Preußenbahnhof in Lünen hat Geburtstag - eine Geschichte aus 100 Jahren

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Die Geschichte des Lüner Preußenbahnhofs fängt mit der Kohle an. Die Kohle ist längst weg, der Bahnhof noch da. Auch wenn es danach oft nicht aussah. Im Gegenteil. Ein Glückwunsch zum „100.“

Lünen-Süd, Horstmar

, 17.02.2020, 13:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer seinen 100. Geburtstag feiern kann, der hat einiges ausgehalten. So geht es auch dem Preußenbahnhof. Dabei ist dessen Geschichte eher eine von vielen Rückschlägen und Problemen, die immer wieder - egal in welchem Jahrzehnt - auftreten.

Vorgängerbahnhof an der ehemaligen Hafenstraße

Einen Preußenbahnhof gibt es tatsächlich schon mehr als ein ganzes Jahrhundert: 1896 wurde der Preußenbahnhof eröffnet - allerdings nicht da, wo er heute ist, sondern in der damaligen Hafenstraße (ein Teil der Scharnhorststraße). Dort war es so einsam, dass 1905 der Stationsbeamte an Sonn- und Lohntagen und bei einbrechender Dunkelheit sowieso Polizeischutz erhielt. Der Bahnhof war damals schlicht ein Wohnhaus mit Gleisanschluss.

Irgendwann war klar: So wird es nicht weitergehen können. Der neue Bahnhof wird notwendig, als die Bahnstrecke nach Münster gebaut wird. Und: Immer mehr Menschen nutzen die Bahn. Wurden hier am Preußenbahnhof 1896 noch rund 7900 Fahrkarten verkauft, sind es 1912 über 123.000. Das bedeutet akuten Handlungsbedarf. Gleich nach den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wird, einige hundert Meter weiter südlich des bisherigen Bahnhofs, mit dem Bau des neuen Bahnhofs begonnen.

Und so wird am 19. Februar 1920 der neue Bahnhof Preußen an der Preußenstraße eröffnet. Und dessen Geschichte ist sehr schnell eine, von der man nicht annehmen konnte, dass dieses Kapitel ein ganzes Jahrhundert lang sein würde.

Diskussionen um den Namen in den 1930er-Jahren

Zehn Jahre gehen ins Land. 1930 entbrennt eine Diskussion um den Namen. Der Preußenhafen heißt Preußenbahnhof, weil die Zeche so hieß. Die Zeche ist weg, man findet den Namen irgendwie unpassend. Aber er bleibt. Die Verantwortlichen können sich nicht durchringen, mit der Namensänderung ein Stück Tradition aufzugeben.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1954: Fahrkartenkontrolle am Preußenbahnhof.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1954: Fahrkartenkontrolle am Preußenbahnhof. © Ruhr Nachrichten Archiv

Während man 1950 noch viel Freude an dem Bahnhof hat (die meisten Kriegsschäden sind behoben), folgt im September 1959 diese Schlagzeile: „Die Decke im Bahnhof droht einzustürzen“, weil die „Balkenlage“ über der Halle in einem katastrophalen Zustand ist. Die Folge: Die Empfangshalle ist gesperrt. Man entschließt sich, anstelle der Holzbalken Eisenträger einzuziehen. Ein Holzhäuschen gleich neben dem Haupteingang bietet Reisenden in der Zeit, in der die Eingangshalle gesperrt ist, Schutz. Und, wo man schon mal dabei ist: Es gibt auch einen neuen Anstrich und neue Lampen.

Solche Schlagzeilen ziehen sich durch die Jahrzehnte: Im September 1972 ist von einem „Gammelbahnhof“ die Rede, fünf Jahre später geht‘s ums Ganze: Die Wände faulen, das Mauerwerk zeigt dicke Risse. Wenn es eine Rangliste mit den unansehnlichsten Gebäuden in Lünen gäbe, würde der Preußenbahnhof wohl ganz oben zu finden sein, heißt es.

