikanlagen und sind am Windpark vor Borkum beteiligt. 62 von 265 Millionen kWh pro Jahr würden so aus erneuerbaren Energien erzeugt.

Lesen Sie jetzt