Pfusch bei Kita-Neubau Nordlünen: 400 Seiten Mängel, Bauvertrag gekündigt

rnBetriebsausschuss

400 Seiten füllen die Mängel, die die SL Grundbesitz beim Kita-Neubau in Nordlünen aufgelistet hat. Inzwischen ist der Rohbaufirma gekündigt worden. Das Thema beschäftigt Juristen.

Nordlünen

, 17.06.2020, 13:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es waren keine guten Nachrichten, die Prokurist Dr. Gerd Koch von der SL Grundbesitz (SLG) für die Sitzung des Betriebsausschuss Zentrale Gebäudebwirtschaftung Lünen (ZGL) am Dienstag (16.6.) hatte: Beim Kita-Neubau für die Elterninitiative „Kleiner Kreisel“ an der Rudolph-Nagell-Straße in Nordlünen ist Baustopp. Auf 400 Seiten seien Mängel aufgelistet, die die Rohbaufirma nicht behoben habe. Die SL Grundbesitz als Bauherr, eine Tochter der Stadtwerke Lünen, habe dem Unternehmer gekündigt.

Das Thema beschäftigt Juristen. Jetzt müsse neu ausgeschrieben werden. Das verschiebe die Fertigstellung auf Dezember 2020, „vorbehaltlich, dass wir wirtschaftliche Angebote bekommen.“

Man würde den Eltern und Kindern gerne andere Nachrichten überbringen, so Koch. Für die Verzögerung nannte er mehrere Gründe: Im Februar sei es der Niederschlag gewesen, die Dacharbeiten hätten nicht weitergehen können. Dann kam Corona, nach Vorgabe der Berufsgenossenschaft konnte die Mannschaft nicht in gewohnter Stärke arbeiten. Die Passivbauweise der neue Kita habe besondere Ansprüche.

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Korsett der öffentlichen Förderung

Doch der wesentliche Grund seien die Förderbedingungen. Sie zwängen den Auftraggeber in ein enges Korsett. „Wir haben fünf Turnhallen und die Mensa des Förderzentrums Nord in einem Jahr realisiert“, schildert Koch im Ausschuss. Wenn man frei arbeiten könne, könne man mit angestammten Partnern verhandeln. Das sei bei einem Förderprojekt nicht möglich. Man müsse Nachweise zu führen, für die richtige Ausschreibung mit einem Anwalt für Vergaberecht zusammenarbeiten, europaweit ausschreiben, Fristen beachten und für den Fördermittelabruf die sachgerechte Verbuchung der Kosten nachweisen. Die Verzögerung habe schon bei der Ausschreibung begonnen: Weil die Angebote nicht wirtschaftlich waren, musste neu ausgeschrieben werden.

Baugleich baut die SLG, eine Stadtwerke-Tochter, zu der Kita „Kleiner Kreisel“ auf dem Gelände des Gymnasiums in Nordlünen auch an den Hummelknäppen die Kita für die Elterninitiative „Kinderhaus“. Auch da gebe es Mängel, es sei aber erkennbar, dass die Firma sie abarbeite. Der Bau soll Ende Oktober 2020 fertig sein.

Ausschussmitglieder nicht zufrieden

Wenig zufriedenstellend nannte Michael Haustein (SPD) die Situation. Zumal seit dem Beschluss inzwischen fünf Jahre vergangen sind. Da seien die Kinder, für die die Kita gedacht war, schon raus. Anfangs sorgten Standort- und Hochwasserfragen für Verzögerung. Er fragte, ob ZGL vielleich schneller gebaut hätte? Beide hätten den gleichen rechtlichen Rahmen des öffentlichen Vergaberechts, so ZGL-Chef Marc Stoverock. Siegfried Störmer (SPD) interessierte, ob man außerhalb der Förderbedingungen bauen sollte, wenn man schnell den Bedarf an Kita-Plätzen decken wolle? Stoverock verwies auf die finanzielle Situation der Stadt und darauf, dass in Lünen viele Projekte mit riesigen Fördervolumen bewegt würden. Höhere Kosten durch die Verzögerung befürchtete Thomas Buller-Hermann (CDU). Doch Koch nannte ein fixes Angebot.

40 Vorlagen für Kita-Projekt

Für den Kita-Bau, so Vorsitzender Martin Püschel, habe es 40 Vorlagen gegeben. Karsten Niehues (FDP) sagte, man habe sich nicht mit Ruhm bekleckert. Er hätte gerne von außen prüfen lassen, wo Stellschrauben gewesen wären. Stoverock erklärte, das könne man, aber es sei alles transparent im Ausschuss gewesen.

„Wir müssen differenziert hingucken“, so Püschel. Viele Projekte mit ZGL und SGL seien gut gelaufen. Lob habe es für den ZGL-Anbau Kita am Baukelweg, für Offenen Ganztag und Umbau von Schulen gegeben. Er nannte auch die fünf Turnhallen von SLG. „Das war reibungslos.“ Bei den Kitas in Nordlünen und Alstedde allerdings gebe es einiges aufzuarbeiten und zu lernen.

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