Ein verlassener Ort ist die Persiluhrpassage. Die Planer arbeiten an einer neuen Zukunft. © Quiring-Lategahn
Mit Video

Persiluhrpassage hinter Brettern: So soll das neue Kulturzentrum werden

Wie eine Bretterbude wirkt die Lüner Persiluhrpassage. Für über 5 Millionen Euro soll hier ein Kultur-und Bildungszentrum entstehen. Noch ist es ein verlassener Ort. Es gibt interessante Ideen.

Leere Schaufenster, vernagelte Eingänge. Die schon länger leerstehende Persiluhrpassage im Herzen der City wirkt wie ein vergessener Bau. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Stadt hat die Immobilie in Top-Lage vor einem Jahr gekauft. Sie steht auf einem Luftschutzbunker. Ein Vorsprung im Innern erinnert daran. Der muss noch weg. Wie so vieles.

Die Persiluhrpassage gilt als Schlüsselprojekt des Stadtumbaus. Über 5 Millionen Euro, davon über 4 Millionen Fördergelder, sollen das Gebäude in ein modernes Kultur- und Bildungszentrum verwandeln. Planer versprechen sich davon einen neuen Anziehungspunkt im Bereich Münsterstraße rund um die Persiluhr, der sich langsam zu einer gastronomischen Meile entwickelt. Hauptnutzer wird die Stadtbücherei sein.

Planung vom Sessel bis zur Steckdose

Innen sieht es wenig einladend aus. Weil viele Leitungen die Passage mit den angrenzenden Wohnungen verbunden haben, musste analysiert, durchgemessen und getrennt werden. Abgehängte Decken ehemaliger Ladennutzer wurden rausgenommen. „Wir brauchen für die spätere Belüftung eine gewisse Deckenhöhe und müssen auch das Thema EDV ganz neu denken“, beschreibt Daniel Schulz, Projektleiter Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL), die Herausforderung.

Momentan wird der Endentwurf geplant, „vom Sessel bis zur letzten Steckdose“, so Astrid Linn, Fachreferentin für Stadtentwicklung. Dem Betrachter fällt innen als erstes die Glaskuppel auf und mit ihr die bunten Platten der Kulturpreisträger Siegfried Krüger und Simone Prothmann. Während die Kuppel Platz machen soll für eine 82 Quadratmeter große Empore, die über eine neue Treppe erreicht wird, sollen die Kunstwerke aufbewahrt werden. Wie auch die heute hinter einer Holzwand verborgenen Jugendstilelemente, die seinerzeit für die Passage eigens aus Frankreich geholt wurden.

Hinter Brettern liegt die Persiluhrpassage. Verrammelt und verriegelt.
Hinter Brettern liegt die Persiluhrpassage. Verrammelt und verriegelt. © Quiring-Lategahn © Quiring-Lategahn

Moderne Atmosphäre für viele Nutzer

Das Büro Schreiter Architekten hat die EU-weite Ausschreibung gewonnen und entwickelt das Anfangskonzept weiter. Erstmals arbeitet die Stadt mit einem Innenarchitekten zusammen, dem Büro Objekt ID aus Kamen. „Es soll eine ganz neue und moderne Atmosphäre geschaffen werden“, so Linn.

Am Eingang wird eine multifunktionale Theke die Besucher empfangen. Hier können sich Fördervereine aus dem Bereich Kultur mit ihren Angeboten präsentieren. Mobile Trennwände ermöglichen Besprechungen und Veranstaltungen in einem Raum für etwa 80 Personen auch dann, wenn die Stadtbücherei geschlossen hat. Ein solcher Raum sei für Lünen wichtig. „Das gibt es ja kaum“ so Linn. Der Treffpunkt Neuland wir hier präsent sein, auch Ausstellungen sind denkbar.

Kinohöhle und Getränkebar

Die Stadtbücherei der Zukunft ist mehr sein als ein Ort mit Regalen. Eine Getränkebar lädt dazu ein, länger zu schmökern. Für Kinder und Jugendliche ist eine Video- und Kinohöhle geplant, um den Umgang mit Gaming zu lernen. Es gibt Nischen für Schülergruppen und Aufenthaltsecken, in denen in Zeitschriften geblättert werden kann. Geschaffen werden soll eine zwanglose Atmosphäre, „mit der wir die Leute aus der Innenstadt holen wollen“, sagt Linn.

Innen zeigen Pläne, wie es mal werden soll. Bis dahin haben Astrid Linn, Fachreferentin für Stadtentwicklung, und Daniel Schulz, Projektleiter Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL), noch viel zu tun.
Innen zeigen Pläne, wie es mal werden soll. Bis dahin haben Astrid Linn, Fachreferentin für Stadtentwicklung, und Daniel Schulz, Projektleiter Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL), noch viel zu tun. © Quiring-Lategahn © Quiring-Lategahn

Momentan werde an Design, Materialien und Farbkonzepten gearbeitet. Im nächsten Monat soll die Genehmigungsplanung stehen. Es folgt darauf die Ausführungsplanung als Grundlage für die Ausschreibung. Im vierten Quartal 2023 steht dann der Einzug an.

Die Wohnungsbaugenossenschaft Lünen (WBG), mit der Stadt Lünen eine Eigentümergemeinschaft gegründet hat, wird ebenfalls investieren. Sie gestaltet für die Mieter der umliegenden Wohnungen die Dachgärten neu.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Lünen ist eine Stadt mit unterschiedlichen Facetten. Nah dran zu sein an den lokalen Themen, ist eine spannende Aufgabe. Obwohl ich schon lange in Lünen arbeite, gibt es immer noch viel zu entdecken.
Zur Autorenseite
Magdalene Quiring-Lategahn