Nach Pfefferspray-Angriff in Kanne-Filiale - so geht es der Mitarbeiterin heute

rnÜberfall-Opfer

Eine Mitarbeiterin der Bäckerei Kanne wurde bei einem Pfefferspray-Angriff in der Filiale am Vogelsberg in Lünen verletzt. Wir haben die Cappenbergerin gefragt, wie sie den Vorfall aufarbeitet.

Nordlünen

, 12.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Marina Pund (37) arbeitet in der Kanne-Filiale am Vogelsberg - so auch am 2. Juli. Die Cappenbergerin räumt auf, denn um 18.30 Uhr schließt die Bäckerei. Ein Kunde, der seit mehreren Wochen regelmäßig zum Essen kommt, kauft vier Brötchen und setzt sich draußen hin, um noch etwas zu trinken. Gegen 18.30 Uhr kommt der Kunde noch einmal hinein und möchte eine Capri-Sonne kaufen. Ihm fehlen 10 Cent. Die Backerei-Mitarbeiterin bietet ihm an, den fehlenden Betrag zu übernehmen, denn das Kramen nach Kleingeld dauert ihr zu lange.

Plötzlich sieht die 37-Jährige nur noch, wie ein Pfefferspray gezogen und versprüht wird. Der Täter greift in die Kasse. Glücklicherweise sprüht der Täter eher in den Raum hinein, als in das Gesicht der 37-Jährigen.

Opfer fiel mit dem Kopf auf einen Tisch

„Ich habe noch versucht ihn festzuhalten, dabei bin ich gestolpert und aufs Knie gefallen“, erzählt Marina Pund. Sie habe sich in Folge der Attacke Nasenbluten, einen Lippenbändchen-Riss und ein geprelltes Knie zugezogen. „Ich bin auch noch mit dem Kopf auf einem Tisch aufgeschlagen“, sagt sie.

Trotzdem habe sie versucht, dem Täter hinterher zu laufen - vergeblich. Auch ein Autofahrer, der die Szene gesehen hatte, folgte dem Täter ein Stück, verlor ihn aber auf Höhe der Bushaltestelle aus den Augen.

Keine fünf Minuten später traf die Polizei ein

Die Kanne-Mitarbeiterin erinnert sich, dass alles ganz schnell ging und die Polizei kaum fünf Minuten später eintraf. Da war von dem Räuber allerdings nichts mehr zu sehen. „Bis jetzt hat er sich auch nicht wieder blicken lassen“, sagt die Cappenbergerin. Die Polizei habe sich gut um die geschockte Frau gekümmert und habe darauf bestanden, dass ein Krankenwagen kommt und sie sich die Augen untersuchen lasse. Da das Spray nur in den Raum gesprüht wurde, wurden die Augen zwar untersucht, aber es konnte kein Schaden festgestellt werden. Noch immer unter Schock stehend, machte die Mitarbeiterin eine Aussage bei der Polizei. Dort gab sie bis fast 22 Uhr eine umfassende Täterbeschreibung ab. Basierend auf der Aussage von Marion Pund suchte die Lüner Polizei nach Zeugen.

Es hätte auch anders ausgehen können

„Ich bin nicht zimperlich, ich habe jetzt auch keine Angst oder so“, sagt die 37-Jährige. Sie habe sich allerdings am späten Abend Gedanken darüber gemacht, was noch alles hätte passieren können: „Der Mann hätte auch ein Messer haben können statt eines Pfeffersprays. Da wird einem klar, dass man noch Glück hatte.“

Als der Schock am darauf folgenden Tag halbwegs verdaut war, hatte sie doch ein paar Beschwerden. Ihr Knie war stark geschwollen und schmerzte. Die Folge waren ein Arztbesuch und ein Krankenschein.

Seit Donnerstag (10.) arbeitet die Kanne-Mitarbeiterin wieder. „Meine Familie hat mich toll unterstützt. Auch die Kolleginnen und mein Chef und seine Frau haben sich bei mir nach meinem Befinden erkundet“, erzählt Marion Pund.

Kanne bietet Mitarbeitern psychologische Betreuung

Dass so etwas vorkommt, wundert Wilhelm Kanne nicht. Einbrüche gäbe es immer wieder, auch die kriminelle Energie insgesamt würde in seinen Augen zunehmen. Wilhelm Kanne sagt außerdem: „Wir arbeiten mit einem Psychologen zusammen. Auf diesen können unsere Mitarbeiter immer zurückgreifen. Wir sind immer mit unseren Mitarbeitern im Gespräch. Auch Frau Pund möchten wir begleiten und nicht allein lassen mit ihrem Erlebnis.“

Die 37-Jährige lehnte das Angebot ihres Arbeitgebers ab - vorerst: „Das brauche ich nicht, mir geht es gut, bis jetzt. Aber ich habe immer die Möglichkeit das Angebot doch noch in Anspruch zu nehmen.“

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