Patientin "Münsterstraße" in kritischem Zustand

Stadtplaner stellen Bericht vor

Vier Wochen lang waren Jan Fasselt und Henrik Freudenau vom Planungsbüro Stadtraumkonzept auf der Münsterstraße unterwegs. Im Auftrag der Stadt Lünen machten sie sich ein Bild vom Zustand des Quartiers. Ihr Fazit: "Wir haben es hier mit einem echten Problemviertel zu tun." Damit es wieder schöner wird zwischen Hauptbahnhof und Zwolle-Allee braucht es Zeit - und viel, viel Geld.

LÜNEN

, 22.03.2015, 07:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ergebnisse der 38 Seiten starken Basis-Analyse stellten Fasselt und Freudenau am Mittwochabend in der Feuerwache an der Kupferstraße Mitgliedern

  • des Stadtentwicklungs-Ausschusses,
  • des Ausschusses für Bürgerservice und Soziales,
  • des Jugendhilfeausschusses und
  • dem Integrationsrat vor.

Entsprechend voll war es in dem Schulungsraum der Feuerwehr. Dafür sorgten auch 40 Anwohner der Münsterstraße. Ob sich darunter auch Immobilienbesitzer der Straße befanden, ließ sich nicht abschließend klären. Gezielt eingeladen waren sie jedenfalls nicht. Wie Astrid Linn, bei der Stadt zuständig für die Entwicklung von Handlungsprogrammen wie dem Programm "Stadtumbau Innenstadt Lünen", sagte, "war es dafür noch zu früh". Die Immobilienbesitzer würden dann zu Gesprächen eingeladen, wenn die Politik der Verwaltung den Auftrag zur Erstellung eines "Integrierten Handlungskonzepts Münsterstraße" erteilt hätte.

 

Zentrale Punkte aus dem Bericht der Stadtplaner:

Mögliche Handlungsfelder seien unter anderem die lokale Wirtschaft, das städtebauliche Erscheinungsbild, das Thema Wohnen, öffentliche Freiflächen und kulturelle Geschichten. Die Nahversorgung sei mit dem Netto-Markt und einigen kleineren Einzelhändlern gesichert, sagten die Raumplaner.

Ein Hauptproblem sind dagegen die zahlreichen Leerstände entlang der Münsterstraße. Laut Stadtraumkonzept stehen 29 von 79 Ladenlokalen leer, das ergibt eine Quote von knapp 37 Prozent. Zudem sei die Branchenstruktur recht einseitig geprägt von Gastronomie und Imbissen, von Kulturvereinigungen, Vergnügungsstätten sowie Friseur- und Kosmetiksalons.  

Als weitere Probleme des Quartiers führen die Autoren eine geringe Eigentümerquote bei den Immobilien (Wohnen 17,5 Prozent, Gewerbe 4 Prozent) und das schlechte Image der Gegend an. Allerdings beschreiben die Planer auch das Potenzial des Quartiers bezüglich des Erscheinungsbildes: So gebe es schöne Altbaufassaden, sie führen auch den alten Baumbestand entlang der Münsterstraße an. 

In ihrer Präsentation führten die Raumplaner auch die "deutlich über dem gesamtstädtischen Niveau liegende" Arbeitslosigkeit an. Hier müssten die "Stärkung der lokalen Beschäftigung" und die "Verbesserung der Qualifikation" der Betroffenen die zentralen Ziele sein.  

Auch die im Vergleich zum übrigen Stadtgebiet hohe Quote an Bewohnern mit Migrationshintergrund wurde von den Dortmunder Stadtplanern am Mittwoch aufgegriffen. Den Anwesenden wurden verschiedene langfristige Ziele ans Herz gelegt, zentral eine stärkere Vernetzung und ein größerer kultureller Austausch der verschiedenen Gruppen.  

Alle Gremien einbeziehen

Ziel der Sondersitzung am Mittwoch war es auch, so ihr Leiter Rüdiger Haag (SPD), sämtliche an städtischen Entscheidungsprozessen beteiligte Gremien in Sachen Münsterstraße auf einen Kenntnisstand zu bringen. 

Diskutiert wurden die zahlreichen von den Planern präsentierten Daten am Mittwochabend nicht mehr. Das soll in den kommenden Wochen in den Ausschüssen und Ratsfraktionen passieren. Mit auf den Weg gaben Jan Fasselt und Henrik Freudenau ihren Zuhören, dass sie sich genau überlegen müssten, welche Schwerpunkte das angestrebte Handlungskonzept für das Problemquartier Münsterstraße enthalten soll. Das spiele mit Blick auf die anzuzapfenden Förderquellen des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen eine entscheidende Rolle.

"Es wird Jahre dauern"

Klar wurde Mittwochabend ebenfalls, dass es Jahre dauern wird, die Münsterstraße und ihr Umfeld "auf Vordermann zu bringen", wie es ein Anwohner ausdrückte. Fasselt und Freudenau sprachen von acht bis zehn Jahren. Um die, wie sie es nannten, "erheblichen funktionalen und sozialen Missstände" nachhaltig zu beseitigen, braucht es aber nicht nur Zeit, sondern viel Geld. Laut Jan Fasselt mindestens vier bis sechs Millionen.

Wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagte, seien damit längst nicht alle Probleme gelöst. Vielmehr gehe es darum, mit dem Geld ein Zeichen zu setzen, "so dass private Investoren nachziehen".

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