Drei der ursprünglich fünf Jurorinnen, die über die Vergabe der Rakete entscheiden (v. l.): Emily Friers, Shaima Rhendour und Anna Weißer. © Sylvia vom Hofe
Kinofest Lünen

Raketen-Jury beim Lüner Kinofest 2021: „Gemeinsam gucken ist besser“

Wenn ihre Klassenkameraden Schluss haben, fängt für vier Mädchen die größte Herausforderung des Tages erst an - nicht in der Schule, sondern in der Lüner Cineworld, an drei Tagen in Folge.

Eigentlich sind sie zu fünft: die Jurorinnen, die über die Vergabe der Rakete entscheiden, des Preises des Kinofests Lünen für den besten Kinder- und Jugendfilm 2021. Der vom Kreis Unna gestiftete Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Tatsächlich werden sie aber nur zu viert sein, um sich am Mittwoch (24.11.) die fünf Wettbewerbsbeiträge anzuschauen und sich dann bis Samstag (27.11.) auf den Siegerbeitrag zu einigen. Wie bei so vielem anderen war es auch dieses Mal die Corona-Pandemie, die für die kurzfristige Änderung gesorgt hat. Eine Preisrichterin musste in Quarantäne.

Die verbliebenen Jurorinnen finden das schade. Ihrer Vorfreude tut das aber keinen Abbruch. Filme anzuschauen und sie zu empfehlen oder auch nicht, gefällt ihnen in ihrer Freizeit. Das jetzt für drei Tage mit professionellem Auftrag machen zu können, sei etwas ganz Besonderes, sagen Shaima Rhendour, Emily Friers und Anna Weißer (die vierte im Bunde war bei dem Vorgespräch nicht dabei) übereinstimmend. Die Lünerinnen sind echte Kinder- und Jugendfilmexpertinnen – denn sie sind selbst Kinder und Jugendliche: Schülerinnen der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule.

Shaima (13): „Die Geschichte darf einen nicht loslassen“

Anna ist 12 Jahre alt, Emily 14 und Shaima 13. Ihre Lieblingsfilme sind „Chaos auf der Feuerwache“ (Anna), „Minions“ (Emily) und eine „alles, was Action bietet“ (Shaima). Die Mädchen bringen das schnell auf einen gemeinsamen Nenner: „Die Geschichte, die in einem Film erzählt wird, muss lustig und spannend sein“, sagt Emily. Ob es dann ein Happy End gibt oder Tränen fließen, sei nebensächlich, meint Shaima: Die Hauptsache sei, dass einen die Geschichte nicht loslasse.

Als die Frage kam, ob sie beim Kinofest mitmachen wollten, haben sie nicht gezögert. Auch „weil es viel mehr Spaß macht auf eine große Leinwand zu schauen als zu Hause auf den Bildschirm“, sagt Anna. „Und weil man im Kino immer gemeinsam ist und sich dann austauschen kann“, befindet Shaima. Das sei sowieso der große Unterschied zum Fernsehgucken und Streamen zuhause: „Ein Kinobesuch ist etwas Besonderes“, so Emily: genau das Richtige für einen Mädelsabend oder eine Geburtstagsfeier.

Fünf Kinofilme an drei Tagen gucken

Mittwoch und Donnerstag jeweils zwei Filme und am Samstag ein Film: Kinofest-Jurorin zu sein, ist durchaus anstrengend. Das ahnen die Mädchen bereits im Vorfeld. Denn morgens müssen sie wie jeden Tag ausgeschlafen im Unterricht sitzen. Langweilig wird es ihnen auf keinen Fall werden. Das ist für Shaima auch bei der Bewertung der fünf Filme die entscheidende Kategorie: „Bloß nicht Langweilen.“ Mit welchen Stilmitteln und in welchem Genre das den Filmemachern gelingt, ist für sie nebensächlich. „Das kann sowohl ein Animationsfilm sein als auch ein Film mit echten Schauspieleinnen und Schauspielern.“

Die Schülerinnen gehen unvoreingenommen an die Sache. Den Raketen-Preisträger des letzten Kinofests aus dem Jahr 2019, „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“, kennen sie nicht. Die Titel der fünf Filme, die sie jetzt erwarten ebenfalls nicht.

Von „Peterchens Mondfahrt“ bis Bollywood

Nicht einmal „Peterchens Mondfahrt“, der Titel des einzigen Animationsfilms im Wettbewerb, sagt ihnen etwas. Zwar ist die Buchvorlage von Gerdt von Bassewitz ein Klassiker der Kinderliteratur. Aber die Veröffentlichung im Jahr 1912 lässt sie ganz aus dem Blick der Kids fallen. Die weiteren Titel: „Nachtwald“, „Lene und die Geister des Waldes“, „Mission Ulja Funk“ und „Träume sind wilde Tiger“ .

Als die Mädchen hören, dass der letztgenannte Film ein Bollywood-Streifen ist, bekommt Shaima große Augen: „Bollywood finde ich klasse“ – auch wenn es eine deutsche Produktion ist, wie alle anderen Beiträge auch. Das Lüner Kinofest versteht sich eben seit seiner Gründung 1990 als „Festival für den deutschen Film“.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
Zur Autorenseite
Sylvia vom Hofe

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.