Rainer Ashoff: "Feuerwehr Lünen ist gut aufgestellt"

Interview mit Feuerwehr-Chef

Wenn sie gebraucht werden, sind Lünens Feuerwehrmänner innerhalb weniger Minuten am Einsatzort. Wir sprachen mit dem Chef der Feuerwehr, Rainer Ashoff, über Kindheitsträume, Feuerwerk, Gaffer und Terrorgefahren.

LÜNEN

, 28.12.2016, 12:04 Uhr / Lesedauer: 3 min
Feuerwehr-Chef Rainer Ashoff an seinem Schreibtisch in der Feuerwache an der Kupferstraße.

Feuerwehr-Chef Rainer Ashoff an seinem Schreibtisch in der Feuerwache an der Kupferstraße.

Herr Ashoff, gehören Sie zu denen, die schon als Kind Feuerwehrmann werden wollten?

Genau richtig. Schon im Alter zwischen 12 und 14 Jahren war ich ganz besessen davon, Feuerwehrmann zu werden.

Gab es dafür einen Grund?

Ja, mein Vater war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Damals gab es auch in Wethmar noch den Sirenenalarm. Wenn ich die Sirene gehört habe, wurde ich immer ganz nervös. Mit meinem Kumpel und meinem kleinen Fahrrad habe ich dann immer versucht, den Einsatzort zu erreichen.

Wann sind Sie in die Feuerwehr eingetreten?

Mit 18 Jahren bin ich in den Löschzug Wethmar eingetreten. Früher ging es nicht, es gab nämlich noch keine Jugendfeuerwehren.

Hätten Sie jemals gedacht, Chef der Lüner Berufsfeuerwehr zu werden?

Nein, auf keinen Fall. Wenn man so jung und Feuerwehr-fanatisch ist, denkt man nicht daran, Chef zu werden.

Was ist das Besondere an dem Beruf des Feuerwehrmannes?

Ich glaube, für 90 Prozent der hauptberuflichen Feuerwehrmänner sagen zu können, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Auch wenn ich jetzt schon seit Jahren im Büro sitze, gilt: Jeder Tag ist anders. Man plant etwas, und es kommt nicht zustande, weil ein Einsatz dazwischen kommt. Die Arbeit wird einfach nicht stupide – jeder Einsatz, jeder Mülltonnenbrand ist anders.

Was ist Ihre Hauptaufgabe als Feuerwehrchef?

Ich bin verantwortlich für 400 Mann – für 75 Berufsfeuerwehrmänner, für über 200 freiwillige Feuerwehrmänner, für die Ehrenabteilung mit über 80 Mann sowie für die Jugendfeuerwehr. Meine Hauptaufgabe ist es, wie sagt man so schön, den Laden am Laufen zu halten. Das heißt, die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Zum Beispiel den Brandschutzplan umzusetzen und weiterzuentwickeln.

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Die Terrorgefahr ist auch in Deutschland gestiegen. Wirkt sich das auf die Feuerwehrarbeit vor Ort aus?

Das verfolgen meine Führungskräfte und ich sehr genau. Dazu machen wir uns natürlich Gedanken. Schlimm fand ich dieses Jahr die Anschläge in kleinen Gemeinden – und den Terroranschlag vor wenigen Tagen auf einem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin. Da versucht man schon, das auf unsere Kommune herunterzuspielen.

Gedanken machen ist die eine Sache, aber arbeiten Sie und Ihr Team auch an konkreten Notfallplänen, vielleicht auch mit anderen Städten?

Es gibt verschiedene Konzepte – sowohl auf Kreis- als auch auf Landesebene. An diesen Konzepten arbeiten wir aktiv mit. Darin ist zum Beispiel geregelt, was bei einem Massenanfall von Verletzten zu tun ist.

Massenanfall?

Davon spricht man bei Notfällen mit einer großen Anzahl von Verletzten oder Erkrankten, die vom Regelrettungsdienst nicht versorgt werden können.

