Quote für "südländische Männer" in Lüner Fitness-Studios

Diskriminierung

LÜNEN In zwei Lüner Fitness-Centern werden "südländische Männer" nur begrenzt aufgenommen. "Das könnte man als diskriminierend und rassistisch empfinden", gibt der Geschäftsführer zu - und rechtfertigt gleichzeitig diese Praxis.

von Von Peter Fiedler

, 08.09.2009, 12:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Für Sengül Ersan und ihren Mann Özem bleiben die Türen zur Fitness Hall verschlossen.

Für Sengül Ersan und ihren Mann Özem bleiben die Türen zur Fitness Hall verschlossen.

"Wir stellen eine starke Abneigung anderer Kunden gegen südländische Männer fest. Wir diskriminieren, weil wir diskriminieren müssen. Ich will Geld verdienen", sagt Geschäftsführer Ronny Mallwitz.

Eine türkischstämmige Deutsche und ihr türkischer Mann erfuhren es am eigenen Leib: Ihnen wurde die Mitgliedschaft in der "Fitness Hall Horstmar" verweigert, als sie ein Probetraining machen wollten. "Aufnahmestopp", habe es geheißen. Eigenartig, dachte Sengül Ersan, von Beruf Juristin im Rechtsamt des Kreises Unna. Denn einige Tage später warb das Studio per Flyer um Neuaufnahmen. Wieder wurde das Ehepaar vorstellig: "Leider schon ausgebucht", erklärte man uns, berichtet die 32-Jährige. Die perfekt Deutsch sprechende Frau schöpfte Verdacht, meldete sich telefonisch unter deutschem Namen. "Wenn Sie heute noch kommen, klappt es noch, hat man mir gesagt", berichtet Sengül Ersan.

Ausländerkontingent festgelegt Zur Rede gestellt, hätte ein Mitarbeiter der "Fitness Hall" schließlich zugegeben, "dass die Geschäftsleitung ein Ausländerkontingent festgelegt hat, das man nicht überschreiten darf".

Ronny Mallwitz, Geschäftsführer der "Fitness Hall Horstmar" und Betreiber des "Health & Fitness Centers" in Lünen-Alstedde, weiß von dem Fall. "Es war eine Entscheidung des Studioleiters. Die Frau hätte ich aufgenommen, ihr Freund war das Problem."

"Ich will Geld verdienen" Özem Ersan fiel offenbar unter die "südländische Männer-Quote". Ronny Mallwitz rechtfertigt sie mit "vielen Beschwerden" und damit, "dass keine junge deutsche Frau wiederkommt, wenn sie den Eindruck hat, die Halle ist voller südländischer Männer."

Insgesamt 300 "südländische Männer" habe man in den beiden Studios aufgenommen. Mehr sollen es offensichtlich nicht werden. "Jedem eine Chance zu geben funktioniert nicht", meint Mallwitz. Er persönlich sei im Übrigen "sehr tolerant".

Lesen Sie jetzt