Risse im Mauerwerk, Pfützen im Gebäude

Es geht auch dieses Mal weiter für den Bahnhof. Aber die Schwierigkeiten bleiben: In den 1980er-Jahren wieder Ortstermine, es finden sich Risse im Mauerwerk, und bei Regen stehen die Pfützen im Gebäude. Es riecht, ist „dunkel, dreckig und richtig unheimlich“. Dann gibt es im Sommer 1988 eine gute Nachricht: Die Bäckermeister Ulrich und Klaus Hilgert wollen den Bahnhof Preußen vor dem Abriss retten und planen, diesen in ein Geschäftszentrum zu verwandeln.

Wenige Monate später investiert die damalige Bergbau AG Westfalen 250.000 DM in den Bahnhof. Die Maßnahmen helfen auch den Brüdern Hilgert, die sich noch immer um den Erwerb des Bahnhofs bemühen. Die Verhandlungen werden nun wieder aufgenommen. Wenige Monate später ist es soweit: Der Vertrag ist unterschrieben, der Bahnhof - so die Hoffnung damals - finde nun „Anschluss an eine sichere Zukunft“. 1990 dann ziehen die Geschäfte ein, auch ein Biergarten öffnet. Die Eröffnung des neuen Preußenbahnhofs im Oktober 1990 gleicht einem kleinen Volksfest.

Mit dem Fahrplanwechsel Ende 2019 heißt der Bahnhof Preußen nun offiziell „Bahnhof Lünen-Preußen“. Auch die Ansage in den Zügen wird entsprechend geändert. Die Bahn zählt an diesem Bahnhof 1600 Reisende und Besucher täglich. Das sind aber nicht nur Bahnfahrer, sondern alle, die den Bahnhof aufsuchen, also auch die, die hier zum Beispiel ein Brötchen kaufen.

Zu tun gibt es auch weiterhin reichlich: Bund und Land geben Anfang der 1990er 670.000 DM für die Neugestaltung des Vorplatzes. 1992 dann schon wieder Schlagzeilen wie „Preußenbahnhof ist ein Sorgenkind der Deutschen Bundesbahn“, es steht mal wieder eine Renovierung an. Das Gebäude muss besser gegen Feuchtigkeit isoliert werden. Für die Landesgartenschau, die 1996 in Lünen stattfindet, wird erneut einiges getan: Es gibt einen Schutzanstrich gegen Graffiti im Durchgangsbereich, den damals die Bäckermeister-Brüder bezahlen. Die Grünanlagen werden schick gemacht und einmal im Monat kümmert sich ein Gärtner um die Anpflanzungen.

So sieht es am Bahnhof Preußen in Lünen-Horstmar heute aus.

So sieht es am Bahnhof Preußen in Lünen-Horstmar heute aus. © Goldstein

1999 ergibt dann eine Umfrage gute bis sehr gute Noten für den Hauptbahnhof - der Preußenbahnhof schneidet miserabel ab: „Hässlich, unmodern und trostlos“ sind die Vokabeln. Man müht sich weiter, aber schon 2000 ist klar: Sickerwasser hat den frischen Anstrich in der Gleisunterunterführung schon wieder gelöst. 2001 dann eine „Sauberkeitsoffensive“ im Bahnhof. Wie man sich denken kann, ist das nichts für die Ewigkeit, immer wieder gibt es Probleme mit Schmierereien.

Was dann kommt, ist noch einmal eine der größten Herausforderungen für den Bahnhof: Der soll modernisiert werden. Das ist gut - die Umsetzung allerdings gerät zum Desaster. Es ist das Jahr 2013 und man will den Bahnhof grundsanieren. 2015 soll alles fertig sein. Bald ist klar: Man hat den Bahnsteig falsch vermessen. Die Konsequenz: ein Baustopp. Der Bahnhof ist fast zwei Jahre länger ein Provisorium. Neueröffnung ist 2017.

Der Bahnhof Preußen heißt jetzt Lünen Preußen. Das Schild am Bahnsteig trägt den neuen Namen.

Der Bahnhof Preußen heißt jetzt Lünen Preußen. Das Schild am Bahnsteig trägt den neuen Namen. © Stachelhaus

Jetzt ist der Preußenbahnhof 100, frisch geliftet und hat amtlich als Geburtstagsgeschenk einen neuen Namen bekommen: Offiziell heißt er nun „Lünen Preußen“.

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