Profilschule wird „Talentschule“: Benachteiligte Schüler stärker fördern

rnMehr Geld und Personal

Die Profilschule in Brambauer ist vom Land als „Talentschule“ ausgewählt worden. Sie bekommt mehr Personal und Geld, um Schüler in einem Umfeld mit sozialen Herausforderungen zu fördern.

Brambauer

, 05.02.2019, 05:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als die Nachricht am Freitag (1. Februar) in der Profilschule in Lünen-Brambauer eintraf, „knallten die Sektkorken“. Aus 149 Bewerbungen hatte eine unabhängige Expertenjury landesweit 35 Schulen ausgewählt, die künftig als „Talentschulen“ gefördert werden.

Eine davon ist die Profilschule. „Wir haben uns beworben und gehofft, den Zuschlag zu bekommen“, erklärt Schulleiter Michael Schulte auf Anfrage. „Als die Mail kam, war das für uns sehr schön.“ Er sieht darin auch eine „Aufwertung“, die für die Profilschule als Hauptschule wichtig sei.

Käthe-Kollwitz-Gesamtschule geht leer aus

Enttäuschung hingegen bei der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Lünen-Süd. Auch sie hatte sich beworben „Wir haben ein sehr gutes Konzept vorgelegt“, erklärt Schulleiter Reinhold Bauhus.

Dass die Kollwitz-Gesamtschule trotzdem nicht zum Zuge kam, liegt seiner Meinung nach an „der Verteilung nach dem Gießkannenprinzip, wonach jede Region und jede Schulform bedacht wurde.“ Wenn sich zwei Schulen aus einer Stadt bewerben und eine habe schon den Zuschlag bekommen, dann würde nach dieser Systematik die zweite nicht mehr bedacht, so Bauhus.

Das hindere die Lünen-Süder Gesamtschule aber nicht daran, ihr Konzept für den naturwissenschaftlichen Bereich nicht dennoch umzusetzen. „Wir werden unseren Weg gehen, auch ohne die in Aussicht gestellten Ressourcen, dafür mit eigenen Bordmitteln.“

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Im Juli hatte die Landesregierung den auf sechs Jahre angelegten Schulversuch „Talentschule“ beschlossen. Er soll zeigen, wie die Schülerleistungen an Schulen mit großen sozialen Herausforderungen durch besondere unterrichtliche Konzepte, gezielte Unterstützungsangebote bei der Schulentwicklung und zusätzliche Ressourcen gesteigert werden können. Es geht um mehr Lernmöglichkeiten und praktisches Arbeiten.

Stadt Lünen hat Bewerbungen unterstützt

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns begrüßte, dass die Profilschule „Talentschule“ wird: „In der Talentschule sehen wir als Schulträger ganz konkrete Möglichkeiten zur Verbesserung der Bildungsstruktur.“ Er bedauerte, dass nicht auch die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule ausgewählt wurde.

„Auch die Bewerbung der KKG war sehr gut und die Schulgemeinschaft hätte die Auszeichnung als Talentschule in jedem Fall verdient“, sagte Kleine-Frauns. Die Stadt Lünen habe die Bewerbungen der beiden Schulen um die Förderung als „Talentschule“ nachdrücklich unterstützt.

Eine zusätzliche Mathematikstunde

Die Profilschule hat sich mit dem Schwerpunkt MINT, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, beworben. „Wir wollen noch stärker konzeptionell arbeiten.“

Beginn ist im kommenden Schuljahr 2019/2020 ab Klasse 5, aufbauend bis zur Klasse 10. In Klasse 5 gibt es einen Technikbereich und eine zusätzliche Mathematikstunde mit Versuchen, getrennt vom normalen Unterricht. In Projekten wird später auch Informatik-Unterricht erteilt.

Drei neue Lehrerstellen an der Profilschule

„Talentschulen“ bekommen zusätzliche finanzielle Mittel und einen Aufschlag von 20 Prozent auf den üblichen Stellenbedarf in Aussicht gestellt. „Wir haben zwar noch keine Information, aber das würden drei zusätzliche Lehrerstellen bedeuten“, so Schulte. Die Profilschule mit 270 Schülern und 30 Lehrern habe erst seit kurzer Zeit zwei volle Stellen für Schulsozialarbeiter bekommen, „da sind wir gut dran“.

Zur Info

Tag der offenen Tür

  • Die Profilschule Lünen lädt für Donnerstag, 7. Februar, zum Tag der offenen Tür ein. Die Veranstaltung steht unter dem Motto „PS Love“.
  • Von 16 bis 18 Uhr sind Besucher in der Schule an der Friedhofstraße willkommen.
  • Es gibt ein großes Angebot an Mitmach-Aktionen. Dabei können Freundschaftsbänder geknüpft, Valentins-Karten gebastelt oder Herzchen gebacken werden.
  • Die Verantwortlichen geben an diesem Nachmittag aber auch allen Eltern, die ihr Kind an der Profilschule anmelden wollen, Gelegenheit, die Schule und ihre pädagogischen Konzepte bei einer Führung kennenzulernen.

Schulte sieht die Wahl zur „Talentschule“ auch im Hinblick auf den bevorstehenden Anmeldetermin positiv. „Wir konnten im vergangenen Jahr zwei Klassen mit 30 Schülern bilden. Wenn das diesmal auch so wird, bin ich zufrieden.“

FDP hatte Bewerbung angeregt

Freude gab es bei der FDP, die mit Yvonne Gebauer die NRW-Schulministerin stellt. Die FDP Lünen hatte im Sommer mit der FDP-Landtagsabgeordneten Susanne Schneider die Profilschule besucht und eine Bewerbung angeregt.

„Schon damals hatte sich die Schule durch ein ausgezeichnetes Management und eine intensive Schülerbetreuung ausgezeichnet“, teilt die FDP in einem Schreiben mit. Die Unterstützung als „Talentschule“ werde der Schule, aber besonders den Schülern und der Bildung zugute kommen.

Verband Bildung und Erziehung kritisiert Schulversuch

Kritik an dem Schulversuch kommt hingegen vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW mit Sitz in Dortmund. „Jeder einzelne Schüler, jede einzelne Schülerin verdient die bestmögliche Bildung und Erziehung. Einzelne Leuchttürme zu fördern, schafft keine Chancengleichheit. 99 Prozent aller Schulen profitieren vorerst nicht vom Schulversuch“, erklärte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau.

„Alle Schülerinnen und Schüler in ganz NRW haben es verdient, dass ihre Schule ausreichend und zeitgemäß ausgestattet ist.“ Unverständlich findet der VBE auch, dass Grundschulen erst gar nicht in den Schulversuch einbezogen wurden.

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