Es gibt also keine speziellen Schulungen wegen der gestiegenen Terrorgefahr?

Nein.

Sie sind seit 1980 bei der Berufsfeuerwehr. Haben sich seitdem die Anforderungen an die Feuerwehren geändert?

Die Aufgaben haben im Laufe der Jahre deutlich zugenommen. Dazu tragen auch die Vorgaben vom Land bei.

Ist die Lüner Feuerwehr gut ausgestattet, materiell sowie personell?

Wenn ich jetzt sagen würde, die Lüner Feuerwehr ist schlecht ausgestattet, dann würde ich den falschen Job machen. Man kann nie sagen, dass man für alle Lagen vorbereitet ist. Deshalb gibt es ja auch über die Stadtgrenze hinaus überregionale Hilfen. Für das, was in Lünen täglich passiert, sind wir gut aufgestellt.

Die Feuerwehr hängt am Tropf der Stadt und die Haushaltslage ist schwierig. Leidet die Feuerwehr darunter?

Die Haushaltslage ist wirklich schwierig, aber die Politik und die Verwaltung haben erkannt, dass die Feuerwehr ein äußerst wichtiges Stadtgebilde ist. Wir können nicht meckern. Wir haben unter anderem Fahrzeugkonzepte entwickelt, die greifen. Da werden zurzeit auch die notwendigen Gelder zur Verfügung gestellt. Wie es weitergeht, müssen wir abwarten.

Würden Sie sagen, dass sich Politik und Verwaltung nicht so schnell mit der Feuerwehr anlegen, dass von der Feuerwehr eine gewisse Macht ausgeht?

Politik und Verwaltung haben die Verantwortlichkeiten erkannt. Der Leiter der Feuerwehr ist ja auch nicht der freischaffende Künstler oder der Fürst von nebenan. Die Kommune muss alle fünf Jahre einen Bedarfsplan aufstellen und da legt ein unabhängiger Gutachter fest, wie die gesetzlich vorgegebenen Leistungen erreicht werden können und was dazu erforderlich ist. Anders ausgedrückt: Wenn der Ashoff meint, er bräuchte dieses oder jenes Auto, dann bekommt er das noch lange nicht.

Was war Ihr schönster Einsatz?

Schwer zu sagen: Das Schönste ist immer, wenn man helfen konnte und dafür später auch ein Dankeschön erhält.

Ihr schlimmster Einsatz?

Schlimm sind Wohnungsbrände, bei denen Menschen sterben. Ganz schlimm sind Verkehrsunfälle mit Kindern. In den 1980-er Jahren gab es da mal einen Einsatz in Lünen-Süd, da ist eine Frau mit zwei Kindern ums Leben gekommen. Das vergesse ich nie.

Haben Sie hier auch einen psychologischen Dienst zur Betreuung von Feuerwehrmännern nach solch schlimmen Einsätzen?

Wir haben ein PSU-Team: Das steht für psychosoziale Unterstützung. Die Kollegen wurden speziell geschult am Institut der Feuerwehr in Münster. Diese Einheit bauen wir seit zwei, drei Jahren, auf.

Stichwort Gaffer: Fühlen sich die Einsatzkräfte von denen bei der Arbeit gestört?

Durch die modernen Medien sind die Schaulustigen heute einfach schneller an den Einsatzorten. Das ist manchmal schon störend. Das haben wir in Zusammenarbeit mit der Polizei aber ganz gut im Griff.

Hat die Feuerwehr Nachwuchssorgen?

Landesweit ist das so. Deswegen startet das Land NRW Anfang des Jahres eine große Imagekampagne. Lünen hat bislang keine Probleme. Wir haben vor elf Jahren die Jugendfeuerwehr gegründet, davon profitieren wir heute noch.

Begrüßen Sie das neue Jahr auch mit Feuerwerk?

Na klar, aber in Maßen und mit der notwendigen Sorgfalt.